Jüdische Gräber geschändet: Die einen hetzen, die anderen handeln! |
|
|
Und die Juden kümmern sich nicht einmal um die Gräber ihrer eigenen Ahnen? Keine Pietät – nur Gier!«, wetterte eine Frau Brigitte Kashofer auf der Homepage unzensuriert-at, am 20. November 2010. Die Homepage wird von Mitarbeitern Martin Grafs (FPÖ) betrieben – darunter auch der Büroleiter des dritten. Nationalratspräsidenten. Brigitte Kashofer ist Obfrau der FPÖ Amstetten und Stadträtin. Dr. phil. Gerhard Zeillinger, Publizist und Lektor aus Amstetten fragte in der Tageszeitung die Presse: »Muss man einer ehemaligen Staatsbeamtin der Republik Österreich wirklich erklären, warum die jüdischen Friedhöfe bei uns alle in einem so traurigen Zustand sind? Muss man ihr die historischen Tatsachen und deren Konsequenzen auseinandersetzen, dass sich 120.000 vertriebene sowie 60.000 ermordete österreichische Juden und deren nicht mehr geborene Nachkommen schwerlich um die Gräber ihrer »Ahnen« kümmern können?« Außer Frau Hashofer wütete ein Poster auf der Homepage unter dem Namen »pitbul«: Mich würde es nicht wundern wenn die Geschichte sich wiederholt, wollen wir das, ich sicher nicht, warum müssen wir wieder für diese Gräber aufkommen, was muss noch alles geschehen(…) nur das jüdische Volk bevorzugt wird, und immer und immer wieder sonder Privilegien herausschlägt...« Antisemitische Hetze schürt eine Stimmung, der Handlungen folgen. Die antisemitische FriedhofschändungAm Wiener Zentralfriedhof wurden 43 jüdische Gräber geschändet, wie Ende Juni bekannt wurde. »Noch immer ist nicht gewährleistet, dass Jüdinnen und Juden unbelästigt und selbstverständlich in Europa leben können; selbst an Toten vergreift man sich«, kritisiert der Präsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit Martin Jäggle. Der Mythos Österreich sei das »erste Opfer« Hitler Deutschlands gewesen, hat lange Zeit dazu geführt, dass die Republik sich aus ihrer eigenen Verantwortung stahl. Erst 2001 hat sich Österreich im Washingtoner Abkommen verpflichtet, für die Instandhaltung beziehungsweise Wiederinstandsetzung der jüdischen Friedhöfe zu sorgen. Ein pietätloser Kompetenzstreit zwischen Bund, Länder und Gemeinden ließ die Friedhöfe weiter verfallen. Erst 2010 hat das österreichische Parlament auf öffentlichen Druck einen Grundsatzbeschluss gefasst und die Finanzierung der Instandhaltung zugesagt. Es ist nicht unwichtig, dass die Republik endlich solche Schritte setzt, aber die Antisemiten in der FPÖ wird man damit kaum beeindrucken. von Karin Wilflingseder |
|
www.linkswende.org |
|