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Februar - 2012 (Di. 14.02.12)    
       


Fahnen der Fußballclubs Zamalek und Ahly zusammen genäht. Üblicherweise Rivalen, Heute nicht.
© Sarahcarr

Judith Orr berichtet vom Jahrestag der ägyptischen Revolution aus Kairo.

Der erste Jahrestag der ägyptischen Revolution stellt einen Wendepunkt im Kampf dar. Er fiel in die erste Sitzungswoche des neugewählten Parlaments. In den Wochen hin zum 25. Januar betrieb der Oberste Rat der Streitkräfte (SCAF) Angstmache. Es wurde behauptet, dass Ägypten an diesem Tag in Flammen aufgehen würde, dass Leute in Gefahr laufen würden erstochen und erschossen zu werden, dass dieser Tag in Massengewalt enden würde.

Aber die Leute ließen sich nicht einschüchtern. Am 25. Jänner kamen überall in Ägypten mehr Leute auf die Straßen, als an irgendeinem bisherigen Punkt der Revolution. Zwei Tage später strömten wieder Hunderttausende auf die Straßen zum Jahrestag des »Tag des Zorns«. Die vorherrschenden Sprechchöre richteten sich gegen den Militärrat, von dem sich die Menschen die Revolution zurückholen wollen.

Spannungen



Auch Unmut gegenüber dem neu gewählten Parlament trat zu Tage. Dieser äußerte sich in außergewöhnlichen Szenen auf Kairos Tahrir-Platz während den Demonstrationen der letzten Wochen. Redner der Moslembruderschaft wurden verhöhnt und die Menschenmenge hielt ihnen als Ausdruck der Abscheu ihre Schuhe entgegen. Sie werfen der Bruderschaft vor, die Revolution verraten zu haben und mit dem Militär zu kollaborieren. Der Wahlsieg der Muslimbruderschaft ist Ausdruck ihrer starken Verwurzelung und weitreichenden Unterstützung, stellt sie jedoch vor allerlei Widersprüche.

Manche warfen während der Demonstration am Freitag sogar aus Wut ihre Schuhe und marschierten barfuß weiter. »Das ist eine Revolution, kein Fest«, skandierten sie. Ein Sprecher versuchte die Menge zu beruhigen, mit Losungen, dass alle Ägypter »eine Hand« wären. Er sagte, »Wir müssen wieder so werden, wie wir waren«. Die Menge brüllte zurück: »Wir werden niemals wieder so werden, wie wir waren«. Als die Bruderschaft Verse aus dem Koran spielte, um die Menge zu beruhigen, ging ein Demonstrant zur Lautsprecheranlage und zog den Stecker. Das ist noch nie dagewesen.

Krise



Ägypten steckt inmitten einer schweren Wirtschaftskrise. Der Großteil der Lebensmittel wird importiert und in US-Dollar bezahlt. Der einzige Ausweg aus dieser Zwickmühle ist es, den Reichtum neu zu verteilen, die Schuldenrückzahlungen an den Internationalen Währungsfond (IWF) einzustellen – und die Reichen zu besteuern. Die Forderung nach Verstaatlichung war niemals stärker. Die Menschen wollen sich das zurückholen, was ihnen rechtmäßig zusteht.

Innerhalb der Führung der Bruderschaft herrscht Uneinigkeit was zu tun ist. Zwischen der Führung und der Basis werden die Gräben tiefer. Das bedeutet, dass die Situation unberechenbar ist. Die Märsche letzte Woche waren wichtig und bezogen weitere Menschen in den Kampf ein. »Der Tahrir-Platz ist wichtig – wir wollen diesen Platz nicht verlieren – aber ihn zu halten, garantiert nicht den Sieg«, sagt Dina, eine sozialistische Aktivistin. »Das ist der Grund warum die Losung ‚Fabrik und Platz sind eine Hand‘ so wichtig ist.«

Ein Mitglied der Revolutionären Sozialisten Ägyptens sprach über die Wirkung der Arbeiterbewegung: »Letzte Woche streikten die Hafenarbeiter. Sie blockierten die Hauptverkehrsstraße. Tausende von Arbeitern gingen auf die Straße und riefen Parolen gegen SCAF. Viele dieser Arbeiter beteiligten sich an Streikwellen im August und September und erreichten Zugeständnisse. Aber diese Zusagen wurden bis jetzt nicht erfüllt. Deshalb glaube ich, dass wir in den nächsten Wochen weitere Aktionen von Arbeitern sehen werden.«

Der Einsatz ist hoch. Die Menschen haben erlebt, wozu das neue Regime bereit ist, um die Revolution zurückzuhalten. Das ist der Grund, warum der Missmut gegenüber dem Militär so stark geworden ist. Die Sozialisten haben immer gesagt, dass das Volk die Welt und damit gleichzeitig sich selbst verändern würde. Das ist es, was in Ägypten passiert.

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