Serie 10 – Die linke Sicht der Dinge auf: Olympische Spiele

Juli/August - 2012 (Di. 19.06.12)
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Die modernen Olympischen Spiele sind für das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die jeweiligen Regierungen vor allem eine Gelegenheit, ihre politischen Ziele darzustellen und Nationalismus zu schüren. Dafür gehen sie über Leichen. 1932 fanden die Olympischen Spiele in den USA statt. Dass damals Afroamerikaner durch die rassistischen »Jim Crow-Gesetze« unterdrückt wurden und der faschistische Ku-Klux-Klan in den Südstaaten sein Unwesen trieb, hielt das IOC nicht davon ab die Spiele dort stattfinden zu lassen. Vier Jahre später fanden die Olympischen Sommer- und Winterspiele im faschistischen Deutschland statt. Die Nazis konnten die Spiele benutzen, um den Sportlerinnen und Sportlern, dem Publikum und den Medien erfolgreich eine weltoffene und soziale Gesellschaft vorzugaukeln. Als zehn Tage vor den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko zehntausende Studierende gegen die Spiele demonstrierten, wurden ihre Proteste brutal niedergeschlagen. Hunderte Menschen wurden von der Polizei ermordet, Tausende blieben in den Folterkellern des Regimes eingesperrt. Die Spiele fanden reibungslos statt.

Manchmal gelingt es allerdings auch Sportlern, auf Unterdrückung und Widerstand hinzuweisen. Den ersten politischen Protest gab es schon bei den Spielen 1906 in Athen. Der Ire Peter O‘Connor wurde im Weitsprung Zweiter. Doch weil Irland damals von Großbritannien besetzt war, hisste man für ihn bei der Siegerehrung die britische Fahne. Deshalb kletterte O‘Connor auf einen Mast und schwenkte die irische Fahne, während andere irische Sportler die Sicherheitsleute fernhielten. Weltberühmt wurden die schwarzen US-Amerikaner Tommie Smith und John Carlos, Sieger und Dritter des 200-Meter-Laufes bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-Stadt. Bei der Siegerehrung schauten sie zu Boden statt auf die gehisste US-Fahne und hoben die Faust mit schwarzem Handschuh zum Gruß der Black-Power-Bewegung. Das IOC warf sie sofort aus dem Olympischen Dorf und schloss sie lebenslang von den Spielen aus.

Auf der Suche nach immer neuen Investitionsmöglichkeiten haben multinationale Konzerne insbesondere seit den späten 1980er Jahren den Sport für sich entdeckt. So mutierte auch die »olympischen Bewegung« zu einem gewinnorientierten Ereignis. Spätestens seit den »Coca-Cola-Spielen« 1996 in Atlanta (USA) wurde staatliches Sponsoring durch privatwirtschaftliches Sponsoring ersetzt. Unter diesem Stern werden auch die Olympischen Spiele im August 2012 in London stehen.

von Daniel Harrasser


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