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Jänner/Februar - 2012 (Do. 12.01.12)    
       


© Jiang Shenglian

Wenn wir im Kapitalismus auf Lösungen warten, die den Klimawandel aufhalten sollen, werden wir ewig warten. In der Klimaproblematik muss die Systemfrage gestellt werden, meint Ludwig Sommer.

Das Scheitern der Klimakonferenz in Durban Ende 2011 ist ein trauriger und bitterer Moment in der Geschichte unserer Zeit. Ende 2012 läuft der völkerrechtlich verbindliche Vertrag des Kyoto-Protokolls aus. Ein weitergehendes Abkommen wäre wichtig gewesen. Durban hat das nicht geschafft. Die Klimakonferenz in Durban hat mit Müh‘ und Not noch einen »Beschluss« zu Stande gebracht, dass 2015 ein richtiger Beschluss verabschiedet werden soll, welcher dann für das Jahr 2020 konkrete und verbindliche Maßnahmen vorsieht. Das ist eine weitere Verzögerung von neun Jahren nach bereits 17 Jahren der Untätigkeit seit der ersten Klimakonferenz (COP1) 1995 in Berlin. Nnimmo Bassey, Umweltschützer und Leiter von Friends of the Earth, sagte dazu: »Das Hinausschieben von wirklichen Maßnahmen bis 2020 ist ein Verbrechen globalen Ausmaßes. Das bedeutet, dass die Welt auf dem Weg zu einem Temperaturanstieg um 4°C ist. Die reichsten 1% der Erde haben entschieden, dass es vertretbar ist die 99% zu opfern.«

Die Konsequenzen des Temperaturanstiegs sind verheerend. Extreme Wetterereignisse wie 2011 die Dürre in Somalia und die Überschwemmungen in Thailand sind dramatische Beispiele. Handlungsbedarf besteht also. Handlungsmöglichkeiten sind ebenfalls vorhanden. Wir haben ein umfassendes Wissen und die Technologie um den Klimawandel zu begegnen. Auch an Handlungsbereitschaft fehlt es nicht, das zeigen die Jahr für Jahr veranstalteten Klimakonferenzen und zahlreiche engagierte Einzelpersonen, die sich mit Leib und Seele für ein Gelingen der Konferenzen einsetzen. Wir haben offensichtlich wichtige Bausteine, doch lassen sie sich derzeit nicht zu einem sinnvollen Ganzen zusammenfügen. Um den Klimawandel angemessen zu begegnen, müssen wir die Systemfrage stellen. Kapitalismus kann das Problem Klimawandel nicht lösen. Die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen erlauben keine Maßnahmen, welche die Klimaerwärmung aufhalten können. Karl Marx formulierte es folgendermaßen: »Après moi le déluge! (Nach mir die Sintflut!) ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation.«

Im Kapitalismus werden Ressourcen geplündert um kurzfristig Gewinne erzielen zu können. Die langfristige Perspektive für unseren Planeten wird immer hintangestellt, wenn die Profitabilität von Unternehmen gefährdet ist. Kosten, beziehungsweise Umweltschäden, werden vergesellschaftet. Durch den Zwang zum Wirtschaftswachstum im Kapitalismus werden diese Prozesse forciert und beschleunigt. Kapitalisten haben die Kontrolle über die Produktionsmittel und damit die Macht eine klimaschädliche Wirtschaftsweise zu verhindern. Sie haben aber bis heute sinnvolle Klimaabkommen blockiert und werden auch in Zukunft nicht plötzlich zu Klimarettern mutieren. Einige unter ihnen spekulieren bereits auf ein Abschmelzen des Nordpols und weite Teile der Antarktis in der Hoffnung sich neue Erdgas- und Erdölvorkommen aneignen zu können. Der Klimaaktivist und Autor Jonathan Neale bringt die Problematik auf den Punkt: »Ich habe schon den Überblick verloren, wie oft Leute aus NGOs und Parteien zu mir sagten, ‚Wir können nicht auf die Revolution warten, um dann etwas gegen den Klimawandel zu tun.‘ Aber ich denke jetzt, dass wenn wir darauf warten, dass deren System den Klimawandel aufhalten soll, warten wir ewig.«

Wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel sind kostspielig und Ausfälle an Profiten sind damit verbunden. Auf der anderen Seite werden dadurch unzählige Arbeitsplätze geschaffen, sogenannte »Green Jobs«. Für die Arbeiterinnen und Arbeiter aller Länder wäre das eine neue industrielle Revolution. Diese würde vielen von uns Arbeit und Würde geben. Aber für die 1% sind das Ausgaben, die sie zu zahlen nicht bereit sind.

Die Klimakonferenzen wurden stets von großen Protesten begleitet. Das weitverbreitete Gefühl, dass nun konkrete Maßnahmen unternommen werden müssen, wird es erleichtern eine Massenbewegung aufzubauen und unterschiedliche Kämpfe zu verbinden. Die Forderung nach sogenannten »grünen Jobs« ist ein gutes Beispiel. Gewerkschaften können die Forderung nach neuen »grünen« Arbeitsplätzen stellen und damit die Regierungen unter Druck setzen. Wir sollten den Kampf zur Rettung unseres Planeten mit Kampagnen für das Recht auf Arbeit und mit Initiativen gegen Sparmaßnahmen verbinden.

Weiterführender Artikel:
  • Südafrika – Klimakonferenz in Durban
    Im Jahr 2010 wurden so viele Treibhausgase wie noch nie ausgestoßen. Dies belegt der jüngste Bericht der Internationalen Energieagentur. Seit dem 28. November findet die Klimakonferenz in Durban…



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