Der Begriff Imperialismus kann sehr weit oder sehr eng gefasst werden: Bezogen auf die Menschheitsgeschichte bedeutet Imperialismus die Beherrschung kleiner Länder durch stärkere Staaten. Eng gefasst bezeichnet Imperialismus jene Politik, die von den Großmächten im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eingeschlagen wurde, nämlich die Unterwerfung der ganzen Welt unter ihre koloniale Herrschaft. Die klassische marxistische Definition, deren wichtigste Vertreter Nikolai Bucharin und Lenin sind, ist spezifischer als die weite Definition und allgemeiner als die enge. Imperialismus ist demnach ein Stadium in der kapitalistischen Entwicklung, in dem:
die Konzentration und Zentralisation des Kapitals tendenziell zur Verschmelzung des zentralisierten Monopolkapitals mit dem Nationalstaat führt und
die Internationalisierung der Produktivkräfte tendenziell die Kapitalien dazu zwingt, um Märkte, Investitionen und Rohstoffe, also auch um Territorien, auf internationaler Ebene zu konkurrieren.
Aus diesen zwei Tendenzen folgen drei wesentliche Konsequenzen:
Die Konkurrenz zwischen den Kapitalien nimmt die Form militärischer Rivalitäten zwischen Nationalstaaten an.
Die Verhältnisse zwischen den Nationalstaaten sind ungleich. Das heißt: die ungleiche Entwicklung des Kapitalismus in den verschiedenen Gebieten der Erde macht es einer kleinen Zahl von Staaten (den imperialistischen Ländern) möglich, mit ihrer wirtschaftlichen und militärischen Stärke den Rest der Welt zu beherrschen.
Die ungleiche Entwicklung unter dem Imperialismus verschärft die militärische Konkurrenz weiter, wodurch es sowohl zu Kriegen zwischen den imperialistischen Mächten selbst, als auch zu Kämpfen unterdrückter Nationen gegen die imperialistische Herrschaft kommt.
Die bisherige Geschichte von Imperialismus kann in drei Phasen eingeteilt werden:
Der klassische Imperialismus (vom späten 19. Jahrhundert bis 1945) entstand im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und führte schließlich zu den Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Die Weltmächte kämpften um Rohstoffe und um Kolonien, um ihre Produktion zu nähren und neue Absatzmärkte für ihre Produkte zu schaffen.
Der Imperialismus des Kalten Kriegs (1945-1991) stellte sich im Prinzip so dar, dass zwei Supermächte – die USA und die UdSSR – sich gegenseitig mit atomarer Vernichtung bedrohten und riesige Einflussbereiche absicherten. In diese Zeit fallen die Unabhängigkeitskriege der ehemaligen Kolonien und das Ende der direkten Kolonialpolitik.
Mit dem Untergang des russischen Imperiums 1991 blieben die USA als einzige imperiale Supermacht übrig, seither spricht man vom »Neuem Imperialismus«. Geopolitisches Ziel der USA war es nun, Territorium aus dem ehemaligen Einflussbereich der UdSSR an sich zu binden. Die Anschläge vom 11. September 2001 erlaubten es den neokonservativen Eliten die militärische Dimension weiter auszudehnen, um einen über viele Jahre erlebten relativen wirtschaftlichen Niedergang auszugleichen und damit einzige Supermacht zu bleiben. Dabei setzte man auf eine massive Erhöhung der Rüstungsausgaben, den Aufbau eines »Raketenabwehrsystems« und ein aggressives Vorgehen gegen so genannte »Schurkenstaaten«. Angesichts der Niederlagen in Afghanistan und im Irak ist die geopolitische Position der USA heute geschwächt. Aktuell scheint sich der Konflikt zwischen den (noch) vorherrschenden USA und dem aufstrebenden China auf den pazifischen Raum zu verschieben.
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