Über 4.000 Elementar- und Hortpädagoginnen, Kindergartenhelferinnen und –assistentinnen, darunter viele Männer, protestierten am 6. Oktober 2012 gegen die unzumutbaren Rahmenbedingungen in elementaren Bildungseinrichtungen.
Die junge Kindergärtnerin Cornelia strahlt glücklich: »Es war voll geil! Es wird nicht länger hingenommen, wie mies die Situation derzeit ist.«
Der Auftakt der Demonstration war vor dem Unterrichtsministerium am Minoritenplatz. Schnell war der Platz gefüllt. Alle drei zuständigen Gewerkschaften Vida, GPA-djp oder GdG riefen zur österreichweiten Demonstration auf. Die Betriebsrätinnen und Betriebsräte haben massiv mobilisiert.
Sabine Niederhuber, Kindergarten- und Piklerpädagogin, ist begeistert von der Größe: »Mir ist einerseits ein Anliegen, die Kinderanzahl in den Gruppen zu reduzieren. Wir wissen, dass Pädagogen einfach viel individueller arbeiten können, wenn man weniger Kinder zu betreuen hat. Zweitens sollte der Beruf in der Gesellschaft generell mehr Anerkennung bekommen. Das drückt man auch durch das Gehalt aus – und ehrlich gesagt, ist die Bezahlung der Pädagogen unter jeder Kritik.« Als die Demo lautstark zum Finanzministerium führte, waren vor allem die mickrigen Löhne ein Thema. Die Kolleginnen der Sankt Nikolaus Stiftung sangen ein Protestlied: »Ich will mehr Geld, weniger Kinder und auch mehr Personal! Ich will mehr Zeit zum Planen und auch für Reflexion!...«
Die Einstiegsgehälter für Pädagoginnen und Pädagogen sind je nach Arbeitgeber unterschiedlich – insgesamt gibt es mehr als 60 unterschiedliche Gehaltstabellen. In Kindergärten und Kindertagesheimen sind etwa 98 Prozent des Personals Frauen. Dementsprechend niedrig sind die Löhne. Ein einheitlicher Kollektivvertrag wird gefordert. Kritisiert werden die Rahmenbedingungen unter denen die Kolleginnen und Kollegen leiden.
Eine solidarische Frau berichtet: »Als meine Tochter die Kindergärtnerinnenausbildung machte, war sie motiviert und fröhlich. Jetzt nach zwei Jahren im Beruf ist sie am Rande des Burnout. Dieser Horror muss beendet werden!«
Eine junge Frau aus einem großen Demoblock erklärt: »Wir fordern einen besseren Betreuungsschlüssel, auch bessere Bezahlung, weil das ist Wertschätzung in der Gesellschaft gegenüber dem was die Leute leisten.«
Neun verschiedene Landesgesetze bedeuten enorme Unterschiede je nach Bundesland. Der österreichweite Bildungsrahmenplan ist ohne einem Rahmengesetz nicht umsetzbar.
Eine demonstrierende Kindergärtnerin aus Niederösterreich erzählt: »Wir in Niederösterreich sind da ein wenig besser abgesichert. Wir haben mehr Unterstützung von den Assistentinnen und größere Räume. Deshalb unterstütze ich auch die Anliegen der Wiener Kolleginnen.«
Eine KinderHortpädagogin ist in der GPA organisiert. Sie will den Namen nicht nennen und beklagt: »Unsere Kinder haben keine Zukunft mehr, weil überall eingespart wird. Es gibt zu wenig Personal für die Anforderungen, die an uns im Hort gestellt werden. Vieles wird von den Schulen auf die Nachmittagsbetreuung abgeschoben.«
Eine Frau aus Linz-Leonding stimmt zu. Sie hat sichtlich Spaß an der lauten Demonstration: »Wir sind mit der ganzen Familie gekommen. Das ist einmal die Gelegenheit, etwas auf eine andere Art zu unternehmen. Wir können in der Politik nur etwas in Gemeinschaft ausrichten.«
Ada ist skeptisch: »Es ist eine Schande, dass eine der reichsten Gesellschaften Europas Geld hat, sich vollkommen unnütze Luftraumüberwachungsgeräte und sonstigen Schwachsinn zu leisten, aber Kindergärten kaputt spart und damit die eigene Zukunft aufs Spiel setzt. Es muss einmal Bewusstsein in der Politik geschaffen werden.«
Debatten entstehen mitten am Ring. Die allermeisten Demonstrierenden sehen neuen Schwung für ihre Anliegen und fühlen sich durch die laute, bunte und entschlossene Masse bestärkt.
Julia, 26 Jahre, arbeitet im Kindergarten und macht deutlich: »Ich bin hier, weil ich es wichtig finde, auf die Missstände in der Kindergärten aufmerksam zu machen. Ich finde, es wäre einmal an der Zeit, dass die Kindergartenpädagoginnen streiken und einmal nicht in den Kindergarten gehen. Das würde alle Leute aufwecken! Es würde alle, die Eltern und ihre Arbeitgeber, betreffen, weil die Eltern nicht kommen können und auf die Kinder aufpassen müssen. Das würde Druck auf die Regierung machen.«
Eine Gruppe junger, euphorischer Pädagoginnen stimmt zu: »Wir sollten weiter demonstrieren!« Eine Kollegin aus der Gruppe wirft ein: »Aber unter der Woche, unter den Arbeitszeiten demonstrieren! Wir sollten streiken, Kindergärten: ZU!«
Ein Wiener Kindergruppenbetreuer ist begeistert vom Protest: »Kein Wunder, dass organisierte Mitarbeiterinnen so gefürchtet sind. Wir Kindergruppenbetreuerinnen kämpfen gerade am Arbeits- und Sozialgericht, weil der Trägerverein die Betriebsratswahl mit allen Mitteln zu verhindern versucht!«
Die Tausenden ziehen nach inspirierenden Reden vom Finanzministerium ab, alle sind bereit wieder zu kommen. Die Pädagogin Eveline kommt noch zurück zur Bühne und bedankt sich bei Gewerkschaftern: »Das war eine Superdemo! Danke an alle die sie ermöglicht haben! Bitte nicht lange zum nächsten Protest warten.« Alle spüren, diese Demonstration war ein Startschuss – kein Abschluss. Es sind zu viele, denen es reicht und gemeinsam sind sie stark!
Der österreichweite Aktionstag am 6. Oktober 2012 ist ohne Übertreibung ein historisches Ereignis. Wir vernetzten Betriebsrätinnen und Betriebsräte der GPA-djp haben das Fundament für die…