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Juli/August - 2012 (Di. 19.06.12)    
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Durch Sparpolitik wird nichts besser, im Gegenteil: Sie vertieft die Krise. Aus dem Schatten der Wirtschaftskrise greifen Unternehmer Lohnabhängige an. Judith Litschauer stellt Gewinner und Verlierer gegenüber.




GEWINNER:



Für die Vorstände der größten ATX-Unternehmen gibt es keine Sparmaßnahmen. Sie verdienten 2011 im Durchschnitt 1,3 Millionen Euro – ein Plus von 20% im Vergleich zum Vorjahr, 48 Mal so viel wie durchschnittlich Beschäftigte.

Ähnlich verhält es sich bei der Lufthansa: Sie schüttete 114,5 Millionen Euro an die Aktionäre aus. Und das trotz des Verlusts von 13 Millionen Euro im vergangenen Jahr und des vom Personal abverlangten jährlichen Sparbeitrags von 500 Millionen Euro.

Reiche in Österreich



So ist die Dichte an Superreichen in Österreich besonders hoch. Das fand kürzlich die Boston Consulting Group in ihrem jährlichen »Global Wealth Report« heraus: Österreich befindet sich demnach in der EU an erster Stelle und weltweit auf Platz drei. »In Österreich sind ein Prozent aller Haushalte Millionärshaushalte«, stellte Boston Consulting fest.

Weiter gibt es in Österreich rund 3.400 Privatstiftungen mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 70 Milliarden Euro, so Christoph Kraus, Chef der Kathrein Bank und Generalsekretär des Vereins Österreichischer Privatstiftungen.




VERLIERER:



Metallbranche



Dieses freundliche Klima für Reiche und Unternehmen wollen jetzt auch zwei Fachverbände in der Metallbranche für sich nutzen. Sie kündigten an, die Verhandlungsgemeinschaft zu verlassen und eigene Herbstlohnrunden mit den Gewerkschaften führen zu wollen. Damit soll die Position der Arbeiterinnen und Arbeiter geschwächt werden – nicht nur in der Metallindustrie. Aufgrund der Vorbildwirkung der Metaller-Lohnrunden für alle anderen Branchen ist dies ein klares Zeichen für eine Offensive der gesamten Unternehmerseite.

Spanische Arbeitslose & Lehrlinge


Auch die Wirtschaftskammer (WKO) schlägt die Angriffstrommel: Zum einen fischte die WKO in einem ersten Rekrutierungsprogramm nach Facharbeitern aus Spanien. Die österreichische Wirtschaft hat es nämlich neuerdings auf die jungen Arbeitslosen aus den südeuropäischen Ländern mit enorm hohen Arbeitslosenraten abgesehen. In dasselbe Horn bläst auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der »neue Zielgruppen für die Lehre« erschließen möchte. Ganz klar geht es hier nicht um ein »Hilfspaket« für spanische oder griechische Arbeiter, sondern um Profitinteressen der Unternehmen. Sie wollen ausgebildete Facharbeiter ohne vorher für deren Ausbildung aufkommen zu müssen. Denn in Österreich sind derzeit 10.000 Jugendliche in der überbetrieblichen Berufsausbildung untergebracht und warten quasi nur auf betriebliche Lehrstellen. Ausbildungsverweigerer sind nicht die Jugendlichen, sondern die österreichischen Betriebe, denn »nur mehr 20 Prozent bilden Lehrlinge aus«, stellt ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Michlmayr klar.

Migrantische Arbeiter



Außerdem wird ein Drittel der Migrantinnen und Migranten unterhalb ihres Qualifikationsniveaus eingesetzt und die Mehrheit mit einem Nettoeinkommen unter 1.400 Euro monatlich auch noch schlecht bezahlt. Dies wiederum erhöht den Lohndruck insgesamt. Die Forderungen der WKO laufen also auf weitere Ausbeutung der in- wie ausländischen Arbeiterinnen und Arbeiter hinaus. »Nach Fachkräften rufen und die, die da sind, nicht als solche einzusetzen, passt nicht«, kritisiert auch ÖGB-Chef Erich Foglar den von Unternehmerseite propagierten Fachkräftemangel, der somit in anderem Licht erscheint.

Zum anderen wettert die WKO gegen zu viele in Anspruch genommene Krankenstand-Tage und schreit in ihrer »Agenda 2012« nach weiteren Arbeitsmarktflexibilisierungen wie Kurzarbeit und flexiblere Arbeitszeiten. Die Unternehmen versuchen die Zeiten der Wirtschaftskrise zu nutzen, um Lohnabhängige anzugreifen und Unsicherheit und Kosten auf sie abzuwälzen. Und die von der WKO geforderte Flexibilisierung ist in Wirklichkeit schon weit fortgeschritten: Teilzeitbeschäftigung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen – auch zulasten der Vollzeitarbeit: Im Vergleich zu 2008 gibt es heute um 37.300 Vollzeiterwerbstätige weniger. 25 Prozent sind Teilzeitangestellte. Damit liegt Österreich über dem EU-Durchschnitt von 19,4 Prozent. Auch die überproportionale Betroffenheit von Frauen ist kritisch zu sehen: 44 Prozent der Frauen arbeiten Teilzeit und nur neun Prozent der Männer. Vom Teilzeitzuwachs waren zu 70 Prozent Frauen betroffen. Nur mehr die Hälfte der beschäftigten Frauen hat ein unbefristetes Vollzeitarbeitsverhältnis. Gründe dafür sind Teilzeit-Jobs in der öffentlichen Verwaltung, das Steuersystem und mangelnde Unterstützung des Staats. Denn die Mehrheit der Frauen arbeitet aufgrund familiärer Verpflichtungen Teilzeit. Zwei Drittel aller Niedriglohnbeschäftigten sind Frauen.

Immer mehr Menschen müssen in prekären Arbeitsverhältnissen arbeiten, in denen arbeitsrechtliche Ansprüche wie 13. und 14. Monatsgehalt, bezahlter Urlaub oder bezahlter Krankenstand ausgehebelt sind. Für schwangere freie Dienstnehmerinnen gelten arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen, wie das absolute Beschäftigungsverbot vor und nach der Geburt, nicht, weil sie nicht in das Mutterschutzgesetz eingebunden sind. Auch fehlenden Arbeitszeiten aufgrund von Arztbesuchen, etc. wirken sich bei ihnen direkt auf ihr Einkommen aus – und weil sich das einkommensabhängige Kindergeld auf das Gehalt kurz vor der Geburt stützt, dauern diese Lohneinbrüche lange an.

Während die Reichen und Unternehmer also kräftige Dividenden ausbezahlt bekommen ist es am unteren Ende der Einkommensleiter eine komplett andere Geschichte:

Gehaltseinbußen von bis zu 16 Prozent drohen Beschäftigten bei der Aids Hilfe Wien. 2.500 Beschäftigte der Bundestheater-Holding GmbH warten ebenso auf ihre Gehaltserhöhung – die Kollektivvertragsverhandlungen wurden Mitte Juni abgebrochen.

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