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Jänner/Februar - 2012 (Do. 12.01.12)    
       



Mit der Frage der Einheitsfront beschäftigen sich Marxistinnen und Marxisten aus einem ziemlich banalen Grund: Nur eine Minderheit kann sich im Moment vorstellen, das System des Kapitalismus zu stürzen. Wie kann diese Minderheit der revolutionären Sozialistinnen und Sozialisten nun sinnvoll mit jenen zusammenarbeiten, mit denen sie verschiedene Etappenziele teilt, die im Ganzen aber eine andere politische Linie verfolgen?

Karl Marx und Friedrich Engels erklärten, dass sich Kommunistinnen und Kommunisten nicht separat von den Organisationen der Arbeiterinnen- und Arbeiterklasse organisieren sollten: »Sie haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen.« In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg wuchs aber innerhalb der Sozialdemokratie die sogenannte reformistische Strömung, die meinte, Kapitalismus mit Hilfe von Reformen »stückweise« abschaffen zu können. Kommunisten waren gezwungen, sich in eigenen Parteien zu organisieren, um eine klare Strategie vertreten zu können. Damit stellte sich die Frage: Wie erreichen Revolutionäre jenen Teil der Klasse, der unter Einfluss der reformistischen Organisationen steht? Die schlüssigste Antwort: Indem sie in Zusammenarbeit mit den reformistischen Organisationen die Überlegenheit ihrer Strategie unter Beweis stellen. Daraus ergeben sich die Merkmale der Einheitsfront: Revolutionäre und Reformisten sammeln sich um allgemeine Forderungen. Innerhalb der Einheitsfront können alle uneingeschränkt ihre Politik vertreten und um die richtige Strategie kämpfen. In diesem Kampf sollten die Strategien der revolutionären Partei einen Teil der Reformisten und Reformistinnen von ihrer Politik überzeugen. Die reformistischen Arbeiterinnen und Arbeiter vertrauen aber zunächst der Führung ihrer eigenen Organisation. Deswegen reicht es nicht, die Zusammenarbeit nur mit der Basis zu suchen. Erst in einer Einheitsfront mit der reformistischen Führung kann die ganze Basis mobilisiert und der entscheidende Kampf um die richtige Strategie ausgetragen werden, denn so wird offensichtlich, dass die reformistischen Ideen zu kurz greifen. »Bei Abkommen, die auf revolutionäre Massenaktionen berechnet sind«, schreibt Trotzki rückblickend über die Wochen vor dem Oktober 1917, »gewinnt stets die konsequenteste und kühnste revolutionäre Partei.«

Der Name Leo Trotzkis ist jener, der am häufigsten mit der Taktik der Einheitsfront verbunden wird. Während der russischen Revolution sah er, dass ohne Zusammenarbeit der Bolschewisten mit weniger radikalen Kräften weder die Revolution von Februar 1917 verteidigt, noch jene vom Oktober 1917 gewonnen werden konnte. Später destillierte Trotzki die russischen Erfahrungen in eindringliche Appellen an die deutsche und französische Arbeiterklasse, in denen er versuchte, sie zu einer effizienten Zusammenarbeit gegen die faschistische Gefahr zu bewegen. Trotzki warnte einerseits vor Strategien wie jener der deutschen KP, die eine Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie ablehnte, weil jene »sozialfaschistisch« sei und somit nur wenig besser als die NSDAP. Andererseits sah er es auch als gefährlich an, wie die französische kommunistische Partei in einer Strategie der »Volksfront« immer rechtere und arbeiterfeindlichere Regierungen zu unterstützen. Durch Verfolgung dieser Strategien leisteten die Revolutionäre jener Länder zu entscheidenden Zeitpunkten viel zu schwachen Widerstand.

Die Gefahren uns einerseits zu isolieren und andererseits vereinnahmt zu werden müssen auch wir abwägen, wenn wir entscheiden, in welcher Form und in Zusammenarbeit mit welchen Organisationen die Taktik der Einheitsfront eingesetzt werden soll.

von Tine Bazalka

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