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Österreich | Arbeitskampf | Geschichte | Frauenrechte

November - 2011    
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700 Textilverarbeiterinnen traten im Mai 1983 in den Streik. Zwei Wochen lang dauerte der erste Wiener Arbeiterinnenstreik – bis der Forderung nach einer Verkürzung der Arbeitszeit nachgekommen wurde.

Um 1890 begann sich der 1. Mai als Feiertag auch in Österreich durchzusetzen. Doch freiwillig ließen die Fabriksherren die Arbeiter an diesem Tag zumeist nicht ziehen – die Freigabe konnte oft nur mit Mühe durchgesetzt werden. Die 16jährige Amalie Ryba, die erst wenige Monate als Packerin in der Textilfabrik Heller und Sohn in der Gumpendorferstraße arbeitete, konnte mit Unterstützung ihrer Kolleginnen den 1. Mai 1893 als Feiertag erkämpfen. Ryba wurde als Tochter eines tschechischen Schlossers in Wien geboren und musste mit 12 die Schule verlassen, um zum Familienunterhalt beizutragen. 1893 schloss sie sich dem Arbeiter-Bildungsverein Gumpendorf an. Von ihrem Erfolg ermutigt, hielt sie am 2. Mai während der Jausenpause eine Brandrede in der Fabrik, in der sie die Arbeiterinnen bewog, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Der Chef, der mitgehört hatte, entließ sie fristlos. Als sie nach Hause kam, war der ganze Hof voll mit ihren Kolleginnen. Sie wollten in den Streik treten, bis Ryba wieder aufgenommen werde. In der darauf folgenden spontanen Versammlung weiteten sie ihre Forderungen jedoch aus: statt wie bisher 12 bis 13 Stunden forderten sie nur noch 10 Stunden täglich zu arbeiten (laut Gesetz durften es nicht mehr als 11 sein), der lächerliche Wochenlohn von 6 Kronen sollte angehoben werden.

Unverschämte Arbeitsbedingungen



Die Forderungen wurden von der Fabriksleitung nicht angenommen, und am nächsten Tag traten die Arbeiterinnen in den Streik. Arbeiterinnen aus umliegenden Fabriken schlossen sich ihnen an. Bei einer Kundgebung auf der Gumpendorferstraße kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Etwa 50 Polizisten, geschickt von einem der Fabriksbesitzer, stürzten sich auf die Arbeiterinnen und knüppelten auf sie ein. Trotzdem streikten bald 700 Frauen. Bei einer Versammlung am 5. Mai beschrieben die 500 anwesenden Arbeiterinnen ihren Arbeitsalltag und formulierten ihre Forderungen aus. In den Bleichereien und Färbereien stank es nach Chlor und war unglaublich heiß – die Temperatur stieg bisweilen auf 50 Grad an. Dass die Gesundheit der Arbeiterinnen unter diesen Bedingungen litt, war klar. »Schaut mich an, ich bin 26 Jahre alt und schaue aus, als ob ich 40 Jahre alt wäre,« formulierte es eine. »Sagt dem Herrn Gewerbe-Inspektor, welche Arbeitszeit Ihr habt, die gesetzliche elfstündige oder die dreizehnstündige?« fragte sie aufgebracht. Die Streikenden einigten sich auf folgende Forderungen: den 10-Stunden-Tag, menschenwürdige Behandlung, Bezahlung des Feiertags, und bei Heller und Sohn eine zehnprozentige Lohnsteigerung sowie die Wiedereinstellung Rybas.

Siegreicher Streik



Der Streik erfuhr ungemeine Unterstützung durch die Arbeiterinnen und Arbeiter Wiens, mit Geld- und Sachspenden wurde versucht zu helfen. Bei der bürgerlichen Presse wurden die Streikenden weit argwöhnischer beäugt. Es sei »zweifellos, daß die Unzufriedenheit durch eine sehr geschickt geleitete Agitation von außen her in den Kreis der Appretur-Arbeiterinnen getragen wurde«, schreibt die Neue Freie Presse. Die Arbeiterinnen hätten »bisher nie ein Zeichen der Unzufriedenheit gegeben.« Man wünsche, heißt es darauf in der Arbeiter-Zeitung, dem Presse-Redakteur auch nur eine Woche Arbeit in der Fabrik Heller und Sohn.

Seidenverarbeiterinnen schlossen sich den Forderungen an und drohten ebenfalls mit Arbeitsausstand. Eingeschüchtert erklärten sich schließlich alle Unternehmer am 14. Mai mit den Forderungen einverstanden und die Arbeiterinnen konnten ihren ersten Streik siegreich beenden.

Amalie Ryba, nach ihrer Verheiratung Seidel, engagierte sich weiter in der Sozialdemokratie. 1918 wurde sie Wiener Gemeinderätin und später Nationalrätin. Sie engagierte sich in sozial- und jugendpolitischen Fragen und wurde mehrmals verhaftet. Nachzulesen ist ihre Lebensgeschichte und die ihrer Weggefährtinnen unter anderem in Die Partei hat mich nie enttäuscht. Österreichische Sozialdemokratinnen. (herausgegeben von Edith Probst).

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