|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|||||||||
|
|||||||||
|
Österreich | Protest | Bildung
September - 2012 (Mi. 29.08.12) © Marc Seumenicht (www.fwf.ac.at) Schon die Warteschlangen innerhalb der bisher regulären Inskriptionsfristen an der Uni Wien waren unter Studierenden legendär. Im Herbst 2012 gibt es noch kürzere Anmeldefristen und längere Schlangen, und das wird für viele das vorläufige Ende bedeuten. Heuer reicht es, im Ferialjob keinen freien Tag zu bekommen, schlecht informiert worden oder lange auf Reisen zu sein, um ein Semester zu »verlieren«. Dieses Chaos ist kein Unfall, sondern eine gezielte Maßnahme. Es ist klar als ein weiterer von vielen Versuchen zu bewerten, den Zugang an die Universitäten zu beschränken. Mit offenen Angriffen auf die Studierenden hat sich die Regierung seit den riesigen Protesten 2009 vorsichtig zurückgehalten, zu sehr fürchtet sie die harte Konfrontation. Stattdessen besinnt man sich auf die »österreichische« Lösung, lässt eine kleine Verschlechterung auf die andere folgen, überlässt die unangenehmen Aufgaben den einzelnen Unis und wurschtelt sich damit ohne zu viel Aufsehen zu erregen zu schließlich immer abschreckenderen Hochschulen durch. Es wird eine »unerwünschte« Gruppe nach der anderen herausgeprüft und -getrickst, sodass am Ende die gute, alte Elite-Schmiede neben einer Produktionsstätte für passgenau gefertige Bachelors übrig bleibt. Kein Jahr davor hatte die Etablierung der »Studieneingangs- und Orientierungsphase« (StEOP) dasselbe Ziel. Die Kürzung der Familienbeihilfe im letzten Sparpaket macht das Studieren über 24 schon seit zwei Jahren zum finanziellen Balanceakt. Und das sind nur die offizielleren der vielen Sticheleien und Verzögerungsstrategien: Ob es die Tatsache ist, dass prinzipiell zu wenige Lehrveranstaltungsplätze finanziert werden, die Abschaffung attraktiver Studienfächer oder die Gewohnheit, Entscheidungen in Prüfungs- oder Ferienzeiten zu treffen, wenn weniger Proteste drohen – dass das Studium eine erfüllende, produktive Phase des Lernens und Forschens sein könnte, steht nicht auf der Agenda. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese stille Art des Kürzens und Beschränkens die Organisation eines breiten und schlagkräftigen Gegenprotests sehr schwierig gestaltet. Trotzdem ist es im letzten Studienjahr schon gelungen, eine aktive, kleine Bewegung entgegenzusetzen (siehe Geld oder Freiheitsstrafe: Studierende werden kriminalisiert). Deren Überleben – und die Gewinnung vieler neuer Aktivistinnen und Aktivisten – wird ab Herbst ungemein wichtig sein, um den langsamen, geplanten Verfall unserer Bildung aufzuhalten. von Hannah Krumschnabel Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführender Artikel:
|
|
||||||||