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Thema: Imperialismus
In Haiti bricht die Hölle aus, während aus Hilfe Besatzung wird
Mittwoch 27.01.2010

Einwohner von Haiti nach dem Erdbeben

Einwohner von Haiti nach dem Erdbeben
Bild: © Jess Hurd (www.socialistworker.co.uk)

Besatzung in Haiti

Besatzung in Haiti
Bild: © Jess Hurd (reportdigital.co.uk)
Charlie Kimber untersucht die Geschehnisse nach der Erdbebenkatastrophe. Trotz all des Geredes von Hilfe warten gewöhnliche Menschen in Haiti immer noch auf die grundlegendste Versorgung – zu vielen ist noch überhaupt keine Hilfe gekommen. Der Geograph Kenneth Hewitt prägte den Begriff “Klassen-Beben”, als er das Erdbeben von 1976 in Guatemala untersuchte und zwar wegen der Präzision, mit der es die Armen traf. 23.000 Tausend Menschen kamen dabei ums Leben. Das „Klassenbeben“ in Haiti, bei dem mindestens 150.000 Menschen getötet wurden, ist weitaus schlimmer.

Das Beben selbst war ein Naturereignis. Trotzdem hat das Ausmaß des Leides mit der Art zu tun, wie unsere Gesellschaft organisiert ist. Die USA könnten ihre gigantischen Mittel dazu nutzen, den Leuten zu helfen. Stattdessen wird die Katastrophe dazu missbraucht, die Kontrolle über Haiti zu intensivieren. Die USA bereiten eine Langzeit-Besatzung vor, die als „Humanitäre Mission“ gerechtfertigt werden wird.

Die Armut Haitis, die auf Generationen imperialistischer Unterdrückung folgte, ist die Ursache für überfüllte und schlecht gebaute Behausungen, die sich als tödlich erwiesen haben.

Und jetzt haben die Interessen der USA und der Haitianischen Eliten Vorrang vor den Bedürfnissen der Armen. Die IRIN, die offizielle Presseagentur der UNO veröffentlichte letzten Sonntag eine Presseaussendung mit folgender Schlagzeile: „Haiti – hungrig und wütend“. Darin wird eine Frau zitiert, die berichtet, dass zwei große Lager, in denen 30.000 obdachlose Menschen leben, seit dem Tag des Bebens, dem 12. Jänner, keinerlei organisierte Nahrungsmittel-Unterstützung erhalten haben. Jean-Marc Duvert, ein Einwohner von Port-au-Prince erzählte der IRIN: “Wir sind hungrig und wir sind es leid zu sehen, wie gewählte Offizielle Nahrung an sich reißen, die für uns bestimmt ist.“ Die Hilfe wird auf eine Art verteilt, die die Kontrolle der USA und der UNO stärkt – und den Einfluss der Haitianer und Haitianerinnen selbst schwächt.

Wohlverhalten?

Etwa 60.000 Obdachlose haben sich eine notdürftige Unterkunft am Pétionville Golf Club in Port-au-Prince errichtet. Die 82. Airborne-Division überwachte jeden Tropfen Wasser und jeden Bissen Nahrung, den die Leute dort erhielten. Die Soldaten verteilten jeden Sonntag 10.000 Mahlzeiten und machten damit dieses Notlager zum größten Nahrungs-Ausgabepunkt in Port-au-Prince. Dann entschied das Militär, dass „Die Nahrungs-Hilfe zu viele Leute an einen unberechenbaren Ort lockt“ – und so stellten sie die Hilfe ein. Lieutenant Brad Kerfoot sagte dazu: “ Meine Soldaten und ich denken, dass sie undankbar sind.”

Während hunderttausende unter Hunger und Durst leiden, gibt es auf dem, US-kontrollierten Flughafen und im benachbarten UNO-Gebäude eiskaltes Bier, Internetzugang, Nahrung, Decken, Generatoren und Hilfsgüter aus aller Welt. Die Journalistin Caroline Graham schrieb letztes Wochenende: „Noch nie, in den mehr als 20 Jahren, in denen ich über Katastrophen berichte, wurde der Abgrund zwischen der Macht und Stärke der westlichen Welt und den mittellosen, bemitleidenswerten Menschen, zu deren „Rettung sie kommt,“ so grell und offensichtlich.“

Dieser Abgrund führt zu völlig gerechtfertigtem Unmut. Bei mindestens zwei Gelegenheiten marschierten Haitianer zum UNO-Gebäudekomplex und forderten Hilfe und Jobs.

Die Antwort der UNO: Repression

Ein Kubanisches Fernsehteam hat Szenen aufgenommen, die zeigen, wie UN-Truppen Gummi-Geschoße und Tränengasgranaten in Ansammlungen von Haitianern schießen. Es gibt dutzende Berichte von Leichen in den Straßen, deren Hände auf den Rücken gefesselt sind – das Markenzeichen staatlicher Todesschwadrone. Die Medien sind voll von Berichten über die „Plünderer“. Die Wahrheit ist, dass verzweifelte Menschen alles tun, was nötig ist, um zu überleben.

Die Journalistin Rebecca Solnit schreibt: “Nach den Jahren, in denen ich Überlebende von Katastrophen interviewt habe und nach dem Studium von Augenzeugenberichten und soziologischen Studien zu Ereignissen wie dem “London Blitz” (Deutsche Bombardements britischer Städte im Zweiten Weltkrieg) und dem Erdbeben in Mexiko, 1985, glaube ich nicht an Plünderungen.“, „Den Großteil dessen, was passiert, könnte man Notfall-Aneignung nennen.„Jemand, der Du sein könntest, jemand in einer verzweifelten Situation, nimmt das Nötige um, in Abwesenheit irgendeiner Alternative, das menschliche Leben zu erhalten. Nicht nur würde ich das nicht Plünderung nennen, ich würde das nicht einmal Diebstahl nennen.

Während es nicht genug Flüge gibt, um genug Hilfsgüter und medizinisches Gerät nach Haiti zu bringen, landen immer noch die parasitären Reichen für diverse Medienevents. So flog Prinzessin Haya von Jordanien letzte Woche in ihrer Rolle als UNO-Goodwill-Botschafterin  in ihrer privaten 747 ein.

„Heimführung

Die US-Offiziellen behaupten, es ginge ihnen um Hilfe für die Haitianer. Trotzdem unternehmen sie jede Anstrengung, um sicherzustellen, dass jeder, der von der Insel flieht zurückgezwungen wird – oder ertrinkt.

Die Operation “Vigilant Security” operiert mit einer kleinen Flotte von Navy- und Küstenwacheschiffen. „Das Ziel ist es, sie auf See abzufangen und zu repatriieren.“ sagt der Küstenwache-Commander Christopher O’Neil über die Haitianer, die gezwungen sein könnten, die 681-Meilen Überfahrt nach Miami zu riskieren. Raymond Joseph, Haitis Botschafter in Washington, nahm eine öffentliche Aussendung auf, in der er seine Landsleute warnt „nicht in die Boote zu springen und das Land zu verlassen.„Wenn ihr glaubt, ihr erreicht die USA und alle Türen stehen euch weit offen – das ist keineswegs der Fall“, sagt er.

Hunderte Gefangene wurden aus einem Haft-Zentrum in Süd-Florida wegverlegt, um Platz zu schaffen für Haitianische Flüchtlinge, die es in die USA schaffen. Zusätzlich wurde eine Zeltstadt, ursprünglich für 1.000 Menschen ausgelegt, nahe der berüchtigten Guantanamo Bay, ausgebaut, um Flüchtlinge aus Haiti zu internieren.

Die Menschen in Haiti sterben, weil die, die in der Position wären zu helfen, die Hilfe verweigern. Genau wie die Geschehnisse nach dem Hurrican Katrina in New Orleans 2005, stellt das Erdbeben von Haiti das Verhalten der Herrschenden dieser Welt bloß.

Originalartikel:
www.socialistworker.co.uk/art.php









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