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Österreich | Staatsgewalt | Rassismus | Rechtsextremismus | WKR-Ball

Februar - 2012    
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Es ist ein bekanntes Spiel: Kaum wird sie wegen ihrer rechtsextremen Umtriebe in die Enge getrieben, stellt sich die FPÖ als Opfer einer medialen und politischen Hetze dar. Doch dieses Manöver wird angesichts häufiger werdender rechter Gewalt mit unmittelbarem Zusammenhang zur FPÖ immer absurder, meint Hannah Krumschnabel

Opfermythos: Als Strache sich nach seiner Aussage, er und seine FPÖ-Kameraden seien verfolgt wie »die neuen Juden«, auf Facebook zu rechtfertigen versuchte, beschuldigte er die »Gewaltexzesse« eines »gewaltbereiten linken Mob[s] « und ortet Tendenzen hin zu einer neuen »Reichskristallnacht«. Unter anderem behauptete er, dass gegen die Ballbesucher Schlagringe zum Einsatz kamen.

Fakt: Der pensionierte SPÖ-Bundesrat Albrecht Konecny wurde am Nachhauseweg von einer Gegendemonstration gegen den WKR-Ball von einem Neonazi vor den Augen untätiger Polizisten brutal niedergeschlagen (siehe erstes Foto). Der 70-Jährige musste mit einem zerschlagenen Gesicht und Prellungen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Behauptungen der FPÖ, das wären wohl »Anarchos« gewesen, sind vollkommen haltlos. Durch einen Schlag mit dem Schlagring drückte sich ein darauf eingeprägtes Neonazi-Symbol auf der Stirn des Angegriffenen ab. Weiters erkannte Konecny auf der Mütze des Schlägers Runen. Und nicht zuletzt prahlen seitdem Ballbesucher in einschlägigen Internetforen mit der »Heldentat«, behaupten den Täter zu kennen bzw. gesehen zu haben wie »die alte rote Sau (…) gespritzt [hat] «.

Inzwischen läuft gegen die Polizisten eine Anzeige. Unter Druck suchen sie nun auch aktiv nach dem Täter – im rechtsextremen Milieu.

Opfermythos:
Novemberpogrome. Strache-Zitat in ZIB2 vom 31.1.: »Diese totalitären Massenpsychosen, die damals passiert sind, [sind] auch dort [auf dem Weg zum WKR-Ball, Anm. ] von den Besuchern erlebt worden … Jetzt kann man sich vorstellen, welches Leid diese Menschen damals erleiden mussten. … Sogar Tote wären möglich gewesen!« 1

Fakt: Nur wenige Demonstranten kamen so nahe an die Burschenschafter heran, dass sie diese beschimpfen konnten. Um die 8000 waren am Heldenplatz und ca. 200 haben eine Zufahrt blockiert. Die Novemberpogrome vom 9. Oktober 1938 dagegen wurden von der Nazipartei organisiert, von SA und SS ausgeführt und kosteten 400 Juden und Jüdinnen das Leben und brachten 30.000 in die Konzentrationslager.

Opfermythos: Strache aber stellt sich als »aufrechten Demokraten« dar, die Aktionen gegen den WKR-Ball als »demokratisch gefährliche Entwicklungen«.

Fakt: Das demokratische Recht zu demonstrieren, wird von den Anhängern der Rechten allerdings nicht geachtet. Ein antifaschistisch engagierter, 17-jähriger Junggewerkschafter erhielt im Zusammenhang mit den Gegenmobilisierungen zum WKR-Ball einen mit Hakenkreuzen »verzierten« Drohbrief: »Hör auf gegen Rechts kämpfen!!!! Heil Hitler – es hat Konsequenzen« 2 ist darauf zu lesen (siehe zweites Foto). Die Drohung wurde dem jungen Mann direkt zu seiner Wohnung geliefert.

Opfermythos: Strache behauptet weiters in seiner Facebook-Nachricht, im Gegensatz zu den Linken seien die Ballbesucher »friedlich«.

Fakt: Der Journalist Franz Witzmann wurde beim Versuch, die Ex-Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz beim Einzug in die Hofburg zu fotografieren, von Ballbesuchern attackiert und abgedrängt und auch in Folge vielfach beschimpft (siehe drittes Foto). Er beobachtete außerdem, wie Kollegen von wien-TV.org körperlich angegriffen wurden.

Straches Posting und andere Facebook-Kommunikationen, die die Verbindung zwischen Neonazi-Szene und FPÖ beweisen, sind auf bawekoll.wordpress.com zu finden.

Quellen:

1) news.orf.at/stories/2102605/2102606/
2) derstandard.at/1326504076648/Neonazi-Drohbrief-an-Junggewerkschafter


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