Die lange Depression wird immer schlimmer

September - 2012 (Mi. 29.08.12)
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Anfang August jährte sich der der offiziellen Ausbruch der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zum fünften mal. Am 9. August 2007 war die Europäische Zentralbank (EZB) gezwungen 95 Mrd. Euro in das europäische Bankensystem zu pumpen um die sich entwickelnde Kreditklemme abzufedern. Fünf Jahre später sind die Scheinwerfer noch immer auf die EZB gerichtet.

Erst vor wenigen Wochen hat der Präsident der EZB, Mario Draghi, »versprochen«, die EZB würde ALLES unternehmen um den Fortbestand des Euro zu gewährleisten. Die Märkte waren begeistert. Die Aussage Draghis wurde so interpretiert, dass die EZB die spanischen und italienischen Staatsanleihen aufkaufen würde.

Das Misstrauen in die Fähigkeit dieser Staaten ihre Schulden zurückzuzahlen, hatte die Zinsen, die sie auf neue Kredite zu bezahlen hatten, in unfinanzierbare Höhen getrieben. Nur verärgerte die EZB, wann immer sie Staatsanleihen aufkaufte, damit die deutsche Regierung und ihre Bundesbank.

Deutsche Ängste



Die befürchten nämlich, dass die Rettung bankrotter Staaten ihr eigenes Kapitalismusmodell diskreditieren würde, das darauf basiert, die innerstaatliche Ausgaben niedrig zu halten um die Exporte konkurrenzfähig zu halten. Deshalb warnte die Bundesbank Draghi öffentlich vor weiteren Ankäufen von Staatsanleihen und der machte einen Rückzieher. Die EZB würde lediglich »erwägen« die Schulden von Spanien und Italien aufzukaufen.

Verschobener Kollaps



Diese jüngste Episode der unendlichen Seifenoper zeigt wie die Eurokrise sich dank »Austeritätspolitik« von relativ kleinen Ländern wie Griechenland und Portugal auf viel größere Ökonomien ausbreiten konnte. Und die einzige Medizin, die die »Herren der Eurozone« anzubieten haben ist noch mehr Austeritätspolitik. Die Fokussierung auf Draghi wirft ein bezeichnendes Licht auf eine zentrale Eigenschaft dieser Krise: Der Ökonom David Levy nennt sie eine »eingedämmte Depression«, denn ein vollständiger ökonomischer Kollaps wird nur dadurch verhindert, dass die EZB und andere Zentralbanken weiter Geld in das Finanzsystem hineinpumpen. Trotz allem sind die Zahlen ziemlich bedenklich. Der marxistische Blogger Michael Roberts hat einige Kalkulationen des höchst orthodoxen Ökonomen John Taylor veröffentlicht. Mit Blick auf die USA nennt Taylor die Erholung vom Wirtschaftseinbruch 2008 als eine »Erholung, bestenfalls dem Namen nach!«. Er fügt hinzu: »Das ist jetzt der schlimmste Einbruch in der Geschichte – eine Tragödie, die man nicht verharmlosen sollte.«

Erholung?



Wenn eine Wirtschaft in die Rezession geht, bedeutet das, sie wächst langsamer als sie es potentiell könnte, abhängig von der wirtschaftlichen Produktivität, usw. Eine Erholung verläuft gewöhnlich mit einem richtigen Wachstumsschub. Der macht Verluste in der Produktion wieder wett, die während des Einbruchs erlitten wurden und führt die Wirtschaft auf ihren normalen Pfad zurück. Dieses Muster hat Karl Marx schon 1859 beschrieben. Im Fall der aktuellen Krise ist diese Gesetzmäßigkeit zusammengebrochen. Taylor zeigt auf, dass das Wachstum der wirklichen nationalen Produktion in den USA deutlich unter ihren Möglichkeiten bleibt. Das bedeutet einen deutlichen Unterschied zu früheren Krisen, inklusive jener, die durch Finanzkrisen ausgelöst wurden. Roberts schließt seinen Artikel mit: »Wir sind in der langen Depression.«

von Alex Callinicos

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