Warum die Banken das ganze Geld horten

Juli/August - 2012 (Di. 19.06.12)
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Das umlaufende Geld in den 14 größten Volkswirtschaften ist in nur sechs Monaten um drei Viertel gesunken. Aber das Geld ist nicht weg, meint David Albrich.

Im Radio und Fernsehen erzählen uns Moderatoren, Wirtschaftsexperten und Politiker, dass wir nicht genügend Geld haben. Wir müssten »den Gürtel enger schnallen«. Das Geld ist immer noch da, nur die Banken vergeben keine Kredite mehr und die Bosse investieren nicht. Unternehmen horten riesige Geldberge. Die größten »Hamster-Firmen« – darunter die Autohersteller Volkswagen, Toyota und General Motors – halten mehr als 330 Milliarden Euro zurück.

Sie glauben nicht, dass sie fette Profite machen können, wenn sie jetzt investieren. Darum warten sie. Selbst die Banken, die sie mit billigen Krediten versorgen sollten, weigern sich einzuspringen. Die Banken-Chefs bereiten sich auf einen Zusammenbruch des spanischen Bankensektors und auf einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone vor.

Die Ansteckungsgefahr ist groß. Keiner möchte nach Lehman Brothers und Bankia die nächste Bank in der Krise sein, die pleitegeht. Deshalb treiben sie ihre Schulden ein und erhöhen die Zinsen, wenn sich jemand Geld borgen möchte.

Geld aus dem Nichts



Zur Kur verschreiben Experten der Wirtschaft Maßnahmen der sogenannten »quantitativen Lockerung«. Das ist, wenn Regierungen und Zentralbanken Geld aus dem Nichts erschaffen und den Banken schenken, in dem sie Wertpapiere im großen Stil ankaufen. Diese Politik verfolgen sowohl die US-Notenbank als auch die Eurorettungsschirme.

Quantitative Lockerung ist nichts anderes als Bankenrettung mit einem anderen Namen. Aber gerade die Bankenrettungen haben die Regierungen in erster Linie in die »Schuldenkrise« gestürzt.

Noch mehr Geld in die kaputten Banken zu stopfen wird die Krise nicht lösen. Die Banken lagerten die billigen Kredite, die sie von der Geldspritze der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember und Februar bekommen haben, sofort wieder dort ein. In der EZB liegen über 775 Milliarden Euro brach.

Die Ratingagentur Moody’s hat die heimischen Banken Erste Group, Raiffeisen International und die Bank Austria Anfang Juni 2012 wegen ihrer faulen Kredite in Osteuropa und wegen zu wenigen Kapitalrücklagen herabgestuft.

Bittere Medizin



Obwohl auch Österreichs Kreditwürdigkeit zu Beginn des Jahres heruntergestuft wurde, kostet es den Staat nicht mehr, sich Geld zu borgen. Die Zinsen, die Österreich zahlen muss, sind verglichen mit anderen Staaten in Europa niedrig. Aber die europäische Wirtschaft stagniert und steht vor einer Rezession. Die Eurokrise könnte weitere Banken in den Abgrund ziehen, wie 1931, als die österreichische Creditanstalt pleite ging.

Die werktätigen Menschen haben kein Interesse daran, diese Banken am Leben zu erhalten. Sie sollten verstaatlicht und unter demokratische Kontrolle gestellt werden. Die Milliarden, die von den Unternehmen gehortet werden, sollten für Soziales und den öffentlichen Bereich beschlagnahmt werden.

Die einzigen Kapitalisten, die selbstbewusst auftreten und deutlich machen, was aus ihrer Sicht die Lösung für die Krise ist, sind die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Sie meinen, dass ein neuer Aufschwung von halbtoten »Zombie-Unternehmen« verhindert wird. Anstatt bankrottzugehen sind sie von Regierungen gerettet worden. Geht es nach ihnen, sollten noch viel mehr Firmen zusammenbrechen. Ihre bittere Medizin ist mehr Arbeitslosigkeit und Armut für die arbeitende Bevölkerung. Stattdessen aber sollten wir das kranke System der Bosse loswerden.

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