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Thema: Österreich / Bildung
Bologna-Prozess
Dezember / 2009

Besetzte Hörsäle und massive Studierendenproteste in vielen Ländern Europas, und egal wohin man blickt, überall begegnet man vor allem einem Begriff: Bologna. Daniel Harrasser zeigt auf, welche Interessen hinter dem Bologna-Prozess stehen und wogegen sich die Studierenden richten, wenn sie „Bologna“ den Prozess machen.

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Im Juni 1999 wurde mit der Unterzeichnung der Bologna-Erklärung der Prozess offiziell initiiert. Bildungsminister und –ministerinnen aus 29 europäischen Staaten (mittlerweile 46 Staaten) bekräftigten in ihrer Erklärung, dass ein „einheitlicher europäischer Hochschulraum“ entstehen soll. Als Hauptziel wird die Förderung von Mobilität, von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und von Beschäftigungsfähigkeit formuliert. Der Bologna-Prozess beruht auf keinen Gesetzen. Grundlage sind allein die Erklärungen der Ministerkonferenzen, somit wirken sie wie Selbstverpflichtungen.

Auffallend bei „Bologna“ ist die enge Verbindung mit dem Lissabon-Prozess. Durch die EU soll Europa bis 2010 zum „wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt“ werden. Die wirtschaftlichen Interessen der EU erstrecken sich also auch auf den Bildungsbereich: das Ziel des Bologna-Prozesses entlarvt sich als Forderung nach optimal verwertbarem „Humankapital“ für die europäische Wirtschaftslobby.

Nach mittlerweile 10 Jahren Bologna-Prozess fällt die Bilanz verheerend aus: Was oft als „Neoliberalisierung“ der Hochschulen bezeichnet wird, hat sich etwa in der Umstellung von Diplomstudien auf das „Bologna-Modell“ ausgedrückt, also in der Teilung in Bachelor- und Masterstudium. Ausgewiesenes Ziel dieser Reformen ist es, die Studien auf das Prinzip der Beschäftigungsfähigkeit („employability“) auszurichten. Universitäten sollen in ausreichendem Maße jene Arbeitskräfte produzieren, die auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt werden. Studierende werden dabei durch Maßnahmen wie die Einführung von Studiengebühren zu Kunden gemacht, die zielgerichtet die Ware Bildung konsumieren.

Das Studium wird zunehmend nach Kriterien der Betriebswirtschaft organisiert und Reglementierungen sorgen dafür, Studierende in möglichst kurzer Zeit durch das Bachelorstudium zu schleusen. Dadurch verändern sich auch die Bedingungen für kritische Wissenschaft fundamental. Die Kürzungen der öffentlichen Gelder erhöhen die Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln – beispielsweise Sponsoring oder Kooperationen mit Unternehmen.

Im Sinne der betriebswirtschaftlichen Logik und des marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampfs (um Fördergelder) sind straffe hierarchische Strukturen effizienter. Der Abbau demokratischer Mitbestimmung wird notwendig. Die Macht der Rektoren wird weiter gestärkt und ihnen werden aufsichtsratsähnliche Gremien zur Seite gestellt, die meist mit externen Vertretern, großteils aus der Wirtschaft, besetzt werden.

Fachbereiche, die für die Wirtschaft nicht profitabel sind, besonders in den Geistes- und Kulturwissenschaften, werden finanziell ausgetrocknet und geschlossen. Die Universität als Ort kritischer Reflexion hat nach dieser Logik keinen Platz mehr.
Seit einigen Jahren ist der Kampf gegen den Bologna-Prozess der Schwerpunkt der Studierendenbewegungen in Europa. Gegen diese unsoziale und undemokratische Hochschulpolitik muss Druck aufgebaut werden, um tatsächlich Bologna den Prozess zu machen.





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