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Soziales | Wirtschaft
Juli/August - 2012 Baustelle Wien-Mitte, im Hintergrund Justiztower © franzj (flickr.com) Martin Maurer beschreibt, wie aus Immobilien Profit gemacht und auf die Bedürfnisse der Bewohner vergessen wird. Investoren kaufen einen Baugrund oder ein altes Gebäude, investieren in die Liegenschaft und verkaufen es nach ein paar Jahren um ein Vielfaches des Kaufpreises wieder. Die Differenz zwischen dem Verkaufserlös und der Summe aus Kaufpreis und Investitionskosten ergibt den Profit für den Investor. Das Ziel des Immobilieninvestments ist deshalb nicht, die Wohn-, Lebens- und Arbeitsqualität oder die infrastrukturelle Versorgung der Umgebung zu verbessern. Investments orientieren sich vorwiegend an der Maxime des größtmöglichen Profits. Den größten Profit versprechen Büro- und Gewerbeimmobilien. Bei größeren Immobilienprojekten wird häufig auf eine monofunktionale Büronutzung gesetzt, die zwar außerhalb der Arbeitszeiten für verwaiste Stadtviertel sorgen, dafür aber mehr Gewinn bringen. Die Gemeinden versuchen dieser Entwicklung ein wenig gegenzusteuern, indem sie den Bauträgern einen Prozentsatz an Wohnnutzungen vorschreiben. Im Vergleich zu Büromieten sind Wohnungen zu billig, sie werfen keinen vergleichbaren Profit ab. Anders ist es bei Dachgeschossausbauten auf prestigeträchtigen Innenstadthäusern. Investoren können hier einige zusätzliche Geschosse auf den Dächern bereits bestehender Gebäude stapeln. In den Alt- und Innenstädten können auf diese Weise Luxuswohnungen mit Weitblick errichtet werden, die den Investoren in den teuersten Vierteln horrende Summen einbringen. Dabei wird die verfügbare Fläche bis zum letzten Quadratmeter ausgenutzt, so dass historische Gründerzeitbauten von einem kolossalen Dachtempel förmlich erdrückt werden. Was im Einzelfall als noch nicht so schlimm betrachtet wird, kann bei flächenhafter Verbreitung zur Zerstörung historischer, gründerzeitlicher Stadtbilder führen. Besonders hohe Profitabilität ist bei Investments in gentrifizierten Stadtteilen zu erwarten. Gentrifizierung bezeichnet die Aufwertung von abgewohnten Stadtteilen mit günstigen Mieten, an deren Ende ein besser erschlossener, sauberer und trendiger Bezirksteil entsteht. Im Zuge dieses Prozesses werden aber auch die Mieten auf ein Niveau angehoben, dass von der ursprünglichen Bevölkerung nicht mehr bezahlt werden kann. Es kommt zu einer Verdrängung der ärmeren Teile der Bevölkerung in andere Viertel mit niedrigen Mieten. Nur die Investoren sind glücklich, sie haben für billiges Geld desolate Gebäude erworben, bauen sie aus und verkaufen die Gebäude anschließend für teures Geld im trendigen aufstrebenden Stadtteil. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführender Artikel:
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