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Staatsgewalt | Rassismus | Kultur | Frauenrechte
Oktober - 2012 (Mo. 24.09.12) © Poool Filmverleih Ed Moschitz‘ erster Kinofilm »Mama Illegal« erzählt das Schicksal »illegaler« Frauen, die in Österreich putzen oder Kinder und Pflegebedürftige betreuen. Der Name des ORF-Redakteurs Ed Moschitz ist so manchem Linken noch positiv im Gedächtnis, hat der mutige Journalist sich doch letztes Jahr mit seiner »Am Schauplatz«-Dokumentation »Am rechten Rand« frontal mit H.C.Strache angelegt. Strache hatte behauptet, der ORF hätte Provokateure mitgebracht, die »Neonazistisches« gerufen hätten. Das Gegenteil ist längst bewiesen. Ed Moschitzs erster Kinofilm »Mama Illegal« läuft seit 28. September in den österreichischen Kinos. Zuerst eine Warnung (die aber niemanden abhalten sollte, den Film anzusehen): Einige Szenen sind wirklich dazu angetan, auch abgebrühten Gemütern die Tränen in die Augen zu treiben. Hart sind die Schicksale der Familien, der Frauen, die Moschitz sieben Jahre lang mit der Kamera begleitet hat. Worum geht es? Billige Arbeitskräfte»Mama Illegal« zeigt auf eindringliche Weise das Leben von Frauen, die aus dem verarmten Moldawien (das Land hat Wirtschaftsdaten wie der Sudan) »illegal« nach Österreich kommen, um hier als Putzfrau oder Babysitterin zu arbeiten. Sie sind jahrelang von ihren eigenen Familien, ihren eigenen Kindern getrennt. Die Männer bleiben zurück und müssen sich, entgegen den Traditionen, um Kinder und Haushalt kümmern. Ed Moschitz dazu im Interview: »Es gibt ländliche Regionen, wo die Arbeitslosigkeit bei 80 Prozent liegt. Die Leute haben keine Chance einen Job zu bekommen. Sie haben keine andere Wahl als mit Schleppern nach Westeuropa zu fahren, um hier Wohnungen zu putzen, auf Kinder aufzupassen oder ältere Menschen zu pflegen.« Auseinandergerissene FamilienHerzzerreißende Szenen spielen sich ab, wenn die Frauen nach Jahren zurückkehren. »Verzeih‘ mir, ich habe es für dich getan« sagt eine der Mütter unter Tränen zu ihrer Tochter, die sie zuletzt als Kleinkind gesehen hatte. Noch erschreckender ist es aber zu sehen, wie sich Kinder und Mütter in machen Fällen wie Fremde gegenüberstehen. Dazu kommt noch, dass auch die Ehepartner jahrelang in verschiedenen Welten gelebt haben. Die Familien, die durch Armut und das europäische Grenz-Regime auseinander gerissen wurden, kommen nicht mehr wirklich zusammen. Nach den Jahren im Westen haben sich die Frauen selbst verändert, kommen mit den Zuständen in Moldawien, mit dem traditionellen Rollenverständnis nicht mehr zurecht. Der Anstoß zum Film ergab sich daraus, dass Moschitz selbst ein Kindermädchen aus Moldawien engagiert hatte und entdecken musste, dass die Frau illegal im Land ist und in ihrer Heimat selbst zwei kleine Kinder hat, die sie aufgrund der »Illegalität« ihrer Einreise nicht einmal besuchen kann. Der Regisseur: »In welcher Welt leben wir, wo wir eine Babysitterin haben, die illegal hier sein muss, auf unsere Kinder aufpasst und selbst zwei Kinder zuhause hat. Die Frage war einfach 'Was ist der Unterschied zwischen ihren Kindern und meinen Kindern?« Mutige FrauenBewundernswert ist der Mut der drei Frauen, die sich für den Film zur Verfügung gestellt haben. Sie waren bereit, genau das Gegenteil von dem zu tun, was ihnen sonst als »Illegale« zur zweiten Natur geworden ist, nämlich nur ja nicht aufzufallen. Von ursprünglich sieben Protagonistinnen sind alle bis auf diese drei abgesprungen. Die bringen diesen Mut auf, um die Folgen der harten »Fremdengesetze« an die Öffentlichkeit zu bringen. »Mama Illegal« schafft es, anhand authentischer, berührender Einzelschicksale die ganze Brutalität, die durch die Abschottung der EU über Menschen kommt, spürbar zu machen. Billige Arbeitskräfte brauchen wir zwar hier in Österreich für Putzdienste, Kinder- und Altenbetreuung, sogar für emotionale Nähe, doch wo diese Leute herkommen, interessiert kaum jemanden. Die Schengen-Grenze hat in Europa und global zwei verschiedene Arten von Menschen entstehen lassen. Moldawier gehören zu denen ohne Rechte, ohne Reisefreiheit, ohne Geld und oft wird ihnen auch noch die Würde genommen. Das Schlusswort sei Ed Moschitz überlassen: »Menschen in die Illegalität zu treiben, heißt letztlich immer ein korruptes System von Schleppern und Kriminellen zu finanzieren. Striktere Grenzsicherung bedeutet letztlich nur, dass die Preise für diese illegale Immigration steigen. Es ist ein Teufelskreis. Man sollte Politiker finden, die auch überlegen, ob man für dieses Land Entwicklungshilfemaßnahmen setzen kann. Andererseits, dass man Möglichkeiten für diese Frauen sucht, damit sie einen Job finden und nicht illegal ihr Dasein fristen und die Kinder so viele Jahre allein bleiben müssen.« von Tom D. Allahyari MAMA ILLEGAL Ein Film von Ed Moschitz AT 2011, 98 min, OmU www.mamaillegal.com Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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