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Krieg | Imperialismus | USA | Afrika
April - 2012 Kony 2012 ist eine sehr erfolgreiche Internetkampagne, die eine militärische Intervention des Westens in Uganda einfordert, um den Warlord Joseph Kony zu fassen. Auf Vimeo wurde das Video binnen drei Wochen 17 Millionen mal, auf Youtube 80 Millionen mal gesehen. In Afrika, besonders in Uganda, ist es verhasst. In Lira, 200 Kilometer nördlich der ugandischen Hauptstadt Kampala, leben viele der Opfer der Lord‘s Resistance Army (LRA) von Joseph Kony. Eine geplante Vorführung des Videos »Kony 2012« musste dort unter den Zornesrufen und Steinwürfen des zornigen Publikums abgebrochen werden. Unter den Zusehern waren viele, die von der LRA verstümmelt und traumatisiert wurden. Die Vorführung hinterließ den Eindruck, dass »Kony 2012« definitiv nicht für afrikanisches Publikum gemacht wurde. Es ist nicht sensibel den Opfern gegenüber und es riecht zu sehr nach Neokolonialismus. Es wendet sich vornehmlich an westliches Publikum und es schafft eine positive Stimmung für »Humanitäre Militärinterventionen«. Das Video zeigt das Schicksal von Kindersoldaten, wie sie zu Tausenden von der LRA entführt werden und berichtet über die Gräueltaten, zu denen die Kinder gezwungen werden. Invisible Children, die Macher des Videos, werden gezeigt wie sie feiern, als Präsident Obama die Entsendung von 100 US-Militärberatern bekannt gibt – am 14. Oktober 2011, zwei Jahre nachdem Konys Einheiten von der ugandischen Armee aufgerieben und die verbliebenen Soldaten aus Uganda vertrieben wurden. Dazu hört man: »Es war das erste Mal in der Geschichte, dass die USA in dieser Weise aktiv wurden, weil das Volk es verlangte – nicht zur Selbstverteidigung, sondern weil es richtig war.« Man muss sich fragen, warum die US-Regierung zwei Jahre nach der Niederlage der LRA aktiv wurde und auf die Videokampagne »Kony 2012« reagierte. Zunehmende US-Interessen in Afrika, zum Teil wegen der Konkurrenz mit China, führten 2008 zur Schaffung des »United States Africa Command« (Africom). Es hat aber große Probleme: Beispielsweise hat sich etwa noch immer kein Staat in Afrika gefunden, der bereit wäre das Hauptquartier des Africom aufzunehmen – weshalb es zunächst in Deutschland stationiert ist. Im Jahr 2010 hat die US-Regierung speziell zur Förderung einer Intervention den »LRA Disarmament and Northern Uganda Recovery Act« unterzeichnet (den LRA-Entwaffnungs- und Norduganda-Erholungs-Gesetzesakt). Im Oktober 2011 verschaffte der Sieg der NATO-Truppen über Gaddafis Armee in Libyen der diskreditierten Vorstellung von humanitären Militärinterventionen neuen Rückenwind – den die US-Regierung umgehend nutzte. Ob die Aktivistinnen und Aktivisten von »Kony 2012« bewusst US-Imperialismus unterstützen oder ob sie lediglich in etwas hinein gestolpert sind, können wir nicht beurteilen. Eine Betrachtung der Geschichte Afrikas (insbesondere jene Somalias) würde jedem unvoreingenommenen Beobachter klarmachen, dass die US-Armee den Menschen in Uganda genauso wenig Hilfe bringen wird, wie sie den Menschen in Somalia, Irak oder Afghanistan Gutes getan hat. Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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