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Juli/August - 2012    
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Partisanen im Weißen Gebirge auf Kreta: Sie kämpften an vorderster Front gegen Faschismus

Von 1941 bis 1945 stand Griechenland unter dem Terror-Regime der Wehrmacht. Daniel Harrasser schreibt über den heldenhaften Widerstand gegen die nationalsozialistische Besatzung.

Während man 1940 eine Invasion Italiens erfolgreich abwehren konnte, kapitulierte die griechische Armee 1941 vor der militärisch überlegenen deutsche Wehrmacht. Bereits am 13. Mai 1941 – wenige Wochen nach der Einnahme Athens – verfügte das Oberkommando der Wehrmacht (OKW), alle frontfähigen Verbände aus Griechenland nach Osten abzuziehen, da mit der Entwaffnung der griechischen Armee kein weiterer militärischer Einsatz erforderlich sei und man zudem alle verfügbaren Einheiten für die »Operation Barbarossa« – den Angriff auf die Sowjetunion – mobilisieren wollte. Die Nationalsozialisten waren überzeugt, die Griechen würden die Wehrmacht mehr oder weniger freiwillig im Lande dulden – eine eindeutige Fehlprognose, wie sich herausstellen sollte.

Widerstand



Ein großes Problem des griechischen Widerstandes (Andártiko) war zunächst das weitgehende Fehlen von tauglichen Waffen. Innerhalb der Armee und ihrer Offiziere gab es nahezu keine Bemühungen zur Bildung eines bewaffneten Widerstandes. Auch König Georg II und sein Ministerpräsident wollten lediglich nach gelungener Flucht die Kriegswirren in ihrem Exil überdauern und nach Beendigung des Krieges wiederum in Amt und Würden zurückkehren.

Die erste Phase des Widerstands ist geprägt von Formen des »zivilen Ungehorsams«. Am 18. Oktober 1941 demonstrierten in Athen tausende Menschen anlässlich des ersten Jahrestags der italienischen Invasion. Am 26. Jänner und 17. März 1942 gingen die verwundeten Kriegsveteranen auf die Straße. Am 12. April 1942 gab es einen ersten Generalstreik – der erste im besetzten Europa.

Bereits in den ersten Wochen der Besatzung gab es – trotz des Waffenmangels – vereinzelte bewaffnete Aktionen durch Andartengruppen im Norden des Landes, die sich zumeist auf Raub von Nahrungsmitteln für die hungernde Bevölkerung beschränkten. Hunger als auslösendes Moment spielte sicherlich eine bedeutende Rolle für den Widerstand. Ab Herbst 1941 herrschte eine Hungersnot mit mehreren hunderttausend Toten – Opfer der NS-Okkupation, über die kaum gesprochen wird. Hauptkraft des bewaffneten Befreiungskampfes war die Griechische Volksbefreiungsarmee ELAS. Die bürgerliche EDES spielte militärisch keine Rolle mehr, ihre Führer kollaborierten seit Herbst 1943 sogar mit der Wehrmacht.

Kreta



Kreta war der erste Ort einer kriegerischen Auseinandersetzung im Zweiten Weltkrieg, bei der die Zivilbevölkerung in größerem Maßstab aktiv in die Kämpfe eingriff. Der Widerstandswille der kretischen Bevölkerung kam für die deutsche Führung völlig überraschend, hatte sich doch die Bevölkerung auf dem griechischen Festland während des deutschen Vormarsches in aller Regel passiv verhalten. Die Kreter hatten kaum Waffen, da sie im Gefolge des Aufstandes vom August 1938 gegen die Diktatur Metáxas total entwaffnet worden waren.

Kriegswende



Mit der militärischen Lage veränderte sich 1943 auch die strategische Bedeutung Griechenlands für die NS-Kriegführung. Bei Stalingrad erzwang die Rote Armee die Kriegswende, in Nordafrika besiegten die Westalliierten Rommels Afrikakorps. Am 8. September 1943 schied Italien aus dem faschistischen Achsenbündnis aus. Die deutsche Führung ging nun davon aus, dass die Westalliierten im Frühjahr 1943 mit einer Landung in Griechenland eine zweite Front in Europa eröffnen würden. Deshalb nahm Griechenland im strategischen Kalkül des OKW nun die Rolle einer Festung an der Südostflanke des Nazi-Imperiums ein.

Bürgerkrieg und Restauration



Im September 1943 stellte der Militärbefehlshaber fest, dass »Griechenland nur zu einem kleinen Teil wirklich in deutscher Hand« ist. In einem erneuten Schwenk ihrer Okkupationspolitik versuchte die NS-Besatzer nunmehr mit »zielgenauerem« Antikommunismus und verstärkter Zusammenarbeit mit Kollaborateuren einen Bürgerkrieg zu entfachen. In einem regelrechten Vernichtungskrieg sollten die Träger und Sympathisanten des Widerstands ausgerottet und dabei unter deutscher Leitung künftig immer mehr Griechen von Griechen umgebracht werden. Am 2. November 1944 verließen die letzten deutschen Einheiten Festlandgriechenland. Auf einigen Inseln blieben etwa 20000 Deutsche zurück, die meist erst am 8. Mai 1945 kapitulierten. 90.000 Griechen wurden Opfer von Geiselmorden und anderen »Strafaktionen«. 58.000 Jüdinnen und Juden sind deportiert und ermordet worden. Im Dezember 1944 verlangten die Briten schließlich die Entwaffnung der ELAS, wie der britische Premier Churchill es im Oktober 1944 bei der Aufteilung der Nachkriegs-Einflusssphären mit Stalin vereinbarte. Die einzige Kraft, die dieses Abkommen stören konnte, waren die Kämpfer der ELAS, die in einem opferreichen Kampf gut 90 Prozent des Landes befreit hatten. Als sich die ELAS weigerte, die Waffen niederzulegen, gingen die Briten mit Gewalt gegen die ELAS und deren politische Sympathisanten vor.

Der darauffolgende Bürgerkrieg dauerte bis Oktober 1949 und endete mit der Wiedererrichtung eines reaktionären Regimes, das schließlich in den 1960er Jahren erneut in eine Militärdiktatur mündete. Bis in die 1980er Jahre mussten die Kämpfer der ELAS darauf warten, dass ihr Kampf von 1941 bis 1944 von der griechischen Regierung als Beitrag zum Sieg der Antihitlerkoalition im Zweiten Weltkrieg gewürdigt wurde.

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