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Medien bereiten Nährboden für Mord an Muslimin
September / 2009

Ein rechtsradikaler NDP-Wähler und bekennender Faschist ermordete die Ägypterin Marwa al-Sherbini am 1. Juli in einem Dresdener Gerichtssaal wegen ihres Kopftuches. Marwa El-Sherbini ist das 142. Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit 1990. Die Chronik des Mordes ist ein Sittenbild. Das Motiv Islamfeindlichkeit wurde verschleiert. So stellten die Medien die Fakten dar: „Mord im Gerichtssaal – Es ging um eine Beleidigung“ war eine erste Meldung der Nachrichtenagentur DPA. Die Schlagzeilen lauteten oft: „Streit auf dem Spielplatz“.

Was geschah im Gericht? Nach Marwa al-Sherbinis Aussage fragte der Täter die Zeugin: „Haben Sie überhaupt das Recht, in Deutschland zu sein? Sie haben hier nichts zu suchen! Wenn die NPD hier an die Macht kommt, ist damit Schluss. Ich habe NPD gewählt.“ Daraufhin stach der Täter 18 Mal auf die schwangere Frau ein. Acht Minuten lang, ohne dass ein Beamter zur Stelle war, um ihr zu helfen. Einzig ihr Ehemann versuchte sie zu schützen und wurde dabei selbst schwer verletzt. Als endlich ein Polizist auftauchte, schoss der auf den blutenden Ehemann. Alles geschah vor den Augen des dreijährigen Sohnes.

Rückblende: Die Ermordete wurde Wochen zuvor von ihrem späteren Mörder diskriminiert, war aber couragiert und zog vor Gericht. Als „Islamistin“, „Terroristin“ und „Schlampe“ hatte Alex W. die junge Mutter auf einem Spielplatz beschimpft. „Ich finde es nicht in Ordnung“, so rechtfertigte er seine Beleidigungen gegen die Kopftuchträgerin, „dass diese Monster nach dem 11. September nicht rausgeschmissen wurden.“ Der Täter ging in Berufung, nachdem gegen ihn wegen Beleidigung eine Geldstrafe in Höhe von 780 Euro verhängt worden war. Deswegen war Marwa erneut als Zeugin geladen.

Gudrun Harrer schrieb nach dem Mord im „Standard“, kritisch über die Medien: …(dass) der Täter sein Tatmotiv vor sich hertrug wie eine Fahne. Marwa al-Sherbini ist nicht gestorben, weil sie Ausländerin oder weil sie Ägypterin war. Sie ist gestorben, weil sie Muslimin war und ein Kopftuch trug. Und das muss man auch so sagen.“  

Die Muslime sind nach den Anschlägen vom 11.September 2001 unter Generalverdacht geraten. Medien berichten seitdem über „Islamisierung“ und eine „Parallelgesellschaft“, oft unterstellten sie Muslimen Terrorismus-Sympathien. Mit der Islamfeindlichkeit wurde eine Schneise für die Argumente der Nazis geschlagen. In vielen Medien ist die Erkenntnis über die eigene Rolle bei der Islam-Hetze auch nach dem Mord nicht angekommen. „Spiegel online“ will nach dem Mord erfahren haben, dass manche Ägypter nun antideutsche Parolen rufen, dass einer sogar Rache üben will. Die Aufregung in Ägypten sorgt in Deutschland für mehr Interesse als die Tat selbst. Im Gegenteil, Medien bezeichnen den Vorwurf der Islamfeindlichkeit gegen Deutschland als “genau so schlimm wie die Tat selbst“. Die „Süddeutsche“ schreibt über ein „eingewandertes Problem“.

Das eigentliche Problem zu beschönen birgt Gefahren, die die Roma in Ungarn bereits in Schrecken versetzen. Mit Polemik gegen die Minderheit düngten die ungarischen Medien den Nährboden für Nazi-Gewalt. In den Roma-Vierteln marschieren nun regelmäßig uniformierte Faschisten auf. Roma werden gejagt, ihre Häuser angezündet. Eine Serie von bisher sieben Morden begann. Offiziell gab es in eineinhalb Jahren 54 Angriffe auf Roma, in 17 Fällen wurden Molotowcocktails geworfen. Nach dem Mord an einer alleinerziehenden Mutter im August ist eine Mediendebatte über das Thema der „Roma-Kriminalität“ entbrannt, statt einer Debatte über Rassismus.

Rassismus kann töten, nicht nur im Ausland. Am KZ-Mauthausen, auf einem Linzer Kindergarten und am Wiener Westbahnhof sprühten Nazis gegen Muslime die Hassbotschaft: „Was unsren Vätern einst der Jud – ist uns die Moslembrut“. Jede Form von Islamfeindlichkeit muss bekämpft werden – alltägliche Diskriminierungen wie die, gegen die sich Marwa El-Sherbini nur zum Preis ihres eigenen Todes wehren konnte, genauso wie die Anti-Moscheen-Hetze der FPÖ.

von Karin Wilflingseder







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