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September - 2012 (Mi. 29.08.12)    
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Spielen und Lernen im Kinderkollektiv 1970

Zu den Auslösern der reformpädagogischen Bewegung zählen vor allem die revolutionären Bewegungen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Die neuen Reformschulen waren geprägt vom partnerschaftlichen Umgang von Lehrenden, Schüler und Schülerinnen. Schule wurde erstmals als Lebensgemeinschaft, in der die Kinder und Jugendlichen Mitverantwortung tragen und Demokratie leben, verstanden.

Otto Felix Kanitz rief 1919 in Gmünd die erste Kinderrepublik aus und ging damit weit über den reinen Fürsorge-Charakter der bisher gekannten Einrichtungen hinaus. Ein Schlag ins Gesicht der Reaktionäre war die Errichtung der »Schönnbrunner Schule« im gleichnamigen Schloss – ein Vollzeit-Kinderheim, das Otto Felix Kanitz führte. Auch hier ging es um neue Formen kollektiven, nichtautoritären Lernens und Arbeitens, auf praktischer wie theoretischer Ebene. Nach den Februarkämpfen 1934 und dem Verbot der Sozialdemokratie mussten zahlreiche Mitarbeiter, Mitarbeiterinnen und Zöglinge flüchten oder im Untergrund agieren. Otto Felix Kanitz starb im KZ Buchenwald.

In Deutschland wehrten sich proletarische Elternräte 1929 gegen die Verankerung des Faschismus in den Schulen. Die Machtergreifung der Nazis machte dann jeden Fortschritt zunichte.

1968 – Eine Welt im Aufruhr



Erst wieder die 1968er Bewegung stellte die bürgerliche Gesellschaftsordnung grundsätzlich in Frage. Aus der deutschen Studierendenbewegung entwickelte sich der Aktionsrat zur Befreiung der Frau. Frauen sollten sich politisch überall zentral einbringen können – auch Mütter. Kinderläden mit kollektiver Betreuung entstanden aus der Notwendigkeit und aus dem politischen Kampf für eine andere Welt, zu der auch eine andere, angstfreie Erziehung gehören sollte.

Die antiautoritäre Erziehung von A. Neill und seine 1924 in England gegründete Schule »Summerhill« wurden zum Vorbild für immer mehr Kinderläden genommen. Die sozialistische Pädagogiktradition der 1920er von Wera Schmidt, u. a. wurde wieder entdeckt. Die sozialistische Erziehung z. B. im Berliner Kinderladen in Charlottenburg 2 sollte Kinder kindgerecht zu Kritikfähigkeit und Solidarität führen. Die Kinder wurden als aktiv Handelnde, nicht mehr als passive Wesen begriffen. Sie durften sich entfalten und so konnten sie Bedürfnisregulierung, Solidarität, Kritikfähigkeit und Selbstständigkeit lernen. Zum Erhalt des gemeinsamen Kinderladens zahlten Eltern 10% des Nettogehaltes und gestalteten gemeinsam engagiert die Umgebung ihrer Kinder.

Ende 1969 wurde im Fernsehen durch Gerhard Botts Film »Erziehung zum Ungehorsam« der autoritären Drill in den Kindergärten den neuen Kinderläden gegenüber gestellt. Die öffentliche Diskussion über Kinderrechte und Pädagogik übte Druck zur Veränderung auf die reaktionären Kindergärten aus. »Freie Schulen« wurden gegründet. Trotz aller Hetze und bürgerlicher Moralkeule musste das Bildungssystem, dank der 68er, reformiert werden.

Österreichische Kindergruppen



1969 wurde das erste Wiener Kinderkollektiv gegründet, es waren nicht nur aufständische Studierende beteiligt. Irmtraut Karlsson war 1969 als ÖH-Vertreterin zentral beteiligt an der Gründung des ersten Uni-Kindergarten in Wien und wenig später der des Ersten Wiener Kinderkollektivs. Ihre Kritik galt den gängigen Kinderaufbewahrungsstätten: »Elternbeteiligung war eines unserer Grundprinzipien... Die Gesellschaft gibt ja vor allem Müttern eine große Verantwortung, was aus den Kindern wird. Mitsprache hatten sie aber bei der Kinderbetreuung nicht. « Das Wiener Kinderkollektiv begann ohne Geld und Räume und es wurde voll Feindseligkeit beobachtet. Trotzdem konnte die Entwicklung nicht gestoppt werden. Schnell haben sich weitere Gruppen gebildet, etwa in der Großfeldsiedlung und im zweiten Bezirk unter dem revolutionären Künstler und Lehrer Julius Mende. Aus der Mende-Gruppe ist später der Verein StudentInnenkinder in der Berggasse, heute im Alten AKH, entstanden. 1980 gründete sich der »Dachverband der Wiener Kindergruppen«, 1988 der »Dachverband Wiener Alternativschulen – Freie Schulen in Wien«. Bildung war und ist zu wichtig um sie den Herrschenden zu überlassen.

von Karin Wilflingseder

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