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Juni - 2012    
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Markus mit einem der Flüchtlinge

Anfang Mai schreckte ein schlimmer Vorfall die Südtiroler Öffentlichkeit auf: Unbekannte Täter hatten drei Molotov-Cocktails gegen ein Haus im Pustertaler Dorf Vintl geschleudert, in dem rund 20 Flüchtlinge untergebracht sind, die meisten davon aus Afrika. Sie waren im Zuge des Libyen-Krieges nach Italien gekommen und in Erwartung des Asylverfahrens über das ganze Land verteilt worden. Dass es nicht zur Katastrophe gekommen ist, lag daran, dass die Flaschen an der Außenwand zerschellten und weder die Balkontür aus Glas noch Fenster durchschlugen.

Der Vorfall fand enorme Medienbeachtung, die allerdings schon nach kurzer Zeit wieder abflachte. Südtirol drohte zur Tagesordnung überzugehen und selbst einige haarsträubende Wortspenden der politischen Rechten – allen voran der Südtiroler Freiheitlichen – fanden immer weniger Gegenstimmen. In der Zwischenzeit hatte sich aber die Südtiroler Zivilgesellschaft formiert. Auf Facebook bildete sich die Gruppe »Menschen gegen Flaschen – solidarietà con i minacciati« die es in zwanzig Stunden auf über 1000 Mitglieder brachte. Dort entstand – angeregt von Dominik Plangger und Markus »Doggi« Dorfmann – die Idee für ein Solidaritätskonzert, das die beiden Liedermacher und ihre Künstlerfreunde in kürzester Zeit auf die Beine brachten, unterstützt von einer informell gebildeten und koordinierten Arbeitsgruppe, die alle organisatorischen Schritte erledigte.

Zu Redaktionsschluss dieser Nummer findet das Konzert gerade statt. Acht MusikerInnen und Gruppen aus ganz Südtirol gestalten ein wunderschönes und über alle Erwartungen gut besuchtes Fest der Begegnung in zwangloser Atmosphäre. Die Flüchtlinge arbeiten mit, sprechen mit den Menschen und empfangen deren Solidarität und Wärme. Es bleibt zu hoffen, dass es weitere Folge-Veranstaltungen und Initiativen gibt und dass der progressive Teil der Südtiroler Gesellschaft gestärkt daraus hervorgeht, um in Zukunft wirkungsvoller als bisher der rechten Meinungsmache zu begegnen. Diese fällt in Südtirol traditionell auf fruchtbaren Boden.

Markus Lobis

HINWEIS: LeserInnenbriefe spiegeln nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider

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