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Wirtschaft | Imperialismus | Geschichte | Afrika | Nahost-Konflikt
Oktober - 2011 Israelischer Ministerpräsident Begin, US-Präsident Carter und Anwar Al-Sadat in Camp David, 1978 © (www.jahr1978.de ) Gamal Abdul Nasser, der 1952 mit dem Putsch der »Freien Offiziere« in Ägypten an die Macht gekommen war, wollte die Armut bekämpfen, aber Kapitalismus nicht wirklich konfrontieren, er wollte sich dem westlichen Imperialismus entgegenstellen, ohne auf eine Bewegung von unten zu setzen. Für die Verstaatlichung des Suez-Kanals (1956) und für die Abwehr der darauf folgenden Invasion von Großbritannien, Frankreich und Israel wird Nasser nach wie vor von vielen Menschen im Nahen Osten als Held gefeiert. 1967 wurde er im »Sechs Tage Krieg« von Israel gedemütigt. Ägypten im imperialistischen SpielAnwar al-Sadat, ein Gefährte Nassers, der 1970 nach dessen Tod Präsident wurde, verfolgte bald eine ganz andere Strategie: Er machte Ägypten zu einem der engsten Verbündeten der USA und Israels – eine Positionierung, die unter Mubarak ihre Fortsetzung fand. Zuvor aber versuchte Sadat, 1967 verlorene Gebiete von Israel zurück zu erobern. Die Auseinandersetzung endete bald in einem Waffenstillstand, aus dem heraus es zu bilateralen Friedensgesprächen mit Israel kam. Die Bevölkerungen der arabischen Staaten reagierten mit Wut auf dieses Ausscheren Ägyptens aus der gemeinsamen Front gegen Israel. Doch Sadat war entschlossen, aus Ägypten eine Stütze der imperialistischen Weltordnung zu machen, ohne Rücksicht darauf, was das für die Sache der Palästinenser bedeutete. Zu dieser Einordnung in das imperialistische Kräftespiel gehörte aber auch eine ökonomische Neuausrichtung. Vorreiter des NeoliberalismusÄgypten war das allererste Land der so genannten Dritten Welt, in dem die Politik ungebremster Privatisierungen durchgesetzt wurde. Mehr als 30 Jahre später zeigte sich, wie furchtbar diese Politik versagt hat. Die Folge war, dass Millionen Ägypter und Ägypterinnen völlig verarmten. Aber auch, dass immer mehr Menschen sich auf den verschiedensten Ebenen gegen das Regime wandten – bis hin zur ägyptischen Revolution von 2011. 1974, noch bevor sich die rücksichtslose Privatisierungs- und Anti-Gewerkschaftspolitik in Großbritannien und den USA (»Thatcherism« und »Reaganomics«) durchsetzte, stellte der damalige ägyptische Präsident Anwar Sadat die »Infitah« vor: die Öffnung von Ägyptens Wirtschaft für die multinationalen Konzerne. Er beendete damit die von Gamal Abdul Nasser verfolgte Strategie einer staatlich gelenkten Wirtschaft. Sadats Plan war, ausländisches Kapital ins Land zu bringen, ausländischen Firmen zu erlauben, in Ägypten zu investieren und sich so viel Profit wie möglich heraus zu holen. Westliche Konzerne durften in Ägypten operieren ohne Steuern zu zahlen. Sadat förderte auch einheimische Geschäftsleute, sodass in Ägypten schon nach wenigen Jahren von einer neuen »Sadat-Klasse« gesprochen wurde. Diese korrupten »Businessmen« wurden bald zu einem integralen Bestandteil des Regimes. Die »Infitah« sorgte währenddessen für gigantische Preissteigerungen und massenhafte Arbeitslosigkeit. Solche Zustände lösten bald Proteste in der Bevölkerung aus. Im Jänner 1977 brachen die sogenannten »Brotaufstände« aus. Die hungernden Massen besetzten das Zentrum von Kairo und Sadat konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen und sein Leben retten. Das Regime ließ das Militär auf die Aufständischen los und zerschlug die Bewegung. Eine Welle von Repression entlud sich gegen die Linke, die Gewerkschaften, Liberale und die Muslimbruderschaft. Im Oktober 1981 wurde Sadat von der »Al Dschihad« ermordet. Die ägyptische Bevölkerung trauerte ihm nicht nach. Sein Nachfolger Hosni Mubarak verlängerte den damals ausgerufenen Ausnahmezustand bis 2011 immer wieder. Zuletzt hat es ihm nichts genutzt. von Tom D. Allahyari Zu allen Artikeln dieser Ausgabe Weiterführende Artikel:
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