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Thema: Frauenrechte
8.März - Internationaler Frauenkampftag: We want bread & roses too
Jänner / 2002

Heuer jährt sich der internationale Frauentag, am 8.März, zum neunzigsten Mal. Dieser Tag steht für den Kampf der Frauen gegen Unterdrückung. Anfang des vorigen Jahrhunderts häuften sich die Arbeitnehmerinnen-Streiks in den USA enorm, wie auch in Rußland und Deutschland. Der internationale Frauentag geht auf das Jahr 1908 zurück. In großen Städten der USA, zum Beispiel New York und Philadelphia, kämpften Arbeiterinnen gegen unzumutbare Arbeitsverhältnisse. Ihre Streikforderungen waren höhere Löhne, der 8-Stunden- Arbeitstag, das Verbot der Kinderarbeit und das kommunale Frauenwahlrecht. Der Textilarbeiterinnenstreik Der Lawrence Textilgesellschafts-Streik ist das Leitmotiv der Frauenbewegung: Von Jänner bis März 1912 kam es zum bis dato größten Frauenstreik. 25000 Textilarbeiterinnen aus 25 Nationen legten monatelang kollektiv die Arbeit nieder. Täglich gingen Tausende Menschen auf die Strasse. Neben der "Internationalen" oder der "Marseilleise" war das Leitmotiv der Streikenden "We want bread and roses too." Der erste internationale Frauentag 1911 wurde in Kopenhagen der internationale Frauentag beschlossen und auch in Österreich zum ersten Mal organisiert. Hauptthemen waren soziales Elend und wirtschaftliche Not. Zusätzlich zum 8.März machten 20000 sozialistische Frauenrechtlerinnen am 19.3.1911 mit einer Demonstration auf ich aufmerksam. Die Parole war: "Es lebe der Frauentag, es lebe der Kampf ums Recht!" 1918, 11 Jahre nach dem allgemeinen geheimen Männerwahlrecht schafften es die Frauen, sich durchzusetzen. Das Frauenwahlrecht wurde in Österreich endlich eingeführt! Alexandra Kollontai Eine der Iniziatorinnen des Frauentags war Alexandra Kollontai. Sie gehörte zu denen, für die der Marxismus der Schlüssel zur Befreiung der Frau ist. Ihr Leben und Wirken zur Zeit der russischen Revolution 1917 ist eine Inspiration dafür, wie auch heute noch gegen die Unterdrückung der Frauen gekämpft werden kann. Kollontai erkannte, dass die Befreiung der Arbeiterinnenklasse ohne die Frauen nicht möglich ist. Will die Arbeiterinnenklasse für ihre Befreiung kämpfen, muss sie dies geschlossen tun. Kollontai kämpft darum, dass in der Arbeiterinnenbewegung die Befreiung der Frau eines der Kampfziele wird und das Arbeiterinnen sich organisieren. Die bürgerliche Familie Nach dem Scheitern der Revolution 1905 wird ein Haftbefehl gegen sie erlassen. Kollontai flüchtet nach Deutschland, wo sie eng mit der Revolutionärin Klara Zetkin zusammenarbeitet. 1909 schreibt Kollontai "Der Kampf um politische Rechte, auf einen Doktorentitel,...., und gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit, ist nicht der ganze Weg zur Gleichstellung. Um wirklich frei zu sein müssen Frauen gegen die harten Fesseln der bürgerlichen Familien kämpfen!" Für Kollontai ist die Familie das Grundübel der Unterdrückung der Frauen. Die Familie dient in erster Linie den KapitalistInnen. Sie ist der Platz, an dem sich die Arbeiter erholen, um am nächsten Tag wieder volle Arbeit leisten zu können. D.h. in der Familie und durch die Frauen wird – unentgeltlich - die komplette Reproduktionsarbeit geleistet. Dieses System macht Frauen zu Sex- und Gebärmaschinen. Revolution Die Arbeiterinnen, angeführt von den Bolschewiki, schaffen im Oktober 1917 die Revolution in Rußland. Kollontai wird Volkskommissarin für soziale Fürsorge und nimmt die Vergesellschaftung für Reproduktionsarbeit sofort in die Hand. Kommunale Restaurants, Wäschereien, Einrichtungen zur Kinderbetreuung und Mütterwohnheime ermöglichen der Frau, gleichberechtigtes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Die Frau wird rechtlich gleichgestellt, Zwangsheiraten werden abgeschafft, das Scheidungsgesetz liberalisiert, Homosexualität entkriminalisiert, Abtreibungen sind zum ersten Mal legal! Kollontai war damit die Erste, welche die Befreiung der Frau mit konkreten Maßnahmen erreichte. Sie analysierte auch als erste Revolutionärin wie die materiellen Umstände mit zwischenmenschlicher Beziehung und Sexualität zusammenhängen. Die Konterrevolution Stalins machte all dies zunichte! Frauenbefreiung heute Der Kampf um Frauenbefreiung darf auch heute nicht getrennt werden vom Kampf um die Befreiung der ArbeiterInnenklasse. Männer und Frauen sehen heuer die Notwendigkeit ihre Kräfte besonders stark zu bündeln um gegen die neoliberale, extrem rechte Regierung aufzutreten. Wenn Frauenpolitik in Österreich ohne Frauenministerium betrieben wird, dann nur um hart erkämpfte Rechte anzugreifen (Fristenlösung, finanzielles Austrocknen von Frauenprojekten, etc.). Die unsoziale Politik der Regierung trifft Frauen besonders hart. Wir nehmen das nicht hin! Am 8.März sollen sie unsere geballte Wut zu spüren bekommen! Frauen und Männer, handeln wir solidarisch damit sie diesen Kampftag nicht vergessen! "We want bread and roses too!"

von Verena Turba und Karin Wilfingseder




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