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Protest | Staatsgewalt | Krieg | Revolution | Nahost-Konflikt | Syrien

April - 2012    
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Aleppo, die größte Stadt Syriens, entgleitet der Kontrolle des Regimes immer mehr.

Die Revolution breitet sich aus



Die täglichen Demonstrationen der Studierenden an der Universität von Aleppo haben sich längst auf die Mittelklasseviertel und die Arbeiter- und Arbeiterinnenklasse-Nachbarschaften in den Vororten der Industriestadt ausgeweitet. Sogar von Streiks in der Hauptstadt Damaskus wird berichtet.

Seit dem mörderischen Angriff auf die Stadt Homs häufen sich auch die Desertationen, denen sich zuletzt auch christliche Offiziere angeschlossen haben. Die Berichte über Soldaten, die sich weigern auf die Leute zu schießen bzw. ihre Waffen gegen ihre Vorgesetzten richten, häufen sich. Die Deserteure sammeln sich in der »Freien Syrischen Armee«, die die Armee und die Regierungsmilizen mit Waffengewalt bekämpft. Die Stärke der FSA ist schwer einzuschätzen, sie wächst aber eindeutig. Andererseits beteiligen sich immer mehr Frauen, Musliminnen aber auch Christinnen, am Aufstand. Nicht nur bergen und versorgen sie Verletzte und schmuggeln Medikamente und Nahrung in belagerte Gebiete, in Homs oder Banias haben sie sogar rein weibliche Demonstrationen organisiert. Frauen wie Suhair Attasi oder Razan Zeitouneh gehören zu den Anführerinnen des Aufstands.

In den kurdischen Gebieten an der türkischen Grenze so wie in den palästinensischen Flüchtlingslagern formiert sich ebenfalls Widerstand gegen das Regime. Gleichzeitig intensivieren sich die blutigen Aktionen des Diktators, während der Westen verzweifelt auf seine Chance wartet, die Revolution für sich zu nutzen. Denn zwei Tatsachen sind unzweifelhaft: Erstens, der Aufstand ist getragen vom originären Wunsch der Bevölkerung nach Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und Würde. Und zweitens: Syrien, nahe den Ölquellen sowie zwischen Iran und Israel gelegen, wäre eine unwiderstehliche geostrategische Beute für USA und NATO.

Der Hebel des Westens



Da eine direkte Intervention bisher nicht möglich war, ist der Hebel des Westens und der konterrevolutionären Golf-Königreiche der nach libyschem und irakischem Vorbild gebildete »Syrische Nationalkongress« (SNC).

Der von Exil-Syrern gebildete Kongress wird in Syrien inzwischen von den meisten als Werkzeug Saudi-Arabiens und Katars gesehen, die schon die Revolution in Bahrain niedergeschlagen haben.

Ein zweiter Vorstoß kommt von NATO-Mitgliedsstaat Türkei. Ministerpräsident Tayyip Erdogan macht Stimmung für eine Pufferzone in Syrien im Grenzbereich zur Türkei, die vornehmlich die Flucht der bedrängten Zivilbevölkerung erleichtern soll. Aber eine Pufferzone würde genauso wie ein Korridor nach Aleppo nur mit Kampfflugzeugen zu haben sein – mit denselben Folgen wie in Libyen, einem echten Krieg. Im Falle Syriens fällt den westlichen Eliten die Grausamkeit des syrischen Regimes wie ein Geschenk in den Schoß. Militärische Interventionen, egal unter welchem Vorwand, müssen wir weiter standhaft ablehnen.

von Tom D. Allahyari

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