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Februar - 2012 (Di. 14.02.12)
Im Weltbild der Konservativen wird das häusliche Glück als Keimzelle einer »gesunden« Gesellschaft und Rückzugsort gegen alles Böse in der Welt draußen inszeniert. Spiegelbild dazu sind radikal-feministische Theorien des Patriarchats, die in der Unterdrückung der Frau durch die Institution Familie die Wurzel aller anderen Formen der Unterdrückung sehen. Beiden gemeinsam ist, die Familie als losgelöst von gesellschaftlichen Entwicklungen und über der Geschichte stehend zu betrachten. Wie sollen aber Sozialistinnen und Sozialisten die Familie verstehen?
Die unentgeltliche Hausarbeit und Kindererziehung, die im Rahmen der Familie geschieht, ist enorm wichtig für den Kapitalismus, indem hier die Reproduktion menschlicher Arbeitskraft geschieht: Arbeiter und Arbeiterinnen müssen ernährt werden und sich ausruhen können, um am nächsten Tag wieder produktiv zu sein, und die nächste Generation von Arbeitskräften muss über Jahre hinweg aufgezogen werden, bevor sie für das Kapital einsetzbar wird. Durch die Institution Familie wird ein Großteil der objektiven Kosten dieses Prozesses von den Arbeitern und Arbeiterinnen selbst getragen, das Kapital erhält die menschliche Arbeitskraft unter seinem eigentlichen Preis zur Verfügung gestellt. Unzureichende Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen führen dazu, dass vor allem Mütter oft zur Teilzeitarbeit gezwungen sind, was den Einkommensunterschied zwischen den Geschlechtern verschärft. Die Motivation des Einzelnen, eine Familie zu gründen, ist selbstverständlich eine andere. Menschen hoffen, hier Geborgenheit und Anerkennung zu finden, die ihnen im Berufsleben verwehrt bleiben. Im Kontrast zur Fremdbestimmung und Entfremdung am Arbeitsplatz erscheint das Großziehen eigener Kinder als sinnstiftend. Erschreckend oft ist aber die Realität eine ganz andere. Die Familie so wie wir sie heute kennen ist eng verknüpft mit der Gesellschaft in welcher wir leben. Die vorindustrielle Familie war zugleich Produktionseinheit. Eine klare Trennung in Erwerbstätigkeit, bezahlt und außerhalb des Hauses, und häusliche Tätigkeiten zur Reproduktion, konnte sich erst entwickeln, als sich mit dem Aufstieg des Kapitalismus Erwerbsarbeit und Reproduktion räumlich getrennt waren. Die heutige Form der Familie ist also ein Produkt des Kapitalismus, das untergehen wird, wenn der Kapitalismus selbst überwunden wird. In einer sozialistischen Gesellschaft werden ökonomische Abhängigkeiten und Zwänge keine Rolle mehr spielen und Menschen zum ersten Mal wirklich frei entscheiden können, mit wem und wie sie zusammenleben wollen. von Jakob Steixner Weiterführende Artikel:
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