|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|||||||||
|
|||||||||
|
Februar - 2012 (Di. 14.02.12)
Finanzkapital ist so alt wie Kapitalismus selbst. Verteidiger von Kapitalismus wollen den Imageschaden für das ganze kapitalistische System begrenzen, wenn sie Finanzkapital als ein von der Realwirtschaft losgelöstes Phänomen präsentieren. Sie reden davon, zu jenen Zeiten zurückzukehren, als Kapitalismus noch nicht von der Finanzwirtschaft »übernommen« wurde.
Richtig ist, dass der Finanzsektor auf ein ungeahntes Ausmaß angewachsen ist. Falsch ist, dass die Krise überwunden wäre, sobald die böse Finanzwirtschaft und die gute Realwirtschaft wieder in Harmonie sind. Die Finanzwirtschaft ist ein Teil der Realwirtschaft, der notwendigerweise existiert um den enormen Geldbedarf des Kapitals abzudecken. Nur schaffen die Banken, Börsen oder Hegefonds selbst keine Werte. Arbeiterinnen und Arbeiter schaffen mit ihrer Arbeit in Landwirtschaft, Fabriken oder Büros jene Werte, welche ihre Bosse dann auf den Märkten verkaufen können. Ausbau der Produktion und Verbesserung der Produktionsmittel erleichtern es den Kapitalisten Arbeitskräfte auszubeuten. In Perioden eines Aufschwungs scheinen sich alle Investitionen zu lohnen und die Vermögen der Besitzenden zu vermehren. Oft sind die dafür benötigten Finanzmittel so groß, dass dafür das traditionelle Geldausleihen nicht ausreicht. Sie verkaufen dann an den Börsen Anteile ihrer hypothetischen zukünftigen Gewinne. Der Handel mit diesen Gewinnanteilen und den unzähligen phantasievoll daraus entwickelten »Finanzprodukten« nennt sich Finanzwirtschaft. Kapitalisten investieren nur dann in die Entwicklung der Produktion, wenn sie sich Profite versprechen. Wenn Investitionen allerdings immer weniger Profite abwerfen, dann zögern die Kapitalisten in die eigenen Produktionsmittel zu investieren. Profitrate nennt sich der verbliebene Gewinn, den eine Investition nach Abzug aller Kosten abwirft. Profitraten haben, wie Marx entdeckt hat, »die Tendenz zu sinken«. In Perioden niedriger Profitraten versuchen die Unternehmen ihre Gewinne stärker als üblich in der Finanzwirtschaft zu vermehren. Es fließen dann gigantische Summen in spekulative Projekte und steigern deren Werte ins Astronomische. Dabei entstehen Finanzblasen, das heißt die gehandelten Werte gehen weit über die reellen Werte hinaus. Im Jahr 2005 betrugen die Finanzwerte weltweit 316% des (jährlichen) Weltsozialprodukts, 1980 lag ihr Wert nur bei 109%. Mit anderen Worten: Seit Beginn der 1980er Jahre ist der Finanzsektor etwa drei bis vier Mal so schnell gewachsen wie die »Realwirtschaft«. Dazu hat die Deregulierung und Niedrigzinspolitik Anfang der 1980er Jahre einen großen Beitrag geleistet, doch die eigentliche Ursache dafür lag im Funktionieren von Kapitalismus selbst. Die Finanzwirtschaft wird wie schon gesagt, durch die Gewinne aus der »Realwirtschaft«, die nach neuen Anlagemöglichkeiten suchen, angetrieben. Damit Kapitalismus trotz aller Leerläufe und Spekulationsblasen weiter läuft haben sich Staaten unheimlich stark verschuldet. Genauso wurden Privathaushalte animiert sich zu verschulden um den Konsum und damit die Produktion aufrecht zu erhalten. Der Handel mit Schuldscheinen und Derivaten macht inzwischen einen großen Teil des Finanzkapitals aus. Wie beim Handel mit Gewinnanteilen ist das aber kein von der Realwirtschaft losgelöster Wirtschaftszweig, sondern aus der Realwirtschaft, und besonders aus ihren Problemen heraus entstanden. von Manfred Ecker Zum Weiterlesen: Der Fehler liegt im System. Der Finanzsektor steht am Pranger. Volkhard Mosler erklärt in seinen elf Thesen zur Krise, woher die neue Macht des Finanzkapitals kommt. Weiterführende Artikel:
Zu allen Artikeln dieser Ausgabe |
|
|
|||||||
|
|
|||||||||
| Impressum |
linkswende@linkswende.org
0650/45 22 473 |
||||||||