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Rassismus | Rechtsextremismus | Nahost-Konflikt | Literatur

Juli/August - 2012    
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Gilbert Achcar hat in seinem soeben auf Deutsch erschienenem Werk »Die Araber und der Holocaust« es erfolgreich geschafft, die historischen Entwicklungen aus mindestens zwei verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Achcar, ein libanesisch-französischer Marxist, nimmt wenig Rücksicht auf die Empfindsamkeiten arabischer oder israelischer Meinungsmacher: Natürlich wurde und wird der Holocaust von beiden Seiten missbraucht um Stimmung gegen die Kontrahenten zu machen. Viele Araber erliegen dem Mythos, der Holocaust sei nichts als ein riesiges Komplott, eine Erfindung, um Zionismus zu rechtfertigen. Viele Israelis geben den Arabern Mitschuld am Holocaust, unterstellen ihnen eine Haltung eingenommen zu haben, wie die schlechtesten der arabischen Führerfiguren, etwa die Sauds oder der berüchtigte Mufti von Jerusalem, Amin al-Husseini. Achcar ist unbarmherzig gegenüber allen arabischen Stimmen, die sich an dem dummen Spiel der Holocaust-Leugnung beteiligen und detailliert untersucht er etwa die Rolle des Muftis von Jerusalem. Husseini war ein abscheulicher Antisemit, der die Zusammenarbeit mit Nazideutschland suchte und die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden begrüßte. Im Westen und in Israel wird al-Husseini als allmächtiger Anführer der palästinensischen Araber dargestellt. Tatsächlich erfreute sich Husseini nur sehr vorübergehend einer gewissen Beliebtheit. Viel bedeutsamer waren die fortschrittlichen antikoloniale Kämpfer innerhalb der palästinensischen Bewegung.

Wenig bekannt sind die zahlreichen vor dem Zweiten Weltkrieg antifaschistische Komitees im arabischen Raum gab. Aufgebaut wurden sie zumeist von kommunistischen Parteien. Erst der Hitler-Stalin-Pakt machte diese Bemühungen zunichte und demoralisierte die antifaschistische Bewegung.

Mit »Die Araber und der Holocaust« haben wir ein Buch zur Hand, auf das wir noch für Jahre zurückgreifen werden um die Mythen zu zertrümmern, die durch eine verzerrte Geschichtsschreibung immer aufs Neue vor uns aufgebaut werden.

Edition Nautilus, 2012, 368 S. ISBN: 978-3-89401-758-3

von Manfred Ecker


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