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Wirtschaft | Krieg | Geschichte | USA | Irak | Iran
Jänner/Februar - 2012 (Do. 12.01.12)
Die USA und der Iran haben die Welt durch gegenseitige Drohungen in eine sehr prekäre Lage gebracht. Die Situation ist das Produkt des fehlgeschlagenen Irakkriegs und ein Lehrstück darin, wie der Niedergang einer Supermacht in der Praxis aussieht.
Die jüngste Drohung des iranischen Regimes die Straße von Hormus zu sperren, bedeutet eine neue Qualität in der Auseinandersetzung mit den USA. George Friedman vom renommierten US-Think Tank Stratfor warnt: Sobald die Drohung ernst genommen wird, muss die USA militärisch handeln, da dem iranischen Militär unmöglich die Option des Erstschlags überlassen werden darf. Dasselbe gilt für den Iran; einem Erstschlag gegen iranische Häfen und Abschussrampen muss zuvorgekommen werden. Der iranischen Führung ist die Gefahr natürlich bewusst; sie hat nicht einmal während des achtjährigen Kriegs gegen den Irak (1980 – 1988) die Straße von Hormus gesperrt. Das hätte nur dazu geführt, dass die Westmächte ganz offen auf der Seite Saddam Husseins in den Krieg eingegriffen hätten. Die Straße von Hormus gilt als die Hauptschlagader der Weltwirtschaft. Sie verbindet den Persischen Golf, den Golf von Oman und das Arabische Meer mit den Weltmeeren. 16 bis 17 Mio. Barrel Rohöl durchqueren diese Gewässer täglich – 90 Prozent der Ölexporte des Persischen Golfs, 40 Prozent der weltweiten Ölexporte. Die wirtschaftliche Bedeutung der Meeresstraße für die USA, Europa und Asien ist enorm. Der Iran ist durch die Sanktionen, die der UN-Sicherheitsrat seit 2006 vier Mal verschärft hat, immer weiter in die Enge getrieben worden – sie treffen das Land dort, wo es am empfindlichsten ist: bei der Öl- und Gaswirtschaft. 80 Prozent seiner Haushaltseinnahmen erwirtschaftet der Iran durch Öl- und Gasexporte. Wie ist es dann zu dieser gefährlichen Pattsituation gekommen? Die Antwort liegt im unerwartet schnellen Niedergang der US-Vorherrschaft seit dem Einmarsch in den Irak 2003. 1989, nach dem Untergang des russischen Imperiums blieben die USA als einzige Supermacht übrig und beeilten sich diese Vormachtstellung abzusichern. In der Folge begannen die USA 1991 den ersten Krieg gegen den Irak! Gleichzeitig wurde die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA durch China und die EU zusehends herausgefordert. Das äußerte sich darin, dass die Kontrahenten sich nicht mehr wie gewohnt allen Bedingungen der USA in den Welthandelsrunden beugen wollten und in unabhängigen Handelsbeziehungen mit beispielsweise dem Irak – trotz Embargo. Die USA setzten deshalb noch stärker auf ihre militärische Überlegenheit. Der Einmarsch in den Irak galt China: So drastisch drückte es Henry Kissinger der ehemalige Außenminister der USA aus. Man konnte China und der EU zeigen, dass man alleine durch die militärische Überlegenheit imstande war, deren Erdölversorgung zu kontrollieren. Nur, wo stehen die USA heute? China ist ökonomisch viel stärker geworden als 1989 noch befürchtet wurde und ist inzwischen auch durch seine Raketentechnologie befähigt worden, die US-Flotte von seinen Küstengewässern zu verbannen. Der Iran, den man in die Knie zwingen wollte, anstatt 2001 die ausgestreckte Hand des Regimes zu ergreifen, ist die einflussreichste Fremdmacht im zerstörten Irak und verfolgt weiter seine Atompolitik. Und die EU ist alles andere als ein zuverlässiger Partner geblieben – viel mehr ein Risikofaktor für die Weltwirtschaft. Die Androhung weiterer Sanktionen – ein internationaler Boykott gegenüber der iranischen Zentralbank und ein EU-Boykott von iranischem Öl – ist der Grund für die aggressive Rhetorik rund um die Straße von Hormus und bringt damit die Welt an den Rand eines Kriegs mit katastrophalen Auswirkungen. von Daniel Harrasser Weiterführende Artikel:
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