Petition für die Freilassung der politischen Gefangenen
Die letzten acht Monate lang verkümmern Baba Jan Hunzai und vier weitere Aktivisten in verschiedenen Gefängnissen in Gilgit. Zweimal wurde er während dieser Zeit aus dem Gefängnis geholt und von Militär und Polizei gefoltert. Er und seine Kollegen sind nach Pakistans Anti-Terror-Gesetzen angeklagt. Baba Jan ist jedoch kein Terrorist. Er ist ein angesehener politischer Aktivist in Gilgit-Baltistan (dem gebirgigen Norden Pakistans). Er wird wegen seines Aktivismus und seiner Unterstützung für die Unterdrückten der Region festgehalten und muss sofort freigelassen werden.
Im Jänner 2010 erschuf ein Bergsturz in den Fluss Hunza das, was heute Attabad-See genannt wird. Während der See wuchs, überschwemmte er ein Dorf nach dem anderen. Insgesamt wurden über 1000 Menschen obdachlos und über 25.000 wurden vom Rest des Landes abgeschnitten (der See hatte die einzige Straße zerstört, die die Region mit Pakistan verbindet). Die Not der Gilgit-Baltistanis wurde ignoriert. Baba Jan, ein Aktivist der Arbeiterpartei Pakistans, reiste durchs Land und setzte sich dafür ein, dass die Regierung den See trockenlegt und Transportwege für die Betroffenen schafft. Doch die Regierung der Pakistanischen Volkspartei handelte zu spät. Der See ist jetzt ein bleibendes Landschaftselement. Um die Proteste der obdachlos gewordenen zu dämpfen, versprach die Regierung Entschädigung.
Bei manchen kam diese Entschädigung jedoch nie an. Eine offizielle Liste derer, die Zahlungen erhalten sollten, nannte 457 Familien. Über hundert von ihnen bekamen ihre Entschädigung aber nicht. Angeblich soll sie stattdessen an Familien geflossen sein, die mit der Pakistanischen Volkspartei sympathisieren.
Am 11. August protestierten rund 200 Personen für die Rechte von 25 Familien, während der Chefminister von Gilgit-Baltistan, Mehdi Shah, die Stadt Aliabad besuchte. Die Polizei, angewiesen, die Demonstranten mit allen Mitteln zu entfernen, begann mit einem Knüppelangriff und setzte dann Tränengas ein, bevor sie das Feuer mit scharfer Munition eröffnete. Ihr erstes Opfer war Afzal Baig, ein 22 Jahre alter Student. Danach, als Baigs Vater den reglosen Körper seines Sohns retten wollte, wurde auch er erschossen. Beide starben. Das Tal explodierte und eine Polizeistation wurde von den Demonstranten niedergebrannt.
Baba Jan kam sechs Stunden später an. Er organisierte die Demonstranten und ihnen wurde eine Untersuchung und hartes Vorgehen gegen die verantwortlichen Polizisten versprochen. Die Protestierenden warteten, auf die Handlungen der Regierung.
Sie handelte eine Woche später. Haftbefehle für zahlreiche Demonstranten wurden ausgegeben, darunter auch Baba Jan. Während die meisten der Festgenommenen gegen Kaution freigelassen wurden, bleiben Baba Jan und vier Aktivisten hinter Gitter. Zweimal wurden sie aus dem Gefängnis geholt und gefoltert. Das erste mal wurde Baba Jan, beginnend am 12. September 2011, drei Nächte lang jeweils drei bis vier Stunden mit Stöcken geschlagen und seine Füße mit Stiefeln zertrümmert, während man einem anderen Aktivisten (Iftikhar) Kerzenwachs auf die Genitalien tropfen ließ. Am 28. April 2012 wurde Baba Jan wieder gefoltert. Die Polizei und die »Pakistan Rangers« (eine paramilitärische Einheit) kamen in seine Gefängniszelle und schlugen ihn zusammen. Danach brachten sie ihn an einen unbekannten Ort, wo er wieder brutal geschlagen wurde, und, um ihn zu demütigen, sein Kopf rasiert wurde. Er hat gebrochen Finger und medizinische Behandlung wird ihm verwehrt. Außerdem wurde er ins Zulfiqarabad-Gefängnis in Gilgit verlegt, wo er eine Zelle mit Schwerverbrechern teilt. Es besteht Grund zur Vermutung, dass er in seiner Zelle »unabsichtlich« getötet werden könnte.
Währenddessen wurde eine gerichtliche Untersuchung der Tötung von Afzal Baig und seinem Vater angestellt. Ihre Ergebnisse wurden nicht veröffentlicht, aber Journalisten, die sie gesehen haben, behaupten, dass die Schuld an dem Vorfall der lokalen Polizei und Bürokratie gegeben wird.
Wir, die Unterzeichnenden, fordern die Regierung Pakistans auf, die Ergebnisse der gerichtlichen Untersuchung der Tötung von Afzal Baig und Sher Ullah Baig zu veröffentlichen. Wir fordern die Regierung Pakistans auf, Baba Jan und andere Aktivisten als politische Gefangene zu behandeln und in anderen Zellen als andere Häftlinge zu verlegen. Weiters rufen wir die Regierung Pakistans auf, die fabrizierte Anklage gegen Baba Jan und andere Aktivisten fallen zu lassen. Außerdem verlangen wir Entschädigung für die 25 Familien, die vom Attabad-Bergsturz betroffen sind.
Freiheit für Baba Jan, Iftikhar Hussain, Amir Ali, Ameer Khanu und Rashid Minhas!