|
|||||||||
|
|
|||||||||
|
|||||||||
|
|||||||||
|
Protest | Staatsgewalt | Krieg | Geschichte | USA | Rechtsextremismus | Demokratie | Griechenland
Dezember - 2011 (Di. 06.12.11) Erstürmung des Polytechnions durch die Armee am 17. November 1973
Daniel Harrasser erzählt die Geschichte der griechischen Militärdiktatur und betont die Rolle des glorreichen Widerstands, der seinen Ausgang in einer Universitätsbesetzung nahm.
Bereits in den frühen 1960er Jahren arbeiteten Griechenlands König Konstantin II. und ihm treue Generäle – in Kooperation mit der NATO – an einem Plan zur Errichtung einer Militärdiktatur, falls es mit demokratischen Mitteln nicht gelingen sollte, dem Erstarken der Linken ein Ende zu setzen. Der so genannte »Prometheus-Plan« beinhaltete einen Maßnahmenkatalog, der sich auf die Abwehr einer »kommunistischen Bedrohung« richtete. MilitärputschAm 21. April 1967 führten hochrangige Militäroffiziere unter der Leitung von Georgis Papadopoulos einen Putsch durch. Die demokratisch gewählte Regierung Papandreou wurde entmachtet, eine repressive Diktatur errichtet. Im ganzen Land herrschten Verwirrung, Angst und Panik. Am Abend des 21. April waren mehr als 10.000 Personen von schwer bewaffneten Soldaten in Athen, Piräus, Patras und Thessaloniki verhaftet worden – unter ihnen zahlreiche Veteranen der Partisanenkämpfe des Zweiten Weltkriegs, Hunderte von aktiven Mitgliedern aller politischen Parteien, der Gewerkschaften, der Jugendorganisationen sowie zahlreiche Journalisten, Rechtsanwälte und Künstler. Gleichzeitig übernahmen militärische Kommandos die Kontrolle über alle öffentlichen Gebäude des Landes – zuallererst die Fernmeldezentrale und den Nationalrundfunk, sodass die wenigen Personen, die etwas von dem Militärputsch mitbekommen hatten, nicht in der Lage waren, die Bevölkerung wirksam gegen den Staatsstreich zu mobilisieren. Nach dem Putsch wurde sofort das Standrecht verhängt – es gab Zensur, Verhaftungen, Folter und Ermordungen. Dies wurde mit der Erklärung gerechtfertigt, dass alles getan werden müsse, um die Nation vor einer »kommunistischen Übernahme« zu retten. Einfluss der USATatsache ist, dass die USA und die NATO die wichtigsten Stützen des Militärregimes waren. Nur durch ihre ununterbrochene finanzielle und militärische Unterstützung konnte sich das Regime konsolidieren. Die USA hatten nach dem Militärputsch von 1967 die Militärhilfe – angeblich aus Protest gegen die Aufhebung der Verfassungsordnung – eingestellt. Sie wurde 1971 offiziell wieder aufgenommen. Interessanterweise war der Umfang der Militärhilfe, die Griechenland in den Jahren 1968-1970 bekam, größer als jene in den drei Jahren vor dem Militärputsch. Gründe für diese Wiederaufnahme der US-Militärhilfe waren die strategischen Interessen der USA in Griechenland aufgrund der damals zunehmenden Präsenz der UdSSR in Ägypten und der explosiven Situation im Nahen Osten (1967 Sechstagekrieg). 8.000 US-amerikanische Soldaten waren zu dieser Zeit in Griechenland stationiert. Studierende und WiderstandSechs Jahre lang schien sich in Griechenland kein nennenswerter Protest gegen die Junta zu formieren. Der 1967er-Putsch war eine schwere und demoralisierende Niederlage für die Linke und die aufstrebende Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung der 1960er Jahre. Zwar kam es bereits im November 1968 im Rahmen der Beerdigung von Ex-Präsident Papandreou zu großen Demonstrationen gegen die verhasste Junta, doch erst im Laufe des Jahres 1973 nahm der Widerstand eine größere und direkte Form an. Bald mussten die »Obristen« zu immer neuen Terrormaßnahmen greifen, um den Widerstand im Keim zu ersticken. Diese Bemühung fand dort ihre Grenze, wo der offene Kampf gegen die Diktatur ausbrach – an den Universitäten. Bereits seit 1968 gab es Boykottaktionen gegen mit dem Regime kollaborierende Professoren. Am 14. November 1973 traten die Studierenden des Athener Polytechnions schließlich in einen Proteststreik gegen die Militärdiktatur. Sie verbarrikadierten sich auf dem Hochschulgelände und installierten einen Radiosender, der zum Widerstand aufrief. Innerhalb eines Tages wurde aus der Studierenden-Rebellion ein allgemeiner Aufstand gegen die Junta. Tausende von Arbeiterinnen, Arbeitern und Jugendlichen schlossen sich dem Widerstand an. Am 15. November demonstrierten über 300.000 Menschen im Athener Stadtzentrum – trotz eines Versammlungsverbots. Das Regime reagierte mit gewaltsamer Repression. Dutzende Aufständische wurden verhaftet. Am Morgen des 17. November 1973 ließ die Regierung das Eingangstor der Universität mit einem Panzer niederwalzen – Soldaten stürmten das Gebäude. Wie viele Menschen beim Aufstand am 17. November 1973 ihr Leben ließen, bleibt bis heute unbekannt. Die Junta konnte sich noch weitere acht Monate halten. Der Polytechnion-Aufstand aber war der Anfang vom Ende dieser Diktatur. Das Ende der Junta bedeutete jedoch nicht das Ende der Widerstandsbewegung. Die Linke gewann in den folgenden Jahren mehr und mehr an Bedeutung. Nach fast 40 Jahren inspiriert der Aufstand vom 17. November die antikapitalistische Bewegung Griechenlands noch immer. Weiterführende Artikel:
Zu allen Artikeln dieser Ausgabe |
|
|
|||||||
|
|
|||||||||
| Impressum |
linkswende@linkswende.org
0650/45 22 473 |
||||||||