Vergessene Geschichte 25: Die Barbareskenkriege 1801-1815

Februar - 2012
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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verloren die Vereinigten Staaten von Amerika durch ihre ersten Kriegseinsätze auf fremdem Territorium ihre Unschuld. Die Kriege gegen die Mittelmeer-Piraten begannen als Einsatz für sichere Handelsrouten. Mittelfristig ebneten sie den europäischen Kolonisatoren den Weg nach Nordafrika. Die spanische »Reconquista« und das Aufstreben der italienischen Handelsstädte Genua und Venedig führten im 15. und 16. Jahrhundert zu einer Dominanz der europäischen Mächte im Mittelmeer. Von Marokko bis Tripolis hatten sich um 1550 verschiedene nordafrikanische Territorien vom Osmanischen Reich losgelöst und lebten nicht unwesentlich von Piraterie und Tributforderungen.

Mittelmeer-Piraterie



Die so genannten Korsaren tätigten in den folgenden drei Jahrhunderten ausgedehnte Raubzüge auf Handelsschiffe im westlichen Mittelmeer – sie zogen teilweise sogar im Atlantik bis an die Küsten Großbritanniens, Irlands und Islands. Selbst große Seemächte wie Großbritannien, Spanien oder Frankreich zahlten Tribut um ihre Handelsrouten offen zu halten. Ihren Feinden galten die Barbareskenstaaten »völkerrechtlich« als Piratenstaaten und waren damit von den Regeln des zwischenstaatlichen Kriegsrechts ausgenommen.

Die noch junge USA (unabhängig seit 1776) unter Präsident George Washington war von der Piraterie besonders stark betroffen. Als die ehemaligen Kolonien Nordamerikas noch Teil des britischen Empire waren, waren ihre Handelsschiffe noch relativ sicher – sie segelten unter der britischen Flagge. Doch mit der Unabhängigkeit waren US-Handelsschiffe angreifbar geworden. Ende des 18. Jahrhunderts wurden sie vermehrt zu Angriffszielen der Korsaren, auch aufgrund der Blütezeit des amerikanischen Mittelmeerhandels. Jüngsten Schätzungen zufolge liefen seit 1776 jährlich mehr als 80 Schiffe mit mediterranem Kurs aus. Anfangs verfolgte man noch die Politik der Tributzahlungen, ein permanenter Unterhalt einer Kriegsflotte erschien nicht finanzierbar.

Erster Barbareskenkrieg



1794 begannen die USA mit dem Aufbau der Marine. Als Thomas Jefferson 1801 US-Präsident wurde, verweigerte er die Tributzahlungen und provozierte damit einen Krieg. Schon vor der eigentlichen Kriegserklärung aus Tripolis an die Vereinigten Staaten machten sich am 2. Juni 1801 drei US-Fregatten auf den Weg ins Mittelmeer.

Wendepunkt des Krieges, der auch Amerikanisch-Tripolitanischer Krieg genannt wird, war die Schlacht von Derna im April und Mai 1805. Mit der kurzzeitigen Besetzung von Tripolis wehte im Juni 1805 zum ersten Mal eine amerikanische Flagge in der »Alten Welt«. Diese Schlacht ist bis heute in der ersten Strophe der US-Marines-Hymne verewigt: »From the halls of Montezuma to the shores of Tripoli, we fight battles in the air and land and sea.«

Zermürbt durch die Blockade, Angriffe und ausbrechende Hungerunruhen unterzeichnete der tripolitanische Pascha am 10. Juni 1805 einen Waffenstillstandsvertrag.

In den nachfolgenden Jahren konnten sich die USA nicht mehr um das Piratenproblem kümmern. Die britische Royal Navy vertrieb amerikanische Schiffe aus dem Mittelmeer, was im »Britisch-Amerikanischen Krieg« 1812-1814 gipfelte. Nach Ende dieses Konflikts kehrte die US Navy ins Mittelmeer zurück um der Macht der Barbaresken ein für alle Mal ein Ende zu bereiten.

Zweiter Barbareskenkrieg



Nach Beendigung der Napoleonischen Kriege hatten auch die europäischen Mächte genügend Kapazität sich der Barbareskenstaaten anzunehmen. Der Erfolg des Zweiten Barbareskenkriegs wäre wohl ohne den Kriegseinsatz einer englisch-holländischen Flotte, die die gesamte algerische Korsarenflotte versenkte, nicht nachhaltig gewesen.

Die Barbareskenkriege bedeuteten nicht nur die Gründung der US Navy und den Beginn einer 200-jährigen Geschichte von US-geführten Kriegen. Sie bedeuteten auch das Ende der Mittelmeerpiraterie, die spätestens durch das Aufkommen moderner, eiserner Kriegsschiffe Mitte des 19. Jahrhunderts für immer Geschichte bleiben wird. Das Konzept von Schurkenstaaten, Versuche von Regimechange und der Einsatz von Söldnerarmeen sind ebenfalls Neuerungen der Barbareskenkriege.

Die Barbareskenkriege waren schlussendlich auch das Vorspiel zur Kolonisierung Nordafrikas. Algerien (1830) und Tunesien (1881) wurden französische Kolonien, während Tripolis 1835 wieder unter die Kontrolle des osmanischen Reiches fiel und 1911 italienische Kolonie wurde. Marokko wurde 1912 in ein spanisches und ein französisches Protektorat aufgeteilt.

von Daniel Harrasser

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