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Kampf der Kulturen? Kampf der Karikaturen?
 
  Die rechtsgerichtete Jyllands-Posten, jene Zeitung, welche die rassistischen Karikaturen des Propheten Mohammed als Erste veröffentlichte, ist sonst nicht so auf Pressefreiheit bedacht, schreibt Simon Basketter

Um das Bekenntnis der dänischen Presse zur Meinungsfreiheit wurde in den letzten Tagen viel Wind gemacht. Aber die Jyllands-Posten, die rechtsgerichtete Zeitung, welche die rassistischen Karikaturen des Propheten Mohammed als Erste veröffentlichte, verweigerte 2003 den Druck eines Cartoons über die Auferstehung Jesu. Die Zeitung befürchtete, damit Wut unter ChristInnen zu provozieren.
Gleichfalls war das Druckwerk 1984 Teil einer Kampagne gegen den Künstler Jens Jørgen Thorsen, der von einem regionalen Kunstverein engagiert wurde, eine Wand eines Bahnhofs zu gestalten. Sein Werk zeigte den nackten Jesus mit erigiertem Penis.
Gegenüber MuslimInnen zeigte die Zeitung keine solche Sensibilität. Letzten September erschien ein Artikel, in dem behauptet wurde, dass der Schriftsteller Kåre Bluitgen keine Zeichner finden könne, der bereit wäre, sein Kinderbuch über den Islam zu illustrieren. Bluitgen sagte, dass die KünstlerInnen Angst vor Angriffen hätten, würden sie das Buch illustrieren. In Wahrheit wollte bereits der dritte Künstler, dem das Buch angeboten wurde, dieses illustrieren.
Am 30. September veröffentlichte der Jyllands-Posten ihre zwölf Karikaturen unter dem Titel “Das Gesicht Mohammeds”. Begleitet wurden die Zeichnungen von einem Artikel von Flemming Rose, Chefredakteur für Kultur bei Jyllands-Posten, der schrieb dass “manche MuslimInnen die moderne, säkulare Gesellschaft ablehnen. Sie verlangen eine Sonderposition, beharren auf Berücksichtigung ihrer religiösen Gefühle. Das ist unvereinbar mit heutiger Demokratie und dem Recht der freien Meinungsäußerung.”
Ein Cartoon zeigte den Propheten Mohammed mit einer Bombe in seinem Turban, ein anderer stellte ihn auf einer Wolke dar, tote Selbstmordattentäter mit den Worten begrüßend: “Stopp, stopp, uns sind die Jungfrauen ausgegangen!”. Diese rassistische Provokation der Jyllands-Posten ist nur die letzte einer Serie in der zur Rechten tendierenden Geschichte der Zeitung.
Als der Faschist Benito Mussolini 1922 die Macht in Italien übernahm schrieb die Zeitung, “Der starke Mann, der Mussolini zweifellos ist, ist genau was das fehlgeleitete italienische Volk jetzt braucht.” 1933 sprach sich die Zeitung mit den Worten “Wir müssen annehmen, dass eine Mehrheit der Wähler eine Diktatur wünscht, weil sie die einzige Lösung für die Führung des Staates darstellt.” für eine Diktatur in Dänemark aus.
In der nicht so fernen Vergangenheit unterstützte die Jyllands-Posten die rechten Kräfte in der dänischen Politik. Am 16. März 1992 wurde Henrik Christenson, ein führendes Mitglied der dänischen Schwesterorganisation von Linkswende durch eine Bombe getötet, die von Nazis gelegt wurde. Die rechte dänische Presse behauptete, Christenson habe den Sprengstoff selbst hergestellt.
Während der Wahl von 2001 spielte die Unterstützung der Jyllands-Posten eine entscheidende Rolle für den Sieg der rechten Venstre Partei. Seit damals unterstützt sie die Regierungskoalition, die von Premierminister Anders Fogh Rasmussen geführt wird - einschließlich der explizit ausländerfeindlichen und islamfeindlichen Dänischen Volkspartei. Teilweise wurden Journalisten von Jyllands Posten auch als Spindoktoren der Regierung angestellt.

Klima der Islamfeindlichkeit

Die Karikaturen wurden inmitten eines Klimas von zunehmendem antimuslimischem und ausländerfeindlichem Rassismus in Dänemark veröffentlicht. Im September 2004 wurde ein neues Einwanderungsgesetz beschlossen, welches die gezielte Anordnung enthält, MuslimInnen die Einreise in das Land zu erschweren.
Islamfeindlichkeit durchzieht das gesamte Establishment. Im April des letzten Jahres brachte auch die Königin Margarethe in einer autorisierten Biografie ihre Ansicht zu Ausdruck, dass sich die Menschen in Dänemark dem Islam entgegenzustellen haben.
Wenige Monate später behauptete die ehemalige Hardcore-Porno Darstellerin und heutige Abgeordnete Louise Frevert, eine führende Persönlichkeit der dänischen Volkspartei, junge Muslime wären der Meinung, dass es ihr Recht sei Däninnen zu vergewaltigen und tätlich anzugreifen. Ebenfalls 2005 veröffentlichte Frevert eine politische Broschüre in der steht, dass MuslimInnen bereits insgeheim die Übernahme Dänemarks planen.
Der dänische Abgeordnete der Volkspartei im Europaparlament Mogens Camre meinte unlängst über MuslimInnen : ,, Es führt eine gerade Linie vom verächtlichsten Rassisten zu dem, der seine Tochter beschneiden lässt, seine Frau dazu zwingt ein Kopftuch zu tragen und zu dem, der durch religiösem Fanatismus geleitet, ein Flugzeug ins World Trade Center fliegt.”
Laut Jorn Anderson von Internationale Socialister, der Schwesterorganisation von Linkswende in Dänemark, existiert “die Gefahr eines riesigen rassistischen Backlashs und überdies hinaus ein Erstarken der extremen Rechten. Wie sich die Dinge weiterentwickeln werden, wird sehr von der Reaktion der Linken abhängen. Eine gemeinsame Mobilisierung der Linken und muslimischer Organisationen würde vielen Menschen, welche aufgrund des beträchtlichen Anstiegs von Rassismus in diesem Land empört sind, einen Fokus anbieten.”






   
     
 
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