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Protest | Soziales | Arbeitskampf | Bildung | England
Dezember - 2011 (Di. 06.12.11) Streik Marsch in Glasgow © socialistworker.co.uk (Duncan Brown)
Fast 30 Gewerkschaften des öffentlichen Sektors riefen zu Demonstrationen gegen die Sparpläne auf: Geplant ist von der konservativ-liberalen Koalition, die Pensionsbeiträge und das Pensionseintrittsalter der Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu erhöhen und gleichzeitig ihre monatlichen Pensionen zu verringern. Der Finanzminister kündigte an, die Gehälter bis 2015 einzufrieren. Zudem sagen die aktuellsten Berechnungen einer regierungsnahen Agentur vorher, dass bis zu 700.000 Stellen abgebaut werden sollen.
Ausmaße des WiderstandsUnd tatsächlich war der Widerstand, den 61% der Bevölkerung und sogar 80% aller Jungen unterstützen, riesig. 90% der Schulen blieben geschlossen, die zivilen Beschäftigten der Polizei und der Grenzschutz traten ebenso in Streik wie das gesamte Gesundheitswesen. Eine Laborantin berichtete von der Stimmung in ihrem Krankenhaus: »Als wir unter Margret Thatcher gearbeitet haben, hatten wir Angst. Aber wir waren noch nie so wütend wie heute.« Vom Totengräber bis zum Fußpfleger wurden alle wesentlichen Dienstleistungsberufe bestreikt. In Nordirland war der öffentliche Verkehr komplett eingestellt, öffentliche Einrichtungen wie Bibliotheken und Gemeindeämter wurden von Streikposten lahmgelegt. Über das Land verteilt zeigten 1000 Demonstrationen die Entschlossenheit der Arbeiterinnen und Arbeiter. Aus Solidarität schlossen sich auch viele Studierende an, in Sheffield und Essex etwa wurden Universitäten besetzt. Studierende des Bradford College, die ihre streikenden Professoren mit Lebensmitteln versorgten, meinten: »Ihr habt uns geholfen, für unsere Bildungsbeihilfen zu kämpfen – jetzt helfen wir euch, für eure Pensionen zu kämpfen«. Gewerkschaften in der OffensiveGroßbritannien galt über die letzten zwei Jahrzehnte ähnlich wie Österreich als nahezu »streikfrei« – das hat sich in den vergangenen Krisenjahren verändert und mit dem Streik am 30. November hat der Aufschwung der Arbeiterbewegung einen neuen Höhepunkt erreicht. Gewerkschafter erzählen, dass wieder mehr junge Menschen beitreten. Ein Teilnehmer auf einer der Demo in Manchester berichtet: »Als die zehntausenden Protestierenden vorbeizogen, hatte ich den Eindruck, dass die Gewerkschaften wieder eine Bewegung geworden sind – mit der Macht, die Regierung in die Knie zu zwingen.« Schon auf den Vorbereitungstreffen der Gewerkschaften zeigte sich, dass die Mitglieder immer mehr Druck auf ihre Führung ausüben: Sie forderten, dass auch nach dem 30. November kontinuierlich und verstärkt gekämpft wird und brachten damit die, sonst eher defensiven, Einzelgewerkschaften dazu, für solche Maßnahmen zu stimmen. Chance zu gewinnenNicht zuletzt strahlt der Erfolg des Streiks im öffentlichen Dienst auch auf Privatangestellte aus: Arbeiter eines großen Baukonzerns stimmten etwa zu 81% für einen landesweiten Streik gegen Gehaltskürzungen um 35%. Nach Meldungen wie diesen wird ein gemeinsamer Generalstreik von öffentlichem und privatem Sektor denkbar. Damit könnten die Pläne der Regierung wirklich gekippt werden. Eine Beamtin aus Five zeigte sich am Ende des Tages kämpferisch: »Ich habe ein Tagesgehalt verloren und mir macht es nichts aus, ein weiteres zu verlieren – solange wir einen richtigen Kampf und eine wirkliche Chance zu gewinnen haben. Es macht keinen Sinn, nur den halben Weg zu gehen.« Zu allen Artikeln dieser Ausgabe |
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