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Arbeitskampf | Theorie | Revolution | Demokratie
September - 2012 (Mi. 29.08.12) Revolutionäre Wandmalereien am Tahrir-Platz in Kairo »Die Geschichte der Revolution«, fasst der russische Revolutionär Leo Trotzki zusammen, »ist für uns vor allem die Geschichte des gewaltsamen Einbruchs der Massen in das Gebiet der Bestimmung über ihre eigenen Geschicke.« Die Frage, was eine Revolution überhaupt ausmacht, war unter Linken, schon immer heiß diskutiert. Aktuell begegnet sie uns in Formen wie –Wie geht es in Ägypten weiter? Ist die syrische Revolution ein legitimer Aufstand der Massen? Kann Syriza eine gerechte Gesellschaft über eine Regierung einführen? Selbstbefreiung»Marx war vor allem Revolutionär«, sagte Marx’ Weggefährte Engels in seiner Grabrede. Um die Welt verändern zu können, »mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats«, an der Emanzipation der Menschheit, studierten er und Engels die Geschichte, wie den Aufstand der schlesischen Weber 1844 und der französischen Revolution vier Jahre später. Sie erkannten, dass »die Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden muß«. Die Lohnabhängigen sind keine einfachen »Fußtruppen« oder Gehilfen um das System zu stürzen. Marx und Engels verstand die Arbeiterklasse als selbständig handelndes Subjekt, die sich im Kampf selbst verändert und die neue Gesellschaft aufbaut. Seine große praktische Bedeutung zeigte sich 1871, als Arbeiterinnen und Arbeiter in einem Aufstand die Kontrolle über die Stadt Paris übernahmen. Marx zollte ihnen Tribut: »Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft. Seine Märtyrer sind eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse.« Sie fingen an, ihre eigenen Geschicke zu bestimmen. Anders als etwa das Parlament, wählten sie ihre Delegierten direkt auf Massenversammlungen in den Bezirken. Sie waren dem Volk rechenschaftspflichtig und jederzeit abwählbar, und verdienten nicht mehr als ein durchschnittlicher Werktätiger. Marx und Engels sahen, wie aus dem unmittelbaren Kampf gegen die alte Ordnung die Keimzellen der neuen Gesellschaft, die eigenen demokratischen Organe der Arbeiter entstehen. Tatsächlich sehen wir das in unterschiedlicher Ausprägung in fast jeder Bewegung – ob Besetzungen wie in der Audimax-Bewegung, oder Komitees zur Koordinierung der Generalstreiks in Griechenland. Jede große Revolution hat sie hervorgebracht – Räte, Sowjets oder Asambleas. Zerschlagen des alten StaatsDie Pariser Kommunarden verteidigten ihre Stadt heldenhaft. Dennoch wurde der Aufstand nach 72 Tagen von den alten Regierungstruppen niedergeschlagen. Marx zog eine wichtige Lehre: »Die Arbeiterklasse kann nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eignen Zwecke in Bewegung setzen«. Sie muss den alten hierarchischen Staat mit seiner Armee, der Polizei und Bürokratie »zerschlagen« und mit ihrem neuen demokratischen, sozialistischen Staat ersetzen. In der Geschichte konnte die Revolution erst einmal, nämlich 1917 in Russland, die Herrschenden des Systems zum Teufel jagen. Die Bosse sehen allerdings nicht tatenlos zu, wie die Arbeiter die Maschinen, Rohstoffe, etc. unter ihre Kontrolle bringen. Sie werden die mächtige Unterdrückungsmaschine des Staates in Bewegung setzen, um den Status quo aufrechtzuerhalten. Die Lohnabhängigen greifen daher – meistens einfach aus der Notwendigkeit heraus, sich zu verteidigen (wie die spanischen »Mineros« in Asturien oder die Freie Syrische Armee) – an einem gewissen Punkt zu den Waffen. Der englische Revolutionär Tony Cliff sagte: »Ich bin nie ein Pazifist gewesen. Wenn jemand mich mit einem Knüppel angreift, brauche ich einen größeren Knüppel.« Lernprozess der MassenViele setzen Vertrauen in das Parlament, andere wollen die Revolution sofort auf der Straße erkämpfen. »Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken«, schrieb Marx. Sie bringen unterschiedliche Erfahrungen, Ideen und Strategien mit, die sich im Kampf verändern müssen, bevor die Zeit reif ist zur Machtergreifung. Marx betont, dass »sowohl zur massenhaften Erzeugung dieses kommunistischen Bewußtseins wie zur Durchsetzung der Sache selbst«, also dem Sturzes des alten Systems, »eine massenhafte Veränderung der Menschen nötig ist, die nur in einer praktischen Bewegung, in einer Revolution vor sich gehen kann«. Eine Revolution ist also keine einmalige Sache, wie ein Sturz eines Diktators etwa in Ägypten oder Tunesien. Sie greift an und muss wieder zurückweichen, erringt Siege und erleidet Niederlagen. Die Revolution ist, wie Trotzki meinte, Lernprozess der Massen. Nur durch die selbständige Aktion, was wir Sozialismus von unten nennen, kann die Arbeiterklasse dahinkommen, »sich den ganzen alten Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begründung der Gesellschaft befähigt zu werden.« von David Albrich Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführender Artikel:
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