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Staatsgewalt | Krieg | Imperialismus | USA | Afghanistan

Mai - 2012    
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US-Armee in Kabul
© Guy Smallman

Die Nachricht vom Mord an 16 Zivilisten löste in den afghanischen Dörfern Alkozai und Najib Yan im Süden des Landes empörte Proteste aus.

In den frühen Morgenstunden des Sonntag (11. März 2012, Anm.) wurden sie von mindestens einem US-Soldaten in ihren Betten ermordet. Neun von ihnen waren Kinder. Den meisten wurde in den Kopf geschossen. Danach wurden ihre Leichen in Decken gewickelt und angezündet.

Die Dörfer liegen mehr als drei Meilen (knapp fünf Kilometer, Anm.) auseinander. Erste Berichte zitierten Zeugen, die von mehreren involvierten Soldaten und von über ihren Köpfen fliegenden Hubschraubern sprachen.

Afghanische Wachen berichten auch gesehen zu haben, dass der des Attentats beschuldigte Sergeant in jener Nacht zweimal die Basis verließ. Einmal kam er um 0:30 zurück, und um 2:00 verließ er den Stützpunkt wieder.

»Es war ein Gemetzel«



Agha Lala, ein Dorfbewohner, sah mehr als einen Soldaten, als er circa um 2:00 von Schüssen geweckt wurde. »Ich sah ihnen von einer Mauer aus zu«, sagte er. »Sie schossen auf mich. Die Kugeln trafen die Mauer. Sie lachten. Sie schienen nicht normal zu sein. Es war, als wären sie betrunken.«

Er versteckte sich erst, kam dann aber wieder heraus, um nach seinen Nachbarn zu sehen. »Es war ein Gemetzel. Überall lagen die mit Kugeln übersäten Leichen«, sagte er. »Ist das, was die Amerikaner unter einer Schutztruppe verstehen? Sie sind Monster und haben keine Menschlichkeit.«

Kein Einzelfall



Trotz solcher Aussagen bestehen US-Amtsträger darauf, dass das Massaker die Tat eines einzigen Unteroffiziers war. Die Generäle und Politiker wollen den Vorfall als eine Anomalie darstellen – als die Tat eines einzelnen, verwirrten Individuums.

Aber solche Vorfälle sind alles andere als einzigartig (siehe weiter unten: Massaker von My Lai). 2005 massakrierten Soldaten 24 Zivilisten in Haditha im westlichen Irak.

Der Unteroffizier, der für die jüngsten Morde festgenommen wurde, kam aus der Armeebasis Lewis-McChord im Bundesstaat Washington. Erst letztes Jahr wurden Soldaten von dieser Basis schuldig gesprochen »Kill teams« (zu Deutsch: »Mord-Teams«) zu organisieren – Gruppen von Soldaten, die afghanische Zivilisten als »Sport« umbringen.

Sie behielten Körperteile als grauenvolle Souvenirs, während sie versuchten, ihre Verbrechen zu verheimlichen.

Krieg und Gewalt



Die letzten zwei Monate haben die Realität dessen offenbart, was Barack Obama als den »außergewöhnlichen Charakter« der US-Militärs bezeichnet.

Im Februar kam heraus, dass Kopien des Koran gemeinsam mit dem Müll in der US-Basis in Bagram verbrannt wurden. Tausende protestierten gegen die fremden Besatzer. Im Jänner wurde Filmmaterial entdeckt, das US-Soldaten zeigt, die auf Leichen von Afghanen urinieren.

Solche Brutalität und Gewalt sind einem imperialistischen Krieg inhärent. Jene, die Besatzungssoldaten zu kaltblütigen Mördern ausbilden, wollen nichts mehr mit ihnen zu tun haben, wenn sie die falschen Afghanen zur falschen Zeit töten. Aber die Besatzung von Afghanistan hat zahlreiche offizielle Operationen mit sich gebracht, die den Tod von tausenden Zivilisten zur Folge hatten.

Ende der Besatzung?



Als letzte Woche (7. März 2012, Anm.) sechs britische Soldaten von einer einzigen Bombe am Straßenrand getötet wurden, gab es erneute Aufrufe, den Krieg zu beenden. Aber die, die am meisten leiden, sind die Afghanen. In diesem Krieg ging es nie darum, ihr Leben zu verbessern.

Milliarden wurden für Waffen ausgegeben, während Kinder in Afghanistan an einem der höchsten Niveaus chronischer Unterernährung weltweit leiden. Alles, was die westlichen Mächte tun, dient ihren eigenen strategischen Interessen. Nun behaupten sie, dass sie bis 2014 bleiben, um bei der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte zu helfen.

Das könnte sich ändern, denn Obama und David Cameron diskutieren gerade, afghanischen Truppen eine »führende« Kampfrolle zu geben. Die Taktik ist von Kriegsverlierern bekannt. Sie wollen abziehen, ohne den Eindruck einer Niederlage zu erwecken. Dieser neueste Skandal hat sie in die Krise gestürzt.

von Judith Orr


Massaker von My Lai



Kein Einzelfall: die USA taten das gleiche im Vietnam. Am 16. März 1968 vollzogen Soldaten der Charlie-Kompanie eines US-Infanteriebataillons die schlimmste Gräueltat des Vietnamkriegs im Dorf My Lai. Sie ermordeten 504 Zivilisten in einer wahnsinnigen Attacke, die drei Stunden dauerte. Soldaten schnitten den Schriftzug »C Company« in die Leichen. Frauen wurden vergewaltigt.

Am Abend zuvor bekamen sie den Auftrag, das Dorf niederzubrennen. Ein Offizier forderte sie auf, »Geht und schnappt sie euch.« Doch nachher versuchte das Establishment der Armee den Vorfall zu vertuschen.

Ein Soldat, Colin Glen, schrieb dem US-Kommandanten im Vietnam über das Massaker. Er warnte, dass der Missbrauch »auf der Ebene von ganzen Einheiten ausgeführt wird, und dadurch den Aspekt der geduldeten Vorgehensweise erlangt«.

Colin Powell, der später US-Außenminister wurde, blockierte die Beschwerde. Er schrieb: »Im direkten Widerspruch zu Glens Darstellung steht die Tatsache, dass die Beziehungen zwischen amerikanischen Soldaten und dem vietnamesischen Volk exzellent sind.«

Die Öffentlichkeit erfuhr die Wahrheit über My Lai erst, als der Enthüllungsjournalist Seymour Hersh das Massaker ein Jahr später aufdeckte. My Lai wurde symbolisch für den Horror der Rolle der USA im Vietnam – und half mit, die öffentliche Meinung gegen den Krieg zu wenden.

Originalartikel:
www.socialistworker.co.uk/art.php?id=27840
Übersetzt von Linkswende.


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