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Jänner/Februar - 2012 (Do. 12.01.12)    
       



Geht es um Kultur, wird häufig eine Trennung in wertvolle »Hochkultur« und minderwertige »Populärkultur« vorgenommen. Diese Trennung zieht sich zwischen, aber auch immer mehr quer durch verschiedene Medien. So kann im Kino zwischen kommerziellen und künstlerischen »Arthouse«-Filmen unterschieden werden. So mancher Jazz-Fan wird diese Musik der Hochkultur zurechnen.

Wie immer man die Unterschiede zwischen sogenannter Hochkultur und »Populärkultur« definieren will, etwa nach Mehrheits- und Minderheitsgeschmack oder nach höherer und niedrigerer Qualität: Am Ende reflektiert diese Unterscheidung die Teilung der Gesellschaft in Klassen. Natürlich ist diese Trennung nicht undurchlässig und natürlich genießen auch viele Arbeiterinnen und Arbeiter z.B klassische Musik.

Welche Position können wir zu dieser kulturellen Klassenteilung einnehmen? Eine Antwort wäre, die Hochkultur, also klassische Musik, Oper, Ballett, Literatur usw. rundheraus als »bürgerlich« abzulehnen und die Populärkultur als Kultur der Arbeiter- und Arbeiterinnenklasse zu feiern. Dagegen spricht erstens, dass die Populärkultur hauptsächlich von den herrschenden Klassen kontrolliert wird, die kein Interesse an Anhebung des kulturellen oder intellektuellen Standards der Lohnabhängigen haben. Zweitens verfällt man so leicht einem rechten antiintellektuellen Populismus. Arbeiter und Linke können von »Hochkultur« sehr wohl profitieren, denn sie kann, auch wenn sie noch so bourgeois ist, das Verständnis der Welt erweitern.

Im letzten Jahrhundert haben es einige Elemente der Populärkultur von unten geschafft, eine Qualität zu erreichen, die sie zur »Hochkultur« erheben, in der Musik sind das Künstler wie John Coltrane, im Film z. B. Charly Chaplin. Eine Sonderrolle nimmt für Linke natürlich die Kunst der sozialen Bewegungen und Revolutionen ein. Man denke an die Musik der schwarzen Befreiungsbewegung in den USA, wie von Nina Simone oder Miles Davis oder an Eisensteins revolutionäres russisches Kino. Diese Kultur spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Widerstand und sozialem Wandel. Doch so inspirierend sie ist: Sie stellt eine Ergänzung der traditionellen oder Hochkultur dar, die wir deshalb nicht zurückweisen sollten.

Die klassische marxistische Position sagt, dass die Arbeiterklasse das beste der bürgerlichen Kultur, soweit im Kapitalismus möglich, für sich vereinnahmen sollte und in einer sozialistischen Gesellschaft bewahren soll. Erst in dieser kann der kulturelle Graben überwunden werden und eine vielfältige aber geeinte, klassenlose Kultur erreicht werden.

von Tom D. Allahyari

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