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November - 2011 (So. 20.11.11)
Die bestehende Gesellschaftsordnung ist von der jetzt herrschenden Klasse geschaffen worden – der Bourgeoisie. Die Bourgeoisie ist im Laufe des 16. bis 19. Jahrhunderts aus dem Dritten Stand der Feudalgesellschaft entstanden, den vor allem Handwerker, Händler, freie und landbesitzende Großbauern ausmachten. Im Zuge der industriellen Revolution entwickelten sich diese Schichten zu Fabrikbesitzern und Großunternehmern. An die Stelle der Manufaktur trat die moderne Industrie – an die Stelle des industriellen Mittelstandes traten die »Chefs ganzer industrieller Armeen«, die modernen Bourgeois.
Auf einer gewissen Stufe der Entwicklung der Produktionsmittel entsprachen die politischen Verhältnisse der alten Ordnung nicht mehr der Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise. Die Privilegien des Adels sowie die feudalen Eigentumsverhältnisse insgesamt hemmten die Produktion, statt sie zu fördern. Im Zuge der bürgerlichen Revolutionen –u. a. der Französischen Revolution von 1789, der Julirevolution von 1830 sowie der Revolutionen von 1848 – griff die Bourgeoisie auch nach der politischen Vormachtstellung in Europa. In jenen Ländern, in denen bürgerliche Revolutionen siegreich waren (Niederlande, England) zerschlug die Bourgeoisie die feudale Ordnung und erbaute auf deren Trümmern die bürgerliche Gesellschaftsordnung. Hier konnte sich die kapitalistische Produktionsweise schneller entfalten. Die Einführung der freien Konkurrenz war die öffentliche Erklärung, dass von nun an die Mitglieder der Gesellschaft nur noch insoweit ungleich sind, als ihre Kapitalien ungleich sind, dass das Kapital die entscheidende Macht und damit die Kapitalisten – die Bourgeois – die erste Klasse in der Gesellschaft geworden sind. Im Laufe des 19. Jahrhunderts spalteten sich die revolutionären Kräfte der bürgerlichen Revolutionen zunehmend in zwei feindliche Lager. Der politische Konflikt innerhalb der Gesellschaft bestand nun nicht mehr zwischen Adel und Klerus auf der einen Seite und der bürgerlich-proletarischen Mehrheit auf der anderen Seite, sondern zwischen Bourgeoisie und Proletariat selbst. Die Arbeiterbewegung wandte sich gegen die ehemals als fortschrittlich-revolutionär verstandene Bourgeoisie, die sich umgekehrt zur herrschenden Klasse entwickelte und zu einer konservativ-antirevolutionären Kraft wurde. Die jetzt zur Wahrheit gewordene Freiheit des Eigentums von feudalen Fesseln stellte sich für die große Masse der Gesellschaft als die Freiheit vom Eigentum heraus. Im Gegensatz zur Arbeiterklasse sind die Bourgeois Eigentümer der entscheidenden Produktionsmittel (Fabriken, Transportmittel, Bodenschätze) und können durch Aneignung der Produkte fremder Arbeit Profite erzielen. Die ökonomische und politische Macht der Bourgeoisie ist untrennbar von ihrer ideologischen Macht. Die wirtschaftlich dominierende Klasse ist auch die herrschende Klasse – die Klasse, die über die Produktionsmittel verfügt, kontrolliert auch den Staat. Ihre Kontrolle der Produktionsmittel und des Staates benutzt die Bourgeoisie dazu, die Ausgebeuteten bezüglich ihrer Stellung in der Gesellschaft irrezuleiten. Ihre Wirkung besteht darin, die gesellschaftlichen Verhältnisse im Kapitalismus als natürlich, unvermeidlich und unumstößlich erscheinen zu lassen – und nicht als solche, die nur für die derzeitige Epoche der menschlichen Gesellschaft gelten. Das Ergebnis ist, dass die besonderen Klasseninteressen als allgemeine menschliche Interessen dargestellt werden. Nach marxistischer Konzeption hat die arbeitende Klasse das Potential, in einer sozialen Revolution die öffentliche Gewalt zu ergreifen und der Bourgeoisie die gesellschaftlichen Produktionsmittel zu entreißen um sie in öffentliches, demokratisch kontrolliertes Eigentum zu verwandeln. Von Daniel Harrasser Weiterführende Artikel:
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