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Rechtsextremismus | Islam

September - 2011    
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Aufnäher auf der Schulter: "Marxist Hunter" (Marxistenjäger): Ein echter Nazi hasst die Linke

Europaweit wird English Defense League totgesagt und vor Parallelkulturen gewarnt. Peter Herbst wirft einen Blick auf verschiedene Facetten und Funktionen von Islamfeindlichkeit.

Nach dem Attentat in Norwegen wurde vielerortens versucht, den Terroristen Anders Breivik als verwirrten Einzelnen darzustellen. So extrem seine Schlussfolgerungen allerdings auch sein mögen, schweben sie nicht im luftleeren Raum. Er kann sich auf eine Islamfeindlichkeit stützen, die in allen Gesellschaftsschichten Platz gefunden hat und vielfältige Aufgaben erfüllt: So bekommen selbst diejenigen, die bereits am Boden liegen, noch jemanden, auf den sie herabsehen können. Die eigentlichen Gründe für Lohnkürzungen und Sozialabbau werden übertüncht. Im Inland werden durch Dämonisierung Anti-Terrorgesetze gerechtfertigt, im Ausland Angriffskriege und die Unterstützung von Diktaturen gerechtfertigt. Und innerhalb Europas bietet »der Islam« ein Feindbild, das Faschisten über Nationalitätengrenzen hinweg eint.

Breiviks Ansicht vom Islam als Parasiten, der die Schwächung des Volkskörpers durch »Kulturmarxisten« ausnützt, steht mit der Forderung nach einer Leitkultur in Zusammenhang. Diese Leitkultur (oft »deutsch« und wenn das zu verdächtig ist »europäisch«) ist eine vage Vorstellung konservativer Politiker, die angeblich Halt für die verfassungsmäßigen Grundrechte bieten soll und in einer jüdisch-christlichen Moral fußt. Angela Merkel formuliert es noch diplomatisch: »Es gibt nicht zuviel Islam, sondern zu wenig Christentum«. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy macht gegen Verschleierung und Minarette mobil. English Defense League schwenkt Kreuze und lässt »Daham statt Islam« plakatieren. Auch Breivik, der so stolz auf seinen nordischen Namen ist, sieht das Heil des Abendlandes im Christentum, einer Religion deren Weg nach Europa kaum kürzer war als der des Islam. Hier zeigt er einen bemerkenswerten Pragmatismus: Anstatt Odin-Kult & Co. wiedererrichten zu wollen, lässt er das gelten, was sich in Europa durchgesetzt hat.

Die rechtsextreme Schlägertruppe English Defense League, die Breivik besondere Bewunderung entgegenbrachte, weist darauf hin, dass ihre Standpunkte von der konservativen Regierung übernommen wurden. Ob es die Fortschrittspartei in Norwegen ist, die Front National in Frankreich oder die offen faschistische Jobbik in Ungarn: Überall profitieren Rechtsradikale davon, dass die herrschenden Parteien glauben, mit islam- und fremdenfeindlicher Politik punkten zu können.

Deshalb ist es eine riesige Dummheit, wenn Linke den Rassisten im islamkritischen Mäntelchen weiter in die Hände spielen. Stattdessen sollten sie deren neoliberale und unternehmerfreundliche Politik aufzeigen und die tatsächliche Parallelgesellschaft der Kapitalisten, in der die Korruption fröhliche Urständ feiert, konfrontieren. Der zerstörerischen Radikalität der Rechten muss eine Radikalität der Linken gegenübergestellt werden, die statt Feindbildern solidarische Lösungen bietet.

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