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Protest | Staatsgewalt | Krieg | Revolution | Demokratie | Syrien

Juni - 2012    
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Protestierende in der Universität Aleppo

Bewaffneter Aufruhr und ziviler Widerstand erfassen mittlerweile auch Regionen, die einst zu den Regierungstreuen gezählt wurden, schreibt Simon Assaf.

Die syrische Revolution bewegt sich entlang verschiedener Pfade fort. Zum einen gibt es den Guerillakrieg in den großen Städten und entlang der Außengrenzen. Weiters haben sich in der Hauptstadt Damaskus und in der größten Stadt Aleppo militante Bewegungen auf der Straße gebildet. Schließlich hat eine Welle aus Streiks und Demonstrationen Dörfer und Städte im ganzen Land erfasst.

Präsident Baschar al-Assad vertraute darauf, dass, wenn er die »Hauptstadt der Revolution« Homs unterjochen würde, der Widerstand gegen sein Regime zusammenbrechen würde. Im Vorfeld des von der UNO verhandelten Waffenstillstandes, startete er eine tödliche Militäroffensive gegen Rebellengebiete. Diese Kampagne war gekrönt von »örtlichen Wahlen«, die seinen »Reformen« Glaubwürdigkeit verleihen sollten.

»Teile und herrsche« versagt



Aber anstatt die Revolution zu brechen, erzeugt die Repression eine neue Welle der Radikalisierung, die in die Kerngebiete der alawitischen Muslime reicht. Auslöser sind oft die Hinrichtungen von Alawiten, die zur Armee eingezogen wurden, und sich weigern auf Demonstranten zu schießen. Diese Demonstrationen untergraben die Versuche des Regimes, die Rebellion als einen konfessionsabhängigen Aufstand der mehrheitlich sunnitischen Bevölkerung darzustellen (Assad und sein Umfeld entstammen der alawitischen Minderheit).

Der landesweite Wahlboykott Anfang Mai wurde von Streiks begleitet. Viele Nachbarschaften erstellten Listen mit Märtyrern als Kandidaten. Weithin wurden die Wahlen als Fehlschlag wahrgenommen. Das Regime reagierte auf diese sich häufenden Fehlschläge mit Massenverhaftungen führender Aktivisten und selbst jener, die sich an seinem »nationalen Dialog« und »Reformprogramm« beteiligt hatten.

Das Militär wendet sich ab



Währenddessen begann die revolutionäre Jugend in Damaskus mit einer Serie von »Blitz-Demonstrationen«. Viele Nachbarschaften sind im offenen Widerstand. Während der zivile Widerstand weitergeht, steht das Regime nun einem wachsenden, bewaffneten Aufstand gegenüber. Die Militäroffensive veranlasste eine große Zahl an Soldaten, zu den bewaffneten Rebellen überzulaufen, einst loyale Mitglieder von Eliteeinheiten miteinbegriffen. Die Mehrzahl dieser Soldaten schloss sich der Freien Syrischen Armee an und schwor Zivilisten zu verteidigen.

Es gibt jedoch Befürchtungen, dass auch andere Kräfte in die Kämpfe eingreifen. Zum willkürlichen und tödlichen Bombenanschlag auf ein Hauptquartier der Geheimpolizei, bekannte sich eine Organisation die angeblich in Verbindung zu Al Kaida steht. Es gibt keine Möglichkeit mit Sicherheit festzustellen, wer hinter dem Attentat steht, aber sowohl die revolutionäre Führung innerhalb der lokalen Organisationskommitees, als auch viele der bewaffneten ­Widerstandsorganisationen, distanzierten sich von dem Angriff.

Die Krise in Syrien ist nun auch in den benachbarten Libanon übergeschwappt, und löste im Verwaltungssitz Tripoli Kämpfe zwischen libanesischen Alawiten und Sunniten aus. Diese Zusammenstöße sind im libanesischen Bürgerkrieg und lokalen Feindseligkeiten begründet, die ihre Wurzeln vor der syrischen Revolution haben. Der Libanon beherbergt einen Großteil jener Syrer, die vor der Militäroffensive geflüchtet sind. Sie sind mit einem feindseligen Staat konfrontiert, der von regimefreundlichen Parteien dominiert wird, während der Libanon von wilden Streiks und wachsender sozialer Unruhe erfasst wird.

Bei einem Angriff der Armee auf die Universität in Aleppo, der größten Stadt Syriens, starben Anfang Mai vier Studierende, 20 wurden verletzt, drei davon schwer. Mit dem Angriff versuchte die Regierung, den Widerstandsherd inmitten ihrer Hochburg niederzuschlagen. Zwei Wochen später, protestierten die Studierenden jedoch unter schweren Angriffen erneut. Unterdessen fanden im ganzen Land Solidaritätsdemonstrationen für die »Helden von Aleppo« statt.


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