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BAGS-KV: »Ohne Kampfmaßnahmen geht nichts mehr«

Fr. 03.02.12    
       


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Protestmärsche nach gescheiterten KV-Verhandlungen



»Ich fühle mich total ausgebeutet. Momentan bin ich in der Nachmittagsbetreuung mit zwei schwer verhaltensauffälligen Kindern in der Gruppe total überfordert. Ich bin für 25 Kinder zuständig, meine Kollegin ist krank und ich habe keine Aushilfe.« So beschreibt ein ausgebildeter Lehrer seine derzeitige Tätigkeit als Nachmittagsbetreuer. Einige umstehende Kolleginnen und Kollegen aus der Kinder-, Jugend und Behindertenbetreuung mischen sich ein. Sie erzählen von ihrem Alltag, der sie an ihre psychischen und körperlichen Grenzen bringt.

Soziale Arbeit ist unterbezahlte Arbeit. Der Kollektivvertrag (KV) regelt die Mindeststandards. Nachdem auch die letzte KV-Verhandlungsrunde mit der Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesundheits- & Sozialberufe (BAGS) Mitte Jänner scheiterte, mobilisierten die Gewerkschaften GPA-djp und vida österreichweit zu Betriebsversammlungen und am 1. Februar zu Protestmärschen in Wien, Linz, Graz und Klagenfurt, an denen insgesamt über 6.000 Menschen teilnahmen.

Das Angebot der Arbeitgeberseite orientierte sich am KV-Abschluss der Beamten von 2,95 %. Die Inflationsrate betrug 2011 3,3 %, für Dinge des täglichen Bedarfs lag sie bei 3,8 %, für Miete, Strom und Gas bei 5,8 %. Dieses Angebot würde also einen Reallohnverlust für die Sozialdienste bedeuten, der Entlohnung bereits jetzt 17 % unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt liegt. Deshalb wird von Gewerkschaftsseite ein KV-Plus von 4,1 % gefordert.

Die Demonstration in Wien sammelte sich vor der Zentrale der GPA-djp am Alfred-Dallinger-Platz und zog dann vor das Büro der BAGS. Dort angekommen, wurden weitere Forderungen gestellt, wie die Erhöhung des Kilometergeldes, eine verbesserte Anrechnung von Vordienstzeiten, die Berücksichtigung von Eltern- und Hospizkarenz bei Vorrückungen im Lohn- und Gehaltsschema und die Bezahlung der tatsächlich geleisteten Dienstzeiten anstatt bloß der im Vertrag angegebenen. Die Arbeitergeber, die so oft auf die Bedeutung der Sozial- und Pflegeberufe hinweisen, »sollen sich an ihren eigenen Worten orientieren und sich um eine angemessene Bezahlung kümmern«, wurde wiederholt gefordert.

Mit dabei waren auch Beschäftigte der Caritas, deren eigene KV-Verhandlungen ins Stocken geraten sind. Eine Beschäftigte in der mobilen Betreuung verglich ihre jetzige Arbeit mit ihrer vorherigen Beschäftigung in der Industrie: Während sie dort angelernt war und einen fixen Arbeitsplatz hatte, absolvierte sie für jetzige Tätigkeit eine mehrmonatige Ausbildung und ist bei Wind und Wetter unterwegs. Aber sie verdient weniger und hat eine höhere Arbeitsbelastung.

Die Verhandlungen mit der BAGS werden am 20. Februar fortgesetzt, die mit der Caritas am 22. Februar. Die Einsichtsfähigkeit der Unternehmerseite wird von Gewerkschaftsseiten als gering eingeschätzt und man hält es für gut möglich, bald wieder auf der Straße zu stehen. Eine GPA-djp Funktionärin beklagt: »Heuer stocken viele KV-Verhandlungen. Ich habe den Eindruck, dass ohne Kampfmaßnahmen gar nichts mehr geht. Die Unternehmer wollen es dieses Mal wissen!« Sie befürchtet, dass das nächste Sparpaket wieder die Lohnabhängigen treffen wird und hofft auf starken gewerkschaftlichen Protest. »Die Menschen auf dieser Demonstration sind dazu bereit!«



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