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Haiti: Imperialistische Intervention statt effektiver Hilfe
Montag 18.01.2010

Besatzung in Haiti

Besatzung in Haiti
Bild: © Jess Hurd (reportdigital.co.uk)
Muss es immer die Ärmsten der Armen treffen? Haiti ist das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt von weniger als einem Dollar pro Tag. Die letzten Schätzungen beziffern die Zahl der Todesopfer des Erdbebens auf 200.000, aber diese Zahl wird laufend steigen, wenn die UN und die USA so weitermachen, wie in den letzten Tagen. Als Hillary Clinton in Haiti landete, um auf dem Flughafen von Port au Prince ein imageförderndes Interview zu geben, musste der Flughafen für drei Stunden gesperrt werden, keine Hilfslieferungen konnten eingeflogen und keine Verwundeten ausgeflogen werden.

Es gibt viel Gerede über Plünderungen und Aufstandsähnliche Szenen in westlichen Medien, und über die Notwendigkeit Recht und Ordnung herzustellen. US-Soldaten werden zu diesem Zweck eingeflogen. Aber, den Schwerpunkt der Hilfsaktionen auf bewaffnete Truppen anstatt auf Bergungsdienste und Hilfslieferungen zu legen, bedeutet eine selbsterfüllende Prophezeiung zu schaffen. Früher oder später werden die Menschen ihren Zorn und ihre Verzweiflung nicht weiter zurückhalten. Präsident Obama sollte seinen Truppen befehlen, die automatischen Waffen gegen Schaufeln und Spitzhacken einzutauschen. Die US-Regierung hat gerade einmal 100 Millionen US-Dollar locker gemacht, genau soviel wie ein Paar in Arkansas letzte Woche in der Lotterie gewonnen hat. Obama verwaltet eine der größten Katastrophen der Geschichte und bisher versagt er dabei so spektakulär wie George Bush beim Hurrikan Katrina in New Orleans.

Die wenigen Augenzeugen, die aus dem Stadtzentrum von Port au Prince berichten, erzählen übereinstimmend, dass die Menschen versuchen, Überlebende aus den Trümmern auszugraben und verzweifelt auf der Suche nach ihren Freunden und Verwandten sind. Ein Hotel im Stadtzentrum wurde zur Anlaufstelle für zahlreiche Verwundete, weil dort zufällig ein Tourist lebt, der eine Ausbildung als Assistent in Notfallmedizin hat. Er hat seit Dienstag nicht einen UN-Helfer oder sonstige Helferinnen gesehen, oder auch nur ein Päckchen Verbandsmaterial bekommen. Jedes einzelne Paket hätte Menschen vor dem Tod bewahrt. Es ist dieselbe Notfallstation, die auf den Titelseiten der Medienagenturen zu sehen war. Auch die UN Mannschaften selbst sind von dem Erdbeben betroffen. Der Leiter der UN-Mission und sein Stellvertreter, sowie zahlreiche Angehörige der UN-Mission aus Brasilien, China und Jordanien befinden sich unter den Opfern. Es wurde offensichtlich, dass die UN-Mission in Haiti in keinster Weise auf Hilfseinsätze ausgelegt war. Letzten Freitag hat diese UN-Mission 8000 Essensrationen ausgegeben, während sie selbst sagt, dass 8 Millionen Essensrationen pro Woche gebraucht würden. Es besteht aber schlichtweg keine Infrastruktur dafür. Bei der Bevölkerung Haitis sind die UN-Soldaten verhasst, nicht nur wegen zahlreicher Vergewaltigungen, sondern auch wegen ihrer Rolle beim Putsch gegen Jean-Bertrand Aristide im Jahr 2004, als George Bush die reichen Familien Haitis dabei unterstützte, diesen Helden der Armen zu beseitigen.

Haitis Sklavenbevölkerung hat sich selbst ab 1791 durch einen gewaltigen Aufstand unter der Führung von Toussaint L’Ouverture von der Sklaverei und Fremdherrschaft befreit und dabei die Armeen Frankreichs, Englands und Spaniens besiegt und dem Sklavenhandel in der Neuen Welt einen schweren Schlag versetzt. Seit 1804 ist Haiti offiziell unabhängig, aber die USA und die europäischen Supermächte haben den ehemaligen Sklaven und Sklavinnen, sowie ihren Nachfahren nie verziehen. Ihre Häfen wurden blockiert und Haiti wurde dazu genötigt, Frankreich eine Entschädigung im Gegenwert von 25 Milliarden USD zu bezahlen, was erst 1947 erreicht wurde. 1915 sind die USA in Haiti einmarschiert und haben es bis 1934 wie eine Kolonie regiert, um die Schuldenrückzahlung zu garantieren und US Unternehmen zu schützen. 1957 unterstützen sie einen Militärputsch und die Regimes des grausamen Diktators Duvalier und seines Sohnes „Baby Doc“ Duvalier, bis dieser 1986 durch einen Massenaufstand gestürzt wurde. 1990 gewann der Armenpriester Jean-Bertrand Aristide die Präsidentenwahlen, 1991 wurde er durch einen Militärputsch vertrieben und kam mithilfe von Bill Clinton 2000 wieder an die Macht, aber erst nachdem er zugestimmt hatte, einen neoliberalen Plan, der von der Bevölkerung „Todesplan“ genannt wurde, umzusetzen. Weil er in den Augen der USA bei der Umsetzung des „Todesplans“ zu zögerlich war, konspirierten die USA mit den reichen Familien Haitis, vertrieben Aristide und installierten schließlich die aktuelle Regierung von René Préval. Seither sind UN-Truppen mit US-Unterstützung als Besatzer im Land. Die Koordinatoren des US-Hilfseinsatzes, die Ex-Präsidenten Bill Clinton und George Bush jun., sollen dafür sorgen, dass Hillary Clintons Androhung - „We are here to stay!“ - wahr gemacht wird.





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