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Februar - 2012 (Di. 14.02.12)    
       


In Anbetracht des verfügbaren Raumes, beschränkten sich die Kuratoren darauf, das Thema »Arbeit« schnappschussartig zu behandeln – mit einem gelungenen Ergebnis.

Beim Betreten fällt als erstes der Kunstdruck auf, mit dem die Galerie ausgekleidet ist. Er ist aus mehreren Barockgemälden zusammengesetzt, die eine naive Vorstellung des Paradises ergeben – für den Betrachter nicht zu erreichen und nur aus der Ferne anzusehen. In der Mitte rollen auf einer LED-Anzeige Börsenkurse vorüber, unterbrochen von Aphorismen und Antworten von Besuchern auf die Frage, was sie tun würden, könnten sie frei über ihre Zeit verfügen. Der riesige Schmelzkessel unter dem Börsenticker steht bloß zufällig dort, könnte jedoch nicht passender sein.

Rundherum ist die Ausstellung in sechs Bereiche unterteilt, beginnend mit hand.zeug, ein Anriss über die kulturelle Bedeutung von Werkzeugen, vom Holzstock zum Stempel. So wird etwa auf die symbolische Verwendung von Hammer und Sichel aufmerksam gemacht, die sich auch im österreichischen Bundeswappen wiederfinden. werk.raum behandelt den Arbeitsplatz vom Ort der physischen Arbeit hin zum Büro als Ort der Organisation und Kontrolle. Bei menschen.maß geht es um die Anpassung des Menschen an die Maschine hin zur Ergonomie, in rang.ordnung um Hierarchie und Status, in schweiß.perlen über unbezahlte Arbeit, Gratifikation und Motivation. Der Kreis endet mit not.verband, über Arbeitskrankheiten, Ausbeutung und die Bestrebungen der Arbeiter sich dagegen zu organisieren. Die Ausstellungsstücke sind zwar anekdotenhaft, jedoch geschickt ausgewählt. So findet sich unter den Dokumenten zu Arbeitskämpfen auch ein Antwortbrief des Bundes der Industrieangestellten Österreichs an die Angestellten des Technischen Museums, in denen diesen im Jahr 1920 von einem Streik abgeraten wird. Auf einer Leinwand werden – im wahrsten Sinne des Wortes – schnappschussartig Arbeiterbewegungen abgebildet, die Interesse wecken, mehr über diese herauszufinden, wie etwa über den Wiener Taxifahrerstreik 1933 oder eine Demonstration von Handelsangestellten auf der Mariahilfer Straße 1952. Weiters berichten in einem Video Intensivpflegekräfte über ihren Arbeitsalltag. Dieser Ausstellungsbereich ist recht gewerkschaftsskeptisch, die Ausstellung als Ganzes hat ihr Herz jedoch definitiv am linken Fleck.

Über die Ausstellung verteilt sind zum einen Globen, die Migration, Kinderarbeit, Armut oder Ausbeutung von Bodenschätzen darstellen. Zum anderen sind acht Personen, wie Personalmanager, Tapeziererlehrling und Billakassiererin zu hören, die über ihren beruflichen Werdegang erzählen, über ihre Vorstellung des Paradieses und ihre Meinung zum Grundeinkommen. In einer Meinungsumfrage kann man seine Ansichten über das Wirtschaftssystem mit denen anderer Ausstellungsbesucher vergleichen.

Das Technische Museum ist für seine Ausstellungsstücke zum Ausprobieren bekannt und auch dieses Mal hat man sich einiges einfallen lassen. Der Bereich für Kinder enthält mehrere Stationen in denen man die verschiedenen Facetten der Arbeitswelt durchs Ausprobieren erfahren kann, wie etwa Akkordarbeit oder wie sich unterschiedliche Kaufkraft auf die Lebenssituation auswirkt.

Auf derselben Ebene befindet sich eine weitere, empfehlenswerte Ausstellung über Gegenstände des Alltags, in der man unter anderem erfährt, wie die Rationalisierung in der Industrie im Privathaushalt Einzug gehalten hat, und dass der Erste Weltkrieg selbst am Christbaum seine Spuren hinterließ.

IN ARBEIT
bis 24.6.2012 im Technischen Museum Wien
14., Mariahilfer Straße 212
www.technischesmuseum.at

von Peter Herbst

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