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Österreich | Protest | Bildung
Februar - 2012 (Di. 14.02.12)
Ein neuer Selektionsmechanismus soll die Unis vor zu vielen Studierenden »schützen«. Judith Litschauer beleuchtet die Auswirkungen und berichtet vom ersten sich regenden Widerstand.
Ende Jänner war es für viele aus – der Traum vom Studieren. Oft hat ein einziger Punkt, eine einzige Prüfungsfrage darüber entschieden. Die Studieneingangs- und Orientierungsphase, kurz STEOP, hat die Lizenz zum Träume zerstören. Sie hat den Studienbeginn drastisch verändert: Gerade erst zum Studieren nach Wien gezogen, ist man eigentlich noch damit beschäftigt sich in der neuen Umgebung zu orientieren, die erste eigene Wohnung zu finden und sich an das Uni-Leben und die bürokratischen Abläufe zu gewöhnen. Man sammelt die ersten Erfahrungen im neuen Lebensabschnitt. Zu diesen Erfahrungen gehört auch – geht es nach den Macherinnen der STEOP – dass der Traum schnell zu einem Albtraum wird, ein enormer Druck aufgebaut wird und alles – wirklich alles – an einer einzigen Prüfung hängt. Dazu kommt, dass die Selektion ärmere und bildungsfernere Schichten, also Studierende, deren Eltern keine Akademiker sind, vermehrt treffen wird: Für sie ist das Uni-Leben komplettes Neuland. Sind sie in eine schlechtere Schule gegangen, weil ihre Eltern sich nicht mehr leisten konnten, kann der Wissensrückstand das Aus bedeuten – denn nach acht Wochen Studium findet die alles entscheidende Prüfung statt. Hat man mit Prüfungsangst zu kämpfen, steigt der Druck noch mehr. Laut Universitätsgesetz dient die STEOP »der Orientierung über die wesentlichen Studieninhalte und nicht als quantitative Zugangsbeschränkung«. Klingt am Papier super. Die Erfahrungen vieler Studierender weisen aber in die entgegengesetzte Richtung. Sie sehen die Prüfungen gleich zu Studienbeginn als ernstzunehmendes Hindernis, nicht als Hilfestellung. Und so haben sich betroffene Studierende schon unter dem Motto »STOP STEOP« zusammen geschlossen, um gemeinsam etwas gegen diese Missstände zu unternehmen. Als ersten Schritt fordern sie zumindest einen dritten Prüfungsantritt, eine prüfungsfreie Orientierungsphase und faire Prüfungen statt Knock-Out. Doch die STEOP ist nur die Spitze eines Eisbergs: Am Spiel steht die Ausrichtung der gesamten Bildung. Die STEOP ist Vorreiterin für weitere Verschärfungen. Sie ist nur ein Glied in der Kette der neoliberalen Umstrukturierung der Unis: Die geplante Studienplatzfinanzierung wird weitere Zugangsbeschränkungen bringen ohne an der finanziellen Situation irgendetwas zu verbessern. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle machte erst kürzlich in einem Interview mit dem Magazin »News« klar: »Der Staat soll mitreden, wie viele Studienplätze finanziert werden. Die Uni soll entscheiden, wie sie die Leute auswählt.« Deshalb ist es wichtig sich nicht auf dieses eine Thema zu beschränken und sich so in einem Nischenkampf zu isolieren, sondern die Proteste gegen die STEOP als Teil eines breiteren Kampfs zu führen. Das allgemeinere Problem dahinter, nämlich die systematische Unterfinanzierung der Unis um Zugangsbeschränkungen und Elitenbildung durchzusetzen, muss deutlich angesprochen werden. Nur mit einer möglichst breiten und großen Mobilisierung besteht die Chance ausreichend Druck aufzubauen um erfolgreich für Verbesserungen auf mehreren Ebenen zu kämpfen. Das bedeutet keineswegs, dass nicht an einem Glied der Kette, beispielsweise der Forderung nach einem dritten Antritt für STEOP-Prüfungen, angesetzt werden kann, solange dabei die gesamte Kette nicht aus den Augen verloren wird. Es wäre ein wichtiger erster Erfolg im Kampf für bessere Bildung. Die Angriffe der Regierung auf uns Studierende, allen voran die STEOP, führt auch zu einer Individualisierung der Probleme und Vereinzelung der Studierenden. Umso wichtiger ist es den Widerstand, der sich schon regt, auf eine größtmögliche Basis zu stellen. www.stopsteop.eu STEOPSTudienEingangs- und OrientierungsPhase
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