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Oktober - 2011 (Di. 11.10.11)
Erster Teil der neuen Serie, in der wir Begriffe des Marxismus von A bis Z erklären.
Für Marx war die Arbeiterinnen- und Arbeiterklasse der Totengräber, den sich das System Kapitalismus selbst geschaffen hat, und das revolutionäre Subjekt, das die Herrschaft der Kapitalistenklasse beenden kann. Für viele moderne Autoren und Autorinnen ist sie ein Gespenst aus der Vergangenheit. Jüngere Strömungen, die sich aus dem Marxismus entwickelt haben, wie die in Italien entstandene »Autonomia«, haben sich überhaupt von der Arbeiterklasse als revolutionärem Subjekt abgewandt. KlassengesellschaftSeit sich Klassengesellschaften entwickelt haben, wiederholt sich die Teilung der Gesellschaft in zwei Hauptklassen: eine Klasse arbeitet und produziert die Grundlagen für die Existenz der gesamten Gesellschaft, und eine zweite Klasse unterdrückt diese Klasse, beherrscht die Gesellschaft und kontrolliert die Verteilung der Güter, die von der arbeitenden Klasse hergestellt wurden. Die zwei Hauptklassen stehen sich daher als Kontrahenten gegenüber: »Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen«, heißt es dazu in Marx‘ Manifest. Die Produzenten waren in der Vergangenheit Sklaven, Leibeigene oder Bauern, heute sind es die Arbeiterinnen und Arbeiter. Wir nennen die moderne herrschende Klasse »Kapitalisten«; früher waren es absolute Herrscher, wie Könige, Priester (Pharaonen) oder Fürsten. Moderne Arbeiterinnen und Arbeiter haben weniger Kontrolle über die Produktionsmittel – Fabriken, Infrastruktur, Transportmittel – aber sie sind auch weniger direktem Zwang ausgesetzt als Leibeigene oder Sklaven. Arbeiter sind für Marx »in doppeltem Sinn frei, frei von … Hörigkeitsverhältnissen … und frei von allem Eigentum.« Verhältnis zu den ProduktionsmittelnEntscheidend für die Klassenzugehörigkeit ist, in welchem Verhältnis jemand zu den Produktionsmitteln steht: ein Pilot (obwohl er oft das Zehnfache anderer Arbeiter verdient) besitzt die Boeing nicht, er setzt sie in Gang. Das macht ihn zum Arbeiter. Die Angestellten im Callcenter stehen im gleichen Verhältnis zu den Produktionsmitteln (der Infrastruktur, Glasfasernetze oder der Telekomausrüstung): sie kontrollieren sie nicht, sondern setzen sie in Betrieb. Die Unterscheidung in Angestellte und Arbeiter ist in diesem Sinne völlig nebensächlich, da beide für die Produktion notwendige Tätigkeiten leisten. Allerdings ist nicht jeder Lohnempfänger auch Arbeiter: Manager sind meist Angestellte, ihre Rolle ist aber, die Ausbeutung der Arbeiter voranzutreiben. Auch unterhalb der Managerebene gibt es Lohnempfänger, z.B. Abteilungsleiter, die den Rest der Belegschaft kontrollieren und mehr kassieren, als sie an Werten schaffen – sie sind Teil der Mittelklasse. Dienstleistung und IndustrieAuch die künstliche Trennung von Dienstleistung und Industrie schafft mehr Verwirrung als dass sie erklären kann. Heute zählt man Lastkraftfahrer zu den Dienstleistern anstatt zu den Arbeitern. Wenn eine Frau Computerprogramme schreibt, soll sie Dienstleisterin sein und wenn sie PCs zusammenschraubt Arbeiterin. Das sind künstliche Trennungen, die im Gefolge der fortschreitenden Spezialisierung erfunden wurden, sie machen aber für uns keinen Sinn, da beide an der Schaffung von Gütern beteiligt sind. Beschäftigte im Bildungs- und Krankenpflegebereich werden ganz selten zur Arbeiterklasse gezählt, weil sie nicht unmittelbar für die Produktion von Gütern tätig sind. Aber solche »nicht-vermarkteten Dienste« sind unerlässlich für das Funktionieren der kapitalistischen Produktion und ihre Beschäftigten sind Teil der Arbeiterklasse. Ob Angestellte, Arbeiter, Dienstleister, prekär Beschäftigte, Pensionisten oder Arbeitslose: Wir sind alle Teil einer Klasse, wir haben gemeinsame Interessen und einen gemeinsamen Feind. Das sollten wir nie vergessen. von Manfred Ecker Weiterführende Artikel:
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