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Protest | Krieg | Revolution | Syrien

Juli/August - 2012 (Di. 19.06.12)    
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Die syrische Revolution tritt in eine entscheidende Phase: Meutereien, Streiks und ein wachsender Aufstand – aber auch erneute Anläufe des Westens zu intervenieren. Doch im Moment deutet alles auf einen erstarkten, vereinten Widerstand der Syrerinnen und Syrer hin.

Politiker im Westen trommeln, dass es ohne äußeres Eingreifen zum Bürgerkrieg zwischen den Religionsgruppen kommen wird und schließlich Terrorgruppen profitieren würden. Gemeinsam mit der UNO fordern sie eine so genannte »Jemenitische Lösung«, was bedeutet, dass Assad gehen müßte, das Regime aber an der Macht bliebe. Russland hat nun auch erstmals angedeutet, so einem Plan zustimmen zu wollen.

Momentan scheint aber ein militärisches Eingreifen dennoch nicht an der Tagesordnung zu stehen. Bei einer Intervention müsste die Türkei an vorderster Front stehen. Doch die türkische Regierung hat kein Interesse in einen Krieg hineingezogen zu werden, der auch Spannungen zwischen den Volksgruppen innerhalb der Türkei erzeugen würde. Auch die Rufe innerhalb der syrischen Revolution nach westlicher Intervention sind inzwischen wesentlich leiser geworden – das Vertrauen darauf, dass die syrische Bevölkerung das Regime aus eigener Kraft loswerden kann, ist gestiegen.

Die Kräfte des Regimes haben Homs, auch drei Monate nach ihrem brutalen Überfall auf die Stadt, nicht unter Kontrolle. Die Region bleibt eine Hochburg des Widerstands. Mit dem Überlaufen einer Elite-Raketenabwehr-Basis wurden die Regimekräfte dort weiter geschwächt: Der Kommandant der Basis erlaubte allen, die sich dem Aufstand anschließen wollten, zu gehen und lief mit Truppen und Munition zu den Rebellen über. Er selbst ist Alawit – eine religiöse Minderheit, der auch der Assad-Klan und ein Großteil der Eliten des Landes angehören. Der Vorfall zeigt, dass auch die Unterstützung der Alawiten für das Regime schwindet. Die Zahl derartiger Überläufer steigt in ganz Syrien.

In vielen Gebieten sind Regierungssoldaten in ihren Stützpunkten gefangen und haben lokale Waffenstillstände mit den Rebellen ausgehandelt. Der Aufstand hat inzwischen sowohl die Küstenstadt Latakia erreicht, die bis vor kurzem als »sicher« galt, als auch das Zentrum von Damaskus.

Sowohl in Aleppo als auch in Damaskus ist es zu Proteststreiks gekommen, die ganz neue Teile der Gesellschaft in die revolutionäre Bewegung gezogen haben. Darunter sind auch die Händler in Damaskus, die immer für loyal gegenüber dem Regime gehalten wurden. Gleichzeitig verstärken zunehmend Revolutionäre die Reihen der bewaffneten Rebellen und prägen mit ihrer gegen Religionskonflikte gerichtete Politik, den Volksaufstand. Versprechen, die Einheit des Landes zu verteidigen, werden bei Anti-Regime-Demonstrationen und in den Verlautbarungen der Rebellenbrigaden immer beliebter. Die Ängste vor religiösen Auseinandersetzungen, die Assad zur Niederschlagung der Revolution instrumentalisiert, haben zwar ihre Berechtigung – bisher aber ist der Widerstand geprägt von Einigkeit.

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