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Österreich | Rechtsextremismus | Literatur | Korruption
Mai - 2012 Herr Groll, Rollstuhlfahrer und Lebensberater aus Wien, macht sich mit seinem Kompagnon, »dem Dozent« aus Hietzing, auf die Reise nach Kärnten. Ersterer will zur Hochzeit eines Freundes, Letzterer begibt sich auf historische Recherche in die Nazi-Vergangenheit seiner Familie. Bald tauchen der erste Ermordete und eine Liste mit Finanztransaktionen rund um Kärntens korrupte Bonzen auf. Groll und der Dozent sind mitten drin in einer schnelllebigen und hochpolitischen Story. Erwin Riess bringt in diesem Krimi Vergangenheit und Gegenwart zusammen: Angefangen vom Volkswagen-Konzern, der bis in die siebziger Jahre von einem alten Nazi geführt wurde und es somit »kein Zufall [ist], daß die ‚Sonne Kärntens‘ in einem Volkswagen verunglückte«. Bis zur NS-Zeit, die mit der aktuellen »in aller Eile zusammengeschusterte[n] Rettung der Kärntner Landesbank« (Hypo Alpe Adria) und Korruptionsaffären rund um Stronach, Grasser & Co verknüpft wird. »Gesellschaftlich und politisch ist [d]er [Wörthersee] ein Magnet, der Kriegsverbrecher und Finanzbetrüger […] anzog und anzieht.« Dabei wird offenkundig, dass die Geschehnisse »im Schatten der Karawanken« durchaus kein reines Kärntner Phänomen sind – auch wenn Riess mit allseits bekannten Klischees über Kärnten und die dortigen Ewiggestrigen spielt. Mit »Herr Groll im Schatten der Karawanken« ist Erwin Riess ein durch und durch politischer Roman gelungen. Gerade in der heutigen Zeit – angesichts des Erstarkens rechter Parteien, dem Zerschlagen des Sozialstaats und nicht enden wollender Korruptionsfälle – ist sein Polit-Krimi eine empfehlenswerte Lektüre. Sie löst sowohl Schmunzeln über Riess‘ bissige Wortwahl, als auch Ärger über vergangene wie heutige Zustände aus. Beim Lesen ist man teils fassungslos über recherchierte Fakten zu den Nazi, Wirtschafts-Verzweigungen und Korruption, die einen schwer unterscheiden lassen, was Fiktion und was Realität ist. Umso mehr bekommt man das Gefühl, aktiv in die Geschichte, die den Anschein erweckt sich ständig zu wiederholen, einzugreifen zu müssen. Denn: »Wer glaubt in Kärnten auf den Rechtsstaat pochen zu können, hat nichts von dem Land verstanden.« »Und über die Justizbehörden brauche man in einem Land, in dem alle politisch relevanten Verfahren mit der Einstellung endeten, erst gar nicht zu reden.« Der Hauptfigur Groll wohnt immer etwas durchaus Revoltierendes inne. Gesellschaftskritisch begibt er sich auf Spurensuche und bringt sich dabei selbst in Gefahr. Ihn dabei zu begleiten würde ich jedem und jeder raten. Otto Müller Verlag, 2012, 311 S., 21€, ISBN: 978-3-7013-1192-7 von Judith Litschauer Erwin Riess liest am 26.4. um 19 Uhr aus dem Roman »Herr Groll im Schatten der Karawanken« Alte Schmiede (Schönlaterngasse 9, 1010 Wien) www.alte-schmiede.at Zu allen Artikeln dieser Ausgabe |
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