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Oktober - 2011 (Di. 11.10.11)
Individueller Terrorismus von linker Seite wie etwa die Anschläge der RAF (Rote Armee Fraktion) im Deutschland der 1970er Jahre ist eine Strategie der Ungeduld. Marx behauptete, dass »die Emanzipation der Arbeiterklasse durch die Arbeiterklasse selbst erobert werden muß«. Terroristen und Terroristinnen wollen die Aktivität der Arbeiter und Arbeiterinnen durch ihr eigenes Vorpreschen ersetzen. Nach marxistischer Ansicht ist kollektive Aktion die mächtigste Waffe der Arbeiterklasse – wegen ihrer zentralen Rolle im kapitalistischen Produktionsprozess. Terrorismus dagegen setzt auf das Vorpreschen von Einzelnen. Oft ist damit die Hoffnung verbunden, die Massen durch das Beispiel aufzurütteln (die Theorie von der »Propaganda der Tat«), oft tritt jedoch das gegenteilige Ergebnis ein – die herrschende Klasse kann z.B. einen bis dahin noch allseits verhassten Minister zum Märtyrer aufbauen; doch selbst dort, wo die Sympathien eindeutig auf Seiten der Attentäter liegen »schmälert [Terrorismus] die Rolle der Massen in ihrem eigenen Bewusstsein, […] er söhnt sie mit ihrer eigenen Machtlosigkeit aus und richtet ihre Augen und Hoffnungen auf einen großen Rächer und Befreier, der eines Tages kommen wird und seine Mission vollendet.« (Leo Trotzki 1911).
Wesentlich einfacher ist die Analyse rechten Terrors. Sie rekrutieren sich zu großen Teilen aus dem Kleinbürgertum und der Bourgeoisie und stehen der Arbeiterschaft skeptisch bis feindlich gegenüber. Kollektive Aktion ist für sie keine Option. In beiden Fällen dienen Terroranschläge den herrschenden Klassen als willkommener Anlass, die Unterdrückung von Opposition zu verschärfen. Meist richten sich Antiterrorgesetze, auch wenn rechter Terror als Anlassfall dient, in der Praxis in erster Linie gegen linke Politik. »[D]as Rad der kapitalistischen Ausbeutung dreht sich wie zuvor; nur die Unterdrückung durch die Polizei wird grausamer und dreister. Und als Ergebnis kommen anstatt der erweckten Hoffnungen und der künstlich angestachelten Erregung Desillusion und Apathie.« (Leo Trotzki 1911) Gerade aus Enttäuschung über den Niedergang von Bewegungen und das Umsichgreifen von Apathie erwächst umgekehrt wieder die Versuchung, den mühsamen sozialistischen Weg des Aufbaus einer kampffähigen Massenorganisation zu umgehen, zum Terror als Strategie zu greifen. Die Aufgabe von Sozialisten und Sozialistinnen ist es, diesen Teufelskreis aus Resignation und der daraus resultierenden Wahl von falschen Strategien zu durchbrechen, indem sie in mühsamer Kleinarbeit soziale Bewegungen in der Arbeiterschaft verwurzeln. von Jakob Steixner Weiterführende Artikel:
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