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Dresden nazifrei! Augenzeugenbericht von David Albrich
Donnerstag 18.02.2010

Das Bündnis „Dresden nazifrei!“ hat seit dem 13.2.2010 allen Grund zu feiern: Nach Berlin, Jena und Köln mussten die Nazis nun auch in der sächsischen Landeshauptstadt eine herbe Niederlage einfahren – der Naziaufmarsch wurde mittels Massenblockaden erfolgreich verhindert. „Die Nazis dürfen nicht marschieren! Die Polizei hat die Veranstaltung aufgelöst!“, tönte es vom Lautsprecherwagen inmitten von 4.500 Menschen am Blockadepunkt Albertplatz in der Dresdner Neustadt. Um 17:00 kam endlich die Bestätigung was sich in den vergangenen Stunden abgezeichnet hat: Der antifaschistische Widerstand ließ die „braune Soße am Bahnhof Dresden-Neustadt vergammeln“, wie es ein Sprecher wohl treffend formulierte.

Schlüssel zum Erfolg war das breite Bündnis „Dresden nazifrei!" mit seinen transparenten Entscheidungen und guter Kommunikation nach außen. - So waren beispielsweise die Blockadepunkte allen rechtzeitig bekannt. Insgesamt rund 600 zivilgesellschaftliche Gruppierungen, Parteien, Gewerkschaften, und Organisationen der radikalen Linken haben sich unter einem einheitlichen Aktionskonsens an den friedlichen Menschenblockaden beteiligt. Doch es war nicht einfach: Im Vorfeld gab es Versuche, die gesamte Aktion zu kriminalisieren, einschließlich Kundgebungsverboten, Repression gegen ErstunterstützerInnen, Beschlagnahme von Plakaten usw.

Bereits in den frühen Morgenstunden zum 13.2. wurden neue Kundgebungen vom Bündnis, in welchem „die Linke“ sehr stark vertreten war, angemeldet. Insgesamt 12.000 bunte AntifaschistInnen von jung bis alt begannen wichtige Verkehrsknotenpunkte rund um den Bahnhof Neustadt im Norden Dresdens zu besetzen. An den Blockadepunkten wurden die Menschen mit Informationen versorgt, während Reden politischer VertreterInnen und Musik das Programm dominierten. Vollkommen zu Unrecht wurde vielen GegendemonstrantenInnen, die ihr Quartier südlich bezogen hatten und zu den Blockaden stoßen wollten, die Überquerung der Elbe über die 4 Brücken polizeilich verwährt. Während sich südlich der Elbe einer bürgerlichen Menschenkette etwa 10.000 Menschen anschlossen, konnten nördlich erfolgreich alle Steh- und Sitzblockaden in der eisigen Kälte durchgeführt werden und der Aufmarsch der Nazis zuerst immer weiter nach hinten geschoben und schlussendlich vollständig verhindert werden.

Als Kundgebungsort wurde den Nazis vom Oberverwaltungsgericht ausgerechnet jener Bahnhof zu gesprochen, von dem aus die Deportationszüge aus Dresden im zweiten Weltkrieg gefahren sind. Doch diesen Treffpunkt konnten viele Nazis aufgrund des Widerstandes gar nicht direkt mit den Bussen sondern nur auf Umwegen erreichen. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Nazis, die vom Stadtrand zum Bahnhof vordringen wollten, Polizei und linken Autonomen. Verletzte gab es auf allen Seiten. Ein linksalternatives Zentrum in der Dresdner Neustadt wurde von 500 Nazis direkt angegriffen. Abseits der in etwa fünf Blockadepunkte kam es vereinzelt zu, teils sinnlosen Geplänkeln mit der Polizei, Barrikaden wurden errichtet, und Müllcontainer angezündet.

Es muss aber klar gesagt werden, dass im Fall „Dresden nazifrei!“ der erfolgreiche Ausgang allein durch die massenhaften und entschlossenen Menschenblockaden bestimmt worden war. „Von uns geht dabei keine Eskalation aus“, hieß es im Aktionskonsens, hinter den sich neben Familien mit Kindern, Pensionisten,… auch viele Autonome stellten. Der Methode des zivilen Ungehorsams, also des kollektiven Bruchs von Verwaltungsrecht durch Besetzen von öffentlichen Straßen und Plätzen, konnten die Behörden nur wenig entgegensetzen, auch wenn einzelne Sitzblockaden von der Polizei aufgelöst wurden. 

Was eine geeinte Linke auf der Straße bewegen kann, zeigte sich auch an der, von Dresdens Oberbürgermeisterin Orosz (CDU) initiierten Menschenkette. Sogar Bürgerliche und Konservative, auch wenn sie im Nachhinein den Erfolg für sich beanspruchen wollen, müssen von ihren üblichen Positionen nach links abweichen. Was hier in Dresden passiert ist, war gewaltig: Ein Aufmarsch von über 4.000 Nazis konnte verhindert werden! Auf der einen Seite die Faschisten, die sich über ihre Kanäle sichtlich geschwächt zeigen, ihren Frust auf der Heimfahrt mit feigen Angriffen auf, ihnen bekannte AntifaschistInnen ausließen und jetzt interne Führungsstreitereien anzetteln. Auf der anderen Seite eine Linke mit einer erfolgreichen Taktik von Menschenblockaden, die sich bereits mehrmals unter Beweis gestellt hat, und klar zeigt, das man die Dinge nicht dem Staat und Regierung überlassen sollte, sondern am besten selbst in die Hand nimmt. Ein gewaltiger Schritt vorwärts, der allen Linken neue Kraft geben sollte!

Alerta Antifascista!








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