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Jänner/Februar - 2012 (Do. 12.01.12)    
       


Abdol-Hossein Sardari, Dritter von links

Der iranische Diplomat Abdol-Hossein Sardari wird auch der »iranische Schindler« genannt. Er rettete im Zweiten Weltkrieg rund 2.000 iranische Juden aus dem von den Nazis besetzten Frankreich.

Das kürzlich erschienene Buch »The Lion’s Shadow« von Fariborz Mokhtari beschreibt die Geschichte des muslimischen Diplomaten Adbol-Hossein Sardari, dem Tausende iranische Juden und deren Nachfahren ihre Leben verdanken. Sardari riskierte sein Leben, um im Paris des Zweiten Weltkriegs Tausende vor der Deportation in NS-Konzentrationslager zu retten.

Als die Nazis Frankreich besetzt hatten, träumten viele in und um Paris lebende iranische Juden von einer Flucht nach Teheran. Sich dabei an den jungen iranischen Diplomaten Abdol-Hossein Sardari zu wenden, war oft ihre letzte Hoffnung.

Sardari nutzte seinen Einfluss und seine deutschen Kontakte, um für mehr als 2.000 iranische Juden iranische Personalausweise und Reisedokumente zu besorgen. Diese Dokumente waren notwendig, um sicher durch das von den Nazis besetzte europäische Festland nach Asien zu reisen – eine monatelange Reise, bei welcher die Flüchtlinge ständiger Gefahr ausgesetzt sein würden.

Eliane Senahi Cohanim war sieben Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus Frankreich floh. »Ich erinnere mich, wie mein Vater uns ständig erklärte, dass wir es Herrn Sardari zu verdanken haben, dass wir hier raus kommen. Jene, die ihn nicht als Helfer hatten, wurden gefasst. Niemand hörte je wieder von ihnen.« Über Sardari sagt sie: »Ich glaube er war wie Schindler. Er half den Juden in Paris.« Oskar Schindler war ein deutscher Industrieller, der mehr als 1.000 Juden während des Holocaust rettete, indem er sie in seinen Fabriken beschäftigte.

Sardari verwendete alle ihm zur Verfügung stehenden rechtlichen Tricks um die inneren Widersprüche der nationalsozialistischen Rassenideologie zu nutzen.

Eine Serie von Briefen und Berichten dokumentiert, wie Sardari eine iranische Sekte namens »Djuguten« erfand, die Jünger des Propheten Moses und damit nicht der »jüdischen Rasse« zugehörig seien. Indem er die iranischen Juden als »Djuguten« ausgab, gelang es ihm, dass sie nicht nach den Nürnberger Rassegesetzen behandelt wurden. Dies hatte zur Folge, dass hochrangige »Expertengruppen« in Berlin Untersuchungen zur Frage der Existenz dieser »Djuguten« einleiteten. Im Dezember 1942 bezeichnete der hochrangige Nazi Adolf Eichmann Sardaris Behauptungen als »die üblichen jüdischen Tricks und Tarnungsversuche«.

Dennoch gelang es Sardari weiterhin Menschen zur Flucht aus Paris zu verhelfen – in einer Zeit, in der geschätzte 100.000 in Frankreich lebende Juden in Konzentrationslager deportiert wurden.

Schwierig wurde es für Sardaris Unternehmungen, als Großbritannien und Russland im September 1941 den Iran besetzten. Der Iran unterzeichnete ein Abkommen mit den Alliierten – Sardari wurde die sofortige Rückkehr nach Teheran angeordnet. Es gelang ihm jedoch in Frankreich bleiben zu dürfen. Da er seinen Arbeitsplatz verloren hatte, musste er die Fluchthilfe fortan aus seinem persönlichen Vermögen finanzieren.

Einsames Ende



Sardari wurde Zeit seines Lebens nie für seine Taten geehrt. Er selbst beharrte auf dem Standpunkt lediglich seine Pflicht getan zu haben. Kurz vor seinem Tod verlor er sogar seine Diplomatenrente. Er starb 1981 in London einen einsamen Tod.

Im Jahr 2004 wurde er posthum von jüdischen Organisationen für seine humanitären Heldentaten im Simon Wiesenthal Center in Los Angeles geehrt.

Fariborz Mokhtari, Autor von The Lion‘s Shadow, schreibt: »Hier haben Sie einen muslimischen Iraner, der seine Karriere, sein Eigentum, sein Leben riskiert, um jüdische Iraner zu retten.«

Für Mokhtari illustriert diese Geschichte »die allgemeine kulturelle Neigung der Iraner, tolerant zu sein«, die im gegenwärtigen politischen Klima oft übersehen werde.

von Daniel Harrasser

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